Korridorsanierung: 53 Millionen Euro Mehrkosten

Mehrkosten durch Korridorsanierungen
Güterbahnen fordern 53 Millionen Euro vom Bund

Bis zu 1.149 Euro Mehrkosten pro Güterzug: Die Korridorsanierungen treiben die Kosten im Schienengüterverkehr. Der Verband Die Güterbahnen fordert deshalb 53 Millionen Euro Ausgleich vom Bund.

Blick auf eine zweigleisige, elektrifizierte Bahnstrecke, die durch eine neblige, bewaldete Landschaft führt. Korridorsanierungen zwingen Güterzüge teilweise zu langen Umwegen.
Foto: Thomas Küppers

Die Sanierung des Schienennetzes wird für Güterbahnen teuer. Allein auf der Verbindung Lehrte–Berlin könnten künftig rund 1.149 Euro zusätzliche Kosten pro umgeleitetem Zug entstehen. Der Branchenverband „Die Güterbahnen“ rechnet für 2027 mit insgesamt 53 Millionen Euro Mehrkosten – und fordert Geld vom Bund.

Sperrungen mit kostspieligen Nebenwirkungen

Die Korridorsanierungen der Deutschen Bahn sollen das marode Schienennetz wieder leistungsfähiger machen. Doch für den Schienengüterverkehr haben die monatelangen Sperrungen eine kostspielige Nebenwirkung: Güterzüge müssen teils erhebliche Umwege fahren. Die zusätzlichen Kilometer verursachen Kosten, für die bislang die Eisenbahnverkehrsunternehmen selbst aufkommen müssen. Der Verband „Die Güterbahnen“ beziffert den finanziellen Ausgleichsbedarf für 2027 auf rund 53 Millionen Euro. Grundlage ist eine Branchenberechnung, nach der jeder zusätzliche Kilometer eines umgeleiteten Güterzugs durchschnittlich 14,36 Euro kostet.

Lehrte–Berlin: Umwege werden noch länger

Wie stark sich die Umleitungen auswirken, zeigt die laufende Korridorsanierung zwischen Lehrte und Berlin. Die derzeitige Umleitung über Magdeburg verlängert den Laufweg eines Güterzugs laut Verband um rund 42 Kilometer. Das entspricht rechnerisch etwa 603 Euro Mehrkosten je Fahrt. Ab Ende Januar 2027 soll der Güterverkehr über Halle und Eichenberg umgeleitet werden. Damit würde der Umweg auf rund 80 Kilometer und die zusätzliche Belastung auf etwa 1.149 Euro pro Zug steigen. Grund für die längere Strecke ist unter anderem, dass die sogenannte Lehrter Stammbahn wegen nicht rechtzeitig abgeschlossener Bauarbeiten nicht als Umleitungsstrecke zur Verfügung steht. Diskutiert wird laut Verband sogar eine Variante über Hamburg, die einen Umweg von rund 250 Kilometern bedeuten könnte. Beschlossen ist diese Variante nach den vorliegenden Angaben aber noch nicht.

Verband fordert 53 Millionen Euro vom Bund

„Die Rechnung für die Sanierungen des maroden Schienennetzes wird den Güterbahnen präsentiert. Dabei haben sie dessen schlechten Zustand nicht zu verantworten“, kritisiert Neele Wesseln, Geschäftsführerin des Verbands. „Die Güterbahnen“ fordern deshalb, im Bundeshaushalt 2027 einen finanziellen Ausgleich vorzusehen. Schließlich finanziere der Bund beim Personenverkehr den Schienenersatzverkehr, während Güterbahnen die Kosten zusätzlicher Zugkilometer selbst tragen müssten. Für die Erstattung schlägt der Verband zwei Möglichkeiten vor: entweder eine direkte Förderung nach tatsächlich gefahrenen Mehrkilometern oder eine Verrechnung der nachgewiesenen Zusatzkosten über die Trassenpreisabrechnungen der DB InfraGO.

Mehrkosten bislang nur geschätzt

Die Forderung betrifft nicht nur die Strecke Lehrte–Berlin. Insgesamt sind 41 Korridore für die umfassende Sanierung vorgesehen. Entsprechend können auch auf weiteren Verbindungen zusätzliche Zugkilometer anfallen. Die Schätzung von 53 Millionen Euro ist allerdings mit Unsicherheiten verbunden. Eine ausreichende offizielle Datengrundlage der DB InfraGO zu den tatsächlichen Mehrkilometern liegt laut Verband bislang nicht vor. Auch Einschränkungen bei Zuggewichten oder Lichtraumprofilen könnten die Kosten zusätzlich beeinflussen. Für „Die Güterbahnen“ kommt die Belastung zu steigenden Trassen- und Energiekosten hinzu. Aus Sicht des Verbands droht damit ein Widerspruch in der Verkehrspolitik: Die Schiene soll mehr Güter übernehmen, während die Sanierung ihrer Infrastruktur den Bahnunternehmen zunächst zusätzliche Kosten verursacht.

In Kürze: die Key Facts

  • Thema: Mehrkosten für den Schienengüterverkehr durch Korridorsanierungen
  • Forderung: rund 53 Millionen Euro Kompensation für 2027
  • Berechnungsgrundlage: 14,36 Euro je zusätzlichem Zugkilometer, ermittelt von Hupac
  • Lehrte–Berlin aktuell: rund 42 Kilometer Umweg, etwa 603 Euro Mehrkosten pro Zug
  • Lehrte–Berlin ab Ende Januar 2027: rund 80 Kilometer Umweg, etwa 1.149 Euro Mehrkosten pro Zug
  • Mögliche weitere Umleitung: über Hamburg mit rund 250 Kilometern zusätzlicher Strecke
  • Umfang des Sanierungsprogramms: 41 Korridore
  • Geforderte Lösung: direkte Erstattung oder Verrechnung über DB InfraGO
  • Datenlage: Verbandsschätzung; keine ausreichenden offiziellen Daten zu tatsächlichen Mehrkilometern verfügbar