Jetzt wird konkret, wie stark die Trassenpreise 2027 steigen sollen. DB InfraGO plant im Schienengüterverkehr ein Plus von 12,9 Prozent. Die vom Gericht erlaubte Kostenobergrenze von 8,2 Milliarden Euro will der Netzbetreiber dabei nicht ausschöpfen.
Schienengüterverkehr trifft es besonders stark
Kaum ist der Streit vor dem Verwaltungsgericht Köln entschieden, legt DB InfraGO neue Zahlen für die Trassenpreise 2027 vor. Die Gebühren für die Nutzung des deutschen Schienennetzes sollen im kommenden Jahr durchschnittlich um 7,9 Prozent steigen. Besonders kräftig trifft es erneut den Schienengüterverkehr. Hier plant die Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn ein Plus von 12,9 Prozent. Im Schienenpersonennahverkehr sollen die Gebühren um 7,7 Prozent, im Fernverkehr um 5 Prozent steigen. Damit wird zugleich klarer, welche Folgen die erst vor wenigen Tagen gefallene Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln tatsächlich haben könnte.
DB InfraGO will 7,5 Milliarden Euro erlösen
Das Gericht hatte im Eilverfahren entschieden, dass DB InfraGO ihre Obergrenze der Gesamtkosten für die Netzfahrplanperiode 2026/2027 auf rund 8,2 Milliarden Euro anheben darf. Diesen Spielraum will das Unternehmen nun aber nicht vollständig ausschöpfen. DB InfraGO plant, bei der Bundesnetzagentur einen Zielerlös von 7,5 Milliarden Euro zu beantragen. Die jetzt genannten Preissteigerungen sind allerdings noch nicht endgültig. Die Trassenentgelte müssen von der Bundesnetzagentur genehmigt werden und können sich im laufenden Verfahren noch ändern.
Güterbahnen drohen trotzdem deutlich höhere Kosten
Für den Schienengüterverkehr bleibt die Lage damit angespannt. Noch unmittelbar nach der Gerichtsentscheidung hatte der Branchenverband „Die Güterbahnen“ vor einer erheblich höheren tatsächlichen Belastung gewarnt. Dabei geht es nicht allein um die Steigerung der Listenpreise. Gleichzeitig soll nach Angaben des Verbands die staatliche Trassenpreisförderung von derzeit 345 auf 200 Millionen Euro sinken. Treffen höhere Trassenpreise und die geringere Förderung wie geplant zusammen, rechnete der Verband mit einem Anstieg der tatsächlich von den Güterbahnen zu zahlenden Trassenpreise um rund 75 Prozent. Die nun von DB InfraGO angekündigten 12,9 Prozent und die vom Verband genannten 75 Prozent widersprechen sich deshalb nicht: Die 12,9 Prozent beschreiben die geplante Erhöhung der Trassenpreise. Die 75 Prozent beziehen zusätzlich die von den Güterbahnen erwartete Kürzung der staatlichen Förderung ein.
Schon 2028 könnte der nächste Sprung folgen
Und die Kostendebatte dürfte 2027 nicht enden. Für das Jahr 2028 will DB InfraGO zunächst einen Zielerlös von 8,6 Milliarden Euro beantragen. Rechnerisch würde das einer durchschnittlichen Steigerung der Trassenpreise um weitere 15,1 Prozent entsprechen. Dabei handelt es sich nach Angaben der Bahn allerdings ausdrücklich um einen vorläufigen Wert. Unter anderem steht noch nicht fest, wie hoch die Instandhaltungsförderung ausfallen wird. Sobald diese und weitere offene Punkte geklärt sind, soll der Antrag nach unten angepasst werden. Für den Schienengüterverkehr bleibt damit vor allem ein Problem bestehen: Die Kosten für die Nutzung des Netzes steigen weiter – und wie stark die Unternehmen letztlich tatsächlich belastet werden, hängt zusätzlich von der künftigen Trassenpreisförderung ab.
In Kürze: die Key Facts
- Trassenpreise 2027 insgesamt: geplant +7,9 Prozent
- Schienengüterverkehr: geplant +12,9 Prozent
- Nahverkehr: geplant +7,7 Prozent
- Fernverkehr: geplant +5,0 Prozent
- Zielerlös DB InfraGO 2027: 7,5 Milliarden Euro
- Gerichtlich erlaubte Kostenobergrenze: rund 8,2 Milliarden Euro
- Güterbahnen-Warnung: rund 75 Prozent höhere tatsächlich gezahlte Trassenpreise bei gleichzeitig sinkender Förderung
- 2028: vorläufiger Zielerlös von 8,6 Milliarden Euro; rechnerisch +15,1 Prozent im Durchschnitt
- Status: Trassenentgelte für 2027 müssen noch von der Bundesnetzagentur genehmigt werden.







