IRU warnt vor Mehrkosten für E-Flotten

Industrial Accelerator Act der EU
Warum E-Flotten teurer werden könnten

Der Industrial Accelerator Act soll Europas Industrie stärken. Doch die IRU warnt vor höheren Kosten, weniger Wettbewerb und neuen Risiken für E-Flotten.

Ein Fuhrparkmanager betrachtet einen Elektro-Lkw und einen Elektrobus vor einem modernen europäischen Verwaltungsgebäude. Das Bild symbolisiert die Auswirkungen neuer EU-Vorgaben auf die Kosten der Verkehrswende.
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Die EU will ihre Industrie stärken und mehr saubere Technologien in Europa produzieren. Doch der Straßentransportverband IRU warnt: Der geplante Industrial Accelerator Act könnte für Bus- und Transportunternehmen neue Kosten, mehr Bürokratie und zusätzliche Investitionsrisiken bringen. Im Kern geht es um sogenannte „Made in Europe“-Vorgaben. Öffentliche Beschaffung und Förderprogramme könnten künftig stärker daran geknüpft werden, dass elektrische Fahrzeuge bestimmte EU-Herkunftskriterien erfüllen. Was industriepolitisch sinnvoll klingen mag, kann für Betreiber von E-Bus- und E-Lkw-Flotten zum Problem werden.

Die Angst vor teureren Fahrzeugen

Die IRU unterstützt grundsätzlich das Ziel, Europas Industrie wettbewerbsfähiger zu machen und die Dekarbonisierung voranzutreiben. Der Verband warnt jedoch davor, die Marktbedingungen für Verkehrsunternehmen aus dem Blick zu verlieren. Strenge Herkunftsvorgaben könnten den Wettbewerb verringern, die Fahrzeugauswahl einschränken und die Anschaffungskosten erhöhen. Besonders kleine und mittelständische Betreiber könnten dadurch unter Druck geraten. Gerade bei elektrischen Nutzfahrzeugen sind Lieferzeiten, Preise und Verfügbarkeit ohnehin schon kritische Faktoren.

Was passiert mit bereits gekauften E-Bussen und E-Lkw?

Besonders kritisch sieht die IRU eine mögliche Unsicherheit für Fahrzeuge, die vor Inkrafttreten der neuen Regeln rechtmäßig beschafft und zugelassen wurden. Der Verband fordert, dass solche E-Fahrzeuge über ihre gesamte Nutzungsdauer weiter in öffentlichen Verkehrsverträgen eingesetzt werden dürfen – auch nach 2035. Andernfalls drohten sogenannte „stranded assets“: voll funktionsfähige Fahrzeuge, die wirtschaftlich entwertet würden. Das wäre laut IRU nicht nur teuer, sondern würde auch den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft widersprechen.

Ausnahmen müssen praxistauglich sein

Der Gesetzentwurf sieht zwar Ausnahmen vor. Diese sind aus Sicht der IRU aber zu eng gefasst und mit zu hohen Nachweispflichten verbunden. Der Verband fordert klarere Regeln, einheitliche Kriterien für öffentliche Beschaffung und Förderprogramme sowie niedrigere Kostenschwellen. Statt 25 oder 30 Prozent Preisunterschied sollten bereits 10 Prozent ausreichen, um von den Herkunftsvorgaben abweichen zu können.

Ersatzteile und Service dürfen nicht blockiert werden

Ein weiterer Punkt betrifft die Zeit nach der Zulassung. Die IRU verlangt, dass „Made in Europe“-Anforderungen nur beim Kauf oder bei der Förderung eines Fahrzeugs gelten dürfen. Ersatzteile, Wartung und Aftermarket-Services müssten uneingeschränkt bleiben. Sonst könnten Betriebskosten steigen, Fahrzeuge länger ausfallen und Gebrauchtwerte sinken.

Lieferverzug darf nicht beim Betreiber landen

Die IRU weist außerdem auf ein praktisches Problem hin: Wenn Hersteller E-Fahrzeuge verspätet liefern, drohen Betreibern häufig Strafen aus öffentlichen Verkehrsverträgen. Dabei haben diese auf Produktions- und Liefertermine oft keinen Einfluss. Deshalb fordert die IRU vertragliche Schutzmechanismen, damit Risiken entlang der Lieferkette fairer verteilt werden.

Ohne Logistik funktioniert keine Industriepolitik

Der Verband kritisiert zudem, dass industrielle Beschleunigungszonen nur funktionieren, wenn auch die Transport- und Logistikinfrastruktur mitgedacht wird. Dazu zählen Straßenanbindung, Logistikhubs, Lkw-Parkplätze sowie Lade- und Tankinfrastruktur für gewerbliche Flotten. Ohne diese Verbindungen könnten neue Industriecluster ihre Wirkung verfehlen.

Der Konflikt: Industrie schützen, Verkehr nicht ausbremsen

Der Industrial Accelerator Act soll Europas industrielle Basis stärken. Für die IRU ist aber entscheidend, dass daraus keine Bremswirkung für die Elektrifizierung des Straßentransports entsteht. Die Botschaft des Verbands ist klar: Europa braucht starke Hersteller. Aber Betreiber brauchen bezahlbare Fahrzeuge, verlässliche Lieferketten und Planungssicherheit.

In Kürze: die Key Facts

  • Thema: Industrial Accelerator Act der EU
  • Verband: IRU
  • Ziel des EU-Vorhabens: Stärkung industrieller Kapazitäten und Dekarbonisierung
  • Kritikpunkt: „Made in Europe“-Vorgaben für elektrische Fahrzeuge
  • Betroffene Bereiche: öffentliche Beschaffung und Förderprogramme
  • Risiko für Betreiber: höhere Kosten, weniger Wettbewerb, längere Lieferzeiten
  • Besonders betroffen: E-Busse, E-Lkw und hier insbesondere kleine sowie mittelständische Betreiber
  • IRU-Forderung: Bestandsschutz für rechtmäßig beschaffte Fahrzeuge über die volle Lebensdauer
  • Kritischer Zeitpunkt: Einsatz auch nach 2035 ermöglichen
  • Weitere Forderung: praxistaugliche Ausnahmen, klare Haftungsregeln und freie Ersatzteilversorgung
  • Infrastruktur: Logistikhubs, Straßenanbindung, Lkw-Parkplätze sowie Lade- und Tankinfrastruktur müssen einbezogen werden
  • Kernaussage: EU-Industriepolitik darf die Dekarbonisierung des Straßentransports nicht verteuern oder verlangsamen