Bund will Cosco-Übernahme von Zippel stoppen

Sicherheitsbedenken gegen China-Deal
Bund will Cosco-Übernahme von Zippel stoppen

Die geplante Übernahme der Spedition Zippel durch die Reederei Cosco droht zu scheitern. Gleich fünf Bundesministerien sprechen sich gegen den Einstieg des chinesischen Staatskonzerns aus.

Bund will Cosco-Übernahme von Zippel stoppen
Foto: Björn Tiemann

Die geplante Übernahme der Hamburger Spedition Zippel durch die chinesische Staatsreederei Cosco könnte kurz vor dem Aus stehen. Nach Informationen des Handelsblatts will die Bundesregierung verhindern, dass der chinesische Staatskonzern 80 Prozent des Logistikers übernimmt. Ausschlaggebend sind demnach Sicherheitsbedenken – und Zippels Rolle im Hinterlandverkehr Richtung Ostdeutschland.

Bundeskartellamt hat bereits grünes Licht gegeben

Das Bundeskartellamt hatte für den Deal bereits grünes Licht gegeben. Nun könnte die geplante Mehrheitsübernahme der Konrad Zippel Spedition durch Cosco Shipping dennoch scheitern. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf einen als „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften Regierungsvermerk berichtet, gibt es innerhalb der Bundesregierung erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die Transaktion. Eine endgültige Untersagung ist dem Bericht zufolge noch nicht beschlossen. Nach Informationen des Handelsblatts läuft es jedoch darauf hinaus, dass Cosco Zippel nicht übernehmen kann.

Fünf Ministerien sollen gegen den Cosco-Deal sein

Bemerkenswert ist vor allem, wie breit der Widerstand innerhalb der Bundesregierung inzwischen offenbar ausfällt. Neben dem federführenden Bundeswirtschaftsministerium sollen sich nach Informationen des Handelsblatts auch das Außen-, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium für eine Untersagung ausgesprochen haben. Die Sorge: Mit Zippel könnte Cosco seinen Einfluss von der Seeseite des Hamburger Hafens weiter in die deutschen Hinterlandverkehre ausdehnen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung. Das Bundeskartellamt hatte die geplante Übernahme von 80 Prozent bereits im Februar 2026 freigegeben. Es sah keine erheblichen Wettbewerbsprobleme, weil Cosco vor allem Container auf dem Seeweg transportiert, während Zippel deren Weitertransport ins Binnenland organisiert. Außenwirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen waren ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Entscheidung.

Warum eine mittelständische Spedition plötzlich strategisch wichtig ist

Auf den ersten Blick überrascht die Dimension der politischen Auseinandersetzung. Zippel ist kein Logistikkonzern von der Größe einer DHL oder Kühne+Nagel. Das Hamburger Unternehmen ist vielmehr auf Containertransporte zwischen Seehäfen und Hinterland spezialisiert. Dabei verbindet Zippel den Vor- und Nachlauf per Lkw mit Transporten auf der Schiene. Zippel verfügt über eine Kapazität von rund 175.000 Standardcontainern pro Jahr. Der Gesamtmarktanteil ist damit vergleichsweise klein. An einzelnen Standorten sieht die Situation jedoch anders aus. Dem Regierungsvermerk zufolge erreicht Zippel an den Terminals Berlin, Schkopau und Elsterwerda Umschlaganteile zwischen 35 und 90 Prozent. Gerade diese Position in den Verkehrsströmen Richtung Ostdeutschland macht das Unternehmen nach Einschätzung der beteiligten Behörden sicherheitspolitisch relevant. Das Verteidigungsministerium verweist laut Handelsblatt dabei auch auf die logistische Unterstützung der Bundeswehr und die Bedeutung der Verkehrswege Richtung deutscher Ostgrenze für die Nato.

Verfassungsschutz hatte bereits vor Cosco-Einstieg gewarnt

Völlig überraschend kommen die Bedenken nicht. Bereits Ende April wurde bekannt, dass sich das Bundesamt für Verfassungsschutz im Investitionsprüfverfahren kritisch zur geplanten Übernahme geäußert hatte. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die zunehmenden Beteiligungen Coscos an europäischen Logistikstrukturen. Die Bundesregierung hatte zuvor gegenüber dem Bundestag nur einen Teil ihrer Erkenntnisse öffentlich gemacht. Bekannt ist, dass Zippel nach damaligem Stand nicht als Betreiber „Kritischer Infrastruktur“ nach dem BSI-Gesetz registriert war. Weitere Antworten zum Übernahmeverfahren wurden wegen Geschäftsgeheimnissen und Grundrechten der Beteiligten als Verschlusssache eingestuft. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Zippel ist damit nicht automatisch formell „Kritische Infrastruktur“. Trotzdem kann eine Unternehmensübernahme im Rahmen der Investitionsprüfung aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit problematisch bewertet werden.

Vom Containerterminal bis ins Hinterland

Besondere Brisanz erhält die geplante Übernahme durch Coscos bereits bestehende Position im Hamburger Hafen. Der chinesische Konzern hält seit 2023 immerhin 24,99 Prozent an der Betreibergesellschaft des HHLA Container Terminals Tollerort. Ursprünglich wollte Cosco dort einen größeren Anteil erwerben; nach einer kontroversen politischen Debatte wurde die Beteiligung begrenzt. Mit Zippel würde nun eine weitere Stufe der Transportkette hinzukommen. Vereinfacht gesagt: Cosco bringt Container über die Weltmeere, ist bereits an einem Hamburger Terminal beteiligt – und könnte über Zippel zusätzlich einen Akteur kontrollieren, der Container vom Hafen per Bahn und Lkw ins deutsche Hinterland bringt. Genau diese vertikale Ausdehnung hatte eurotransport.de bereits bei Bekanntwerden der geplanten Übernahme kritisch beleuchtet.

Zippel-Chef verteidigte Verkauf noch im Juni

Zippel selbst hat die Sicherheitsbedenken bislang zurückgewiesen. Geschäftsführer und Gesellschafter Axel Plaß argumentierte im Juni, das Unternehmen sei zu klein, um handelspolitisch eine entscheidende Rolle zu spielen. Zippel verfüge auch nicht über sensible Daten. Er verwies dabei auf einen Marktanteil von rund eineinhalb Prozent und zeigte sich zuversichtlich, dass die Prüfung die Übernahme letztlich nicht verhindern werde. Plaß ist dabei nicht nur Unternehmer, sondern zugleich eine der prominentesten Interessenvertretungen der deutschen Speditionsbranche: Seit 2018 ist er Präsident des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Nach dem geplanten Cosco-Einstieg soll Plaß weiterhin 20 Prozent an Zippel halten und operativ im Unternehmen tätig bleiben. Diese Argumentation steht nun der Einschätzung der Sicherheitsbehörden gegenüber. Entscheidend ist dabei offenbar weniger Zippels Anteil am gesamten deutschen Logistikmarkt als die Stellung des Unternehmens auf bestimmten Verkehrsachsen und an einzelnen Terminals.

Letztes Wort über Zippel-Verkauf noch nicht gesprochen

Trotz der neuen Informationen ist der Verkauf noch nicht offiziell gescheitert. Nach Informationen des Handelsblatts wird neben einer formellen Untersagung auch die Möglichkeit geprüft, dass Cosco den Übernahmeversuch selbst zurückzieht. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich gegenüber der Zeitung zum laufenden Verfahren nicht äußern. Damit stehen sich inzwischen zwei sehr unterschiedliche Bewertungen desselben Deals gegenüber: Aus klassischer Wettbewerbssicht hatte das Bundeskartellamt keine Bedenken. Die sicherheitspolitische Bewertung fällt nach dem Handelsblatt-Bericht innerhalb der Bundesregierung dagegen offenbar deutlich kritischer aus. Sollte die Übernahme tatsächlich untersagt werden, würde aus dem Verkauf einer mittelständischen Hamburger Spedition endgültig ein Präzedenzfall für die Frage, wie weit chinesische Staatsunternehmen künftig in die deutschen Logistikketten vordringen dürfen.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Konrad Zippel Spedition
  • Interessent: Cosco Shipping
  • Geplante Beteiligung: 80 Prozent
  • Verbleibender Anteil bei Zippel: 20 Prozent beim bisherigen Eigentümer Axel Plaß vorgesehen
  • Status: Übernahme noch nicht abgeschlossen
  • Neue Entwicklung: Bundesregierung will die Übernahme verhindern
  • Entscheidung: Eine endgültige Untersagung noch nicht erfolgt
  • Beteiligte Bundesministerien: Wirtschafts-, Außen-, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium sollen eine Untersagung unterstützen
  • Begründung: Sicherheitsbedenken und Sorge vor strategischen Abhängigkeiten
  • Bundeskartellamt: hatte den Erwerb im Februar 2026 aus wettbewerbsrechtlicher Sicht freigegeben
  • Investitionsprüfung: erfolgt getrennt von der kartellrechtlichen Prüfung
  • Verfassungsschutz: hatte bereits im April 2026 Bedenken gegen die Übernahme geäußert
  • Zippel-Geschäft: Container- und Hinterlandlogistik zwischen Seehäfen und Binnenland
  • Transportmittel: Kombination aus Lkw und Schiene
  • Kapazität laut Handelsblatt: rund 175.000 Standardcontainer pro Jahr
  • Bedeutende Standorte: Berlin, Schkopau und Elsterwerda
  • Umschlaganteile dort laut Regierungsvermerk: zwischen 35 und 90 Prozent
  • KRITIS-Status: Zippel war nach Angaben der Bundesregierung im Frühjahr 2026 nicht als Betreiber Kritischer Infrastruktur nach BSI-Gesetz registriert
  • Cosco im Hamburger Hafen: 24,99 Prozent an der Betreibergesellschaft des Container Terminals Tollerort
  • Kernfrage des Verfahrens: ob eine Cosco-Mehrheit an Zippel die öffentliche Ordnung oder Sicherheit beziehungsweise strategische Transportstrukturen beeinträchtigen könnte