Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) untersuchte, wie sich Cannabiskonsum auf die Fahrleistung auswirkt. Im Straßenverkehr absolvierten Teilnehmer mit Kleintransportern und Pkw auf dem Sachsenring vier Fahraufgaben; die Ergebnisse beider Fahrzeugarten wurden gemeinsam ausgewertet. Nach dem Konsum verschlechterte sich die Leistung in allen Aufgaben, zugleich nahmen die Fahrfehler zu. In die Auswertung der Straßenverkehrsversuche gingen 69 Teilnehmer ein. Insgesamt umfasste die Untersuchung nach BGHW-Angaben 107 Versuchspersonen.
Kleintransporter und Pkw: mehr Fehler nach Cannabis
Die Straßenaufgaben bestanden aus zwei monotonen und zwei komplexen Parcours. Eine Aufgabe bildete eine Liefersituation nach: Die Fahrer mussten Hausnummern suchen, an der passenden Stelle anhalten und zugleich den Verkehr beobachten. Nach dem Konsum zeigten sich unter anderem Auffälligkeiten beim Lenkverhalten und bei der Spurführung. Nicht jeder einzelne Fehlertyp nahm statistisch signifikant zu. Bei bestimmten Fehlern, etwa beim Beobachten von Monitoren oder beim Berühren beziehungsweise Umstoßen von Pylonen, lag die Fehlerquote jedoch bis zum Dreifachen.
Cannabis lässt Staplerfahrer schneller fahren
Die Untersuchung erfasste auch Fahrten mit Gabelstaplern. An diesem Versuchsteil nahmen 32 Fahrer teil, die regelmäßig, aber nicht täglich Cannabis konsumierten und vor der Teilnahme mindestens zwei Tage abstinent sein sollten. Nach dem Konsum fuhren sie im Durchschnitt schneller; der Anstieg der Geschwindigkeit war signifikant. Die Fehler nahmen insgesamt ebenfalls zu, der Unterschied war über alle Aufgaben hinweg jedoch nicht statistisch signifikant. In einzelnen Aufgaben stiegen sowohl Tempo als auch Fehler, in einer Aufgabe gingen die Fehler zurück – ebenfalls ohne signifikanten Effekt.
THC-Wert sagt wenig über die Fahrleistung aus
Bei den Kleintransportern und Pkw ließ sich aus der THC-Konzentration im Blut nicht zuverlässig ableiten, wie gut oder schlecht jemand die Fahraufgaben bewältigte. Auch für die kognitive Leistungsfähigkeit ergab sich kein brauchbarer Zusammenhang. Größeren Einfluss hatten individuelle Faktoren wie die subjektiv wahrgenommene Wirkung, die Risikobereitschaft und die erlebte Beanspruchung. Bei den Staplerfahrern näherten sich die THC-Werte nach rund sechs Stunden wieder dem jeweiligen Ausgangswert an. Einzelne Teilnehmer hatten nach eigener Angabe trotz mindestens zweitägiger Abstinenz noch messbare Werte.
BGHW empfiehlt mindestens acht Stunden Wartezeit
Für gelegentliche Konsumenten empfiehlt die BGHW, nach dem Konsum mindestens eine Nacht beziehungsweise etwa acht Stunden abzuwarten, bevor sie wieder arbeiten oder am Straßenverkehr teilnehmen. Cannabis vor oder während der Arbeit sei nicht zu tolerieren, da Beeinträchtigungen auch bei THC-Werten unter 3,5 Nanogramm pro Milliliter auftreten könnten. Bei regelmäßigem Konsum könne THC noch drei bis fünf Tage nachweisbar sein; bei täglichem oder mehrmals täglichem Hochkonsum sollten sicherheitskritische Tätigkeiten erst nach mehreren Wochen Abstinenz wieder erwogen werden. Ein Schnelltest, mit dem Betriebe akute Beeinträchtigungen zuverlässig erkennen können, wird noch geprüft; Ergebnisse dazu werden 2027 erwartet.





