Knorr-Bremse bringt Bremssystem für autonome Lkw

Knorr-Bremse für autonome Lkw
Redundantes Bremssystem startet 2027

Knorr-Bremse plant den Serienstart seines redundanten Bremssystems für autonome Level-4-Lkw im Jahr 2027. Die Technik soll Sicherheit erhöhen und den wirtschaftlichen Einsatz autonomer Nutzfahrzeuge ermöglichen.

Knorr-Bremse präsentiert auf der IAA Transportation 2026 Technologien für autonome Nutzfahrzeuge. Im Mittelpunkt stehen das redundante Bremssystem für Level-4-Lkw sowie Fahrerassistenzsysteme für mehr Verkehrssicherheit.
Foto: Knorr-Bremse

Autonome Lkw rücken einen weiteren Schritt näher an den Alltag auf Europas Straßen. Knorr-Bremse will 2027 ein redundantes Bremssystem für hochautomatisierte Nutzfahrzeuge in Serie bringen. Die Technologie soll sicherstellen, dass Level-4-Lkw selbst bei einem Systemausfall kontrolliert weiterfahren oder sicher zum Stillstand kommen können. Gleichzeitig entwickelt der Bremsenspezialist seine Fahrerassistenzsysteme weiter und setzt dabei auf höhere Sicherheitsstandards als gesetzlich vorgeschrieben.

Redundantes Bremssystem soll autonome Lkw sicherer machen

Hochautomatisiertes Fahren gilt als einer der wichtigsten Zukunftstrends im Straßengüterverkehr. Fahrzeughersteller arbeiten weltweit daran, autonome Nutzfahrzeuge der SAE-Stufe 4 auf die Straße zu bringen. Knorr-Bremse liefert dafür künftig eine Schlüsselkomponente: Ab 2027 soll das redundante Bremssystem rGSBC (redundant Global Scalable Brake Control) in Serie gehen.

Unabhängiger Bremskreis mit voller ABS-Funktion

Die Besonderheit: Das System verfügt über einen zweiten, unabhängigen Bremskreis. Fällt ein Teil der Bremssteuerung aus, übernimmt dieser automatisch die Fahrzeugverzögerung – inklusive voller ABS-Funktion. Dadurch bleibt das Fahrzeug auch bei technischen Störungen kontrollierbar. Je nach Situation kann der Lkw selbstständig ein sogenanntes Minimum-Risk-Manöver durchführen oder mit eingeschränkter Funktion bis zum Ziel weiterfahren (Mission Complete). „Hochautomatisiertes Fahren im Nutzfahrzeugbereich nimmt weltweit Fahrt auf. Entscheidend für den nächsten Schritt sind robuste, ausfallsichere Fahrzeugarchitekturen“, sagt Bernd Spies, Vorstand von Knorr-Bremse und verantwortlich für die Nutzfahrzeugsparte.

Fahrermangel erhöht den Druck zur Automatisierung

Knorr-Bremse sieht den Markt vor allem durch den zunehmenden Fahrermangel, steigende Sicherheitsanforderungen und den wachsenden Kostendruck getrieben. Gerade Flottenbetreiber erwarten effizientere Transportlösungen, die Fahrzeuge länger verfügbar halten und Ausfallzeiten minimieren. Nach Einschätzung des Unternehmens entwickelt sich derzeit insbesondere Nordamerika zum Leitmarkt für hochautomatisierte Nutzfahrzeuge. Erste kommerzielle Anwendungen dürften vor allem im Hub-to-Hub-Verkehr entstehen, also auf fest definierten Strecken zwischen Logistikzentren, wo sich autonome Fahrfunktionen vergleichsweise einfach einsetzen lassen.

Bremse und Lenkung arbeiten doppelt abgesichert

Für autonome Lkw reicht ein redundantes Bremssystem allein nicht aus. Deshalb setzt Knorr-Bremse auch auf mehrfach abgesicherte Lenksysteme. Zum Portfolio gehören eine vollelektrische Lenkung (Electric Power Steering, EPS) sowie deren redundante Variante (rEPS). Ergänzt werden diese durch eine redundante elektrohydraulische Überlagerungslenkung. Gemeinsam sollen Brems- und Lenksysteme dafür sorgen, dass das Fahrzeug auch bei einem technischen Defekt jederzeit beherrschbar bleibt, eine Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb autonomer Nutzfahrzeuge.

ADAS-Systeme sollen Unfälle weiter reduzieren

Parallel zum autonomen Fahren investiert Knorr-Bremse in moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS). Das aktuelle Fusion Front ADAS kombiniert beispielsweise Radar- und Kameratechnik, um Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen.

Zum Funktionsumfang gehören unter anderem:

  • Notbremsassistent (AEBS)
  • Notbremsassistent mit Fußgängererkennung (PAEBS)
  • Spurhalteassistent (LKA)
  • Spurverlassenswarnung (LDW)
  • Totwinkelassistent (BSIS)
  • Anfahrwarnsystem (MOIS)

Die Systeme unterstützen Fahrzeughersteller nicht nur bei der Einhaltung der europäischen GSR-2-Vorgaben. Laut Knorr-Bremse erfüllen sie bereits heute Anforderungen der verschärften Euro-NCAP-Bewertung für Nutzfahrzeuge.

Knorr-Bremse zeigt Technologien auf der IAA Transportation

Die neuen Lösungen präsentiert Knorr-Bremse auf der IAA Transportation 2026 in Hannover (Halle 12, Stand C21). Im Mittelpunkt stehen Technologien für hochautomatisiertes Fahren, emissionsfreie Nutzfahrzeuge, digitale Flottenservices und intelligente Fahrerassistenzsysteme. Für Logistikunternehmen dürfte insbesondere die geplante Serienreife des redundanten Bremssystems interessant sein. Sie gilt als eine der zentralen Voraussetzungen dafür, dass autonome Lkw künftig wirtschaftlich im Regelbetrieb eingesetzt werden können.

Einordnung für Logistikunternehmen

Mit dem geplanten Serienstart des redundanten Bremssystems setzt Knorr-Bremse einen wichtigen Baustein für die Einführung autonomer Lkw. Gerade im Hub-to-Hub-Verkehr könnten Level-4-Fahrzeuge mittelfristig helfen, den Fahrermangel zu entschärfen, Fahrzeuge effizienter auszulasten und Betriebskosten zu senken. Gleichzeitig zeigt die Ankündigung, dass der Wettbewerb um Schlüsseltechnologien für autonome Nutzfahrzeuge zunehmend in die Serienentwicklung übergeht.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Knorr-Bremse
  • Produkt: rGSBC (redundant Global Scalable Brake Control)
  • Serienstart: geplant für 2027
  • Anwendung: autonome Nutzfahrzeuge der SAE-Stufe 4
  • Funktion: redundantes Bremssystem mit zweitem unabhängigen Bremskreis
  • Weitere Technologien: redundante elektrische Lenkung (rEPS), elektrohydraulische Lenkung (rAHPS)
  • Ziel: höhere Ausfallsicherheit und wirtschaftlicher Einsatz autonomer Lkw
  • Einsatzgebiete: zunächst Hub-to-Hub-Transporte
  • Weitere Systeme: Fusion Front ADAS mit AEBS, PAEBS, LKA, LDW, BSIS und MOIS
  • Präsentation: IAA Transportation 2026 (Halle 12, Stand C21)