Vier Monate lang musste Gerald Ewers auf sein erstes Menü aus der neuen Autohofküche warten – bis die Umbauarbeiten abgeschlossen waren. "Aber das war’s wert", ist der Rentner und Stammkunde überzeugt. Auch Berufskraftfahrer Roland Kropf, der sich mit seinem Kollegen Torsten Petersen zum Abendessen im neu gestalteten Außenbereich des Restaurants verabredet hat, ist zufrieden: "Ich bin zum ersten Mal hier. Die Sanitäranlagen sind gut ausgebaut. Man kann zum Essen schön draußen sitzen. Und nach Verrechnung mit dem Parken kostet das Schnitzel mit Pommes nur noch knapp unter 10 Euro. Das ist in Ordnung – andere Autohöfe verlangen deutlich mehr."
Kollege Petersen, der hier regelmäßig Rast macht, lobt die Parkplatzsituation: "Du kannst hier auch etwas später kommen und kriegst immer noch ‘nen Platz." An das neue, schrankenlose Parkplatzsystem hat er sich schnell gewöhnt. Man bezahle abends an der Kasse und fahre morgens einfach raus. "Hier ist alles total unkompliziert, ich bin gerne hier", lobt Petersen.
Das hört Autohof-Pächter Thomas Jordan gerne. Seit 25 Jahren sei der Autohof sein zweites Zuhause – auf der Zielgeraden des Umbaus sei es zeitlich betrachtet sogar das erste gewesen. Dass zur offiziellen Eröffnung am nächsten Vormittag der Aral-Vorstandsvorsitzende Achim Bothe und Oliver Munnes, der als Head of Aral Fuel Sales auch die Autohöfe verantwortet, sowie Lekkerland-CEO Hilmar Hübers anreisen, unterstreicht die Bedeutung dieses Umbauprojekts.
Kraftstoff und noch viel mehr
"Wir blicken auf eine zweihundertjährige Markengeschichte zurück und sind mit 2.400 Tankstellen und rund 100 Autohöfen der größte Betreiber in Deutschland", erklärt Bothe. Mit den Kundenbedürfnissen verändere sich auch das Autohofkonzept. Habe früher der Kraftstoff im Mittelpunkt gestanden, gehe es heute um viel mehr.
So besitzt der Aral-Autohof Northeim jetzt neben 104 Lkw- und 48 Pkw-Stellplätzen, Zapf- und Ladesäulen, Pkw-Waschanlage, Restaurant, Geldautomat, Kassen- und Verkaufsbereich auch einen rund 250 Quadratmeter großen Rewe To Go-Shop. Letzterer ist in Zusammenarbeit mit Rewe-Tochter Lekkerland in einem neuen Design umgesetzt worden. Mit Kaffeeautomat, Brotregal, frischem Obst, Kühltheke, allerlei Snacks, Süßigkeiten, Getränken und Zeitschriften bleiben kaum Wünsche offen. "Wir sind überall am Start, wo es gilt, Leute unterwegs satt und zufrieden zu machen“, unterstreicht Lekkerland-CEO Hübers und ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Nicht alles ist gesund, aber alles ist lecker!"
HVO und Lkw-geeignete Ladesäulen
Neu angeboten wird in Northeim auch HVO als Alternative zu herkömmlichem Diesel. Für Elektrofahrzeuge gibt es am Standort vier Ultraschnell-Ladesäulen von Aral pulse mit jeweils zwei Ladepunkten und einer Leistung von bis zu 300 Kilowatt (kW). E-Lkw können dort auch als Sattelzug geladen werden. Worüber sich u.a. der Schweizer Chauffeur Valentin Schnell freut, der gerade seinen Scania 40 S lädt, einen 6x2-Prototyp im Feldversuch bei Krummen Kerzers: "Hier kann ich gut durchfahren, woanders müsste ich absatteln."
Allerdings blockiert der Kühlauflieger die zweite Ladesäule in dieser Spur. Daher sind in einer zweiten Ausbaustufe ab 2027 separate Megawatt-Charging-Ladesäulen mit einer Leistung von bis zu 1.000 kW geplant, an zehn Einfahr-Ladeboxen innerhalb des Lkw-Parkplatzes. Die Kabel dafür liegen schon in der Erde, heißt es.
Bedürfnisse der Lkw-Fahrer im Blick
Dass nicht nur die Bedürfnisse der "normalen" Reisenden, sondern gerade der Lkw-Fahrer in die Autohof-Konzeption eingeflossen ist, wird an mehreren Stellen deutlich. Zuerst am Lkw-Parkplatz. "Wir haben die Einfahrt verlängert und die Schranke entfernt, damit es zu Stoßzeiten weniger Stau an der Einfahrt gibt", erklärt Projektleiterin Rebecca Asche. Das KI-unterstützte Kamerasystem erfasse Lkw- und Anhänger-Kennzeichen, um etwa bei Trailer-Tausch sauber abrechnen zu können. Vier Stunden sind gratis; 24 Stunden Parken macht 13 Euro, inklusive 5-Euro-Verzehrgutschein. Als Dienstleister hat sich Aral hierfür "Betterpark" ins Boot geholt. Es sei das erste Einfahrsystem dieser Art, jetzt gelte es Erfahrung zu sammeln, wie es sich in der Praxis bewähre.
Vorbei an einem Outdoor-Waschautomat mit Solardach geht es auf den ebenfalls neuen, nicht zu übersehenden Zebrastreifen zum Hauptgebäude. "Wir haben es in den vier Monaten Bauzeit um ein Drittel vergrößert und die Sanitäranlagen komplett erneuert", berichtet Oliver Munnes. Auf Kundenempfehlung hin sei bei Letzteren auch eine aufwendige Abluftanlage installiert worden, um Schimmelbildung zu verhindern. Vier moderne, helle Kabinen mit Dusche, eigenem WC und Waschbecken ergänzen nun die Damen- und Herrentoiletten. Aktiviert wird die Kabine per Münzeinwurf.
Ein fahrerfreundliches Autohofkonzept hört für Oliver Munnes und das Aral-Team aber nicht bei den Sanitäranlagen auf. Quasi als gute Stube nur fürs Fahrpersonal gibt es zusätzlich zum Innen- und Außenbereich des Restaurants eine 38 Quadratmeter große "Trucker-Lounge", mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, Holzelementen, Fernseher, Klimaanlage und – so viel Markenstolz muss sein – einem großen Aral-Schild.








