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Neoplan Skyliner 18 Bilder Zoom
Foto: Jacek Bilski

Neoplan Skyliner

Neuer König der Straße

Nach einem langen Anlauf fährt der Neoplan Skyliner jetzt mit Volldampf voraus. Dabei zeigt er sich als ausgereifter König der Straße, der reichlich Faszination verströmt.

Das typische Neoplan-Design, seit 2004 nennt man es auch Sharp-Cut-Design, ist demjenigen der Wettbewerber meistens um ein paar Jahre voraus. Darum wirkt der kolossale Doppeldecker auch sechs Jahren nach seiner Vorstellung alles andere als altbacken. Ganz im Gegenteil: Die dynamische Front mit der schrägstehenden oberen Scheibe, das raffinierte Design der Seitengrafik und eine der hinreißendsten Heckansichten der Buswelt machen den Doppeldecker schon optisch zu einem echten Leckerbissen. Zudem feiert der Skyliner 2017 seinen 50. Geburtstag, und mit mehr als 100 verkauften Bussen in diesem Jahr knüpft Neoplan langsam wieder an alte Verkaufszahlen an – ein boomender Fernbusmarkt macht es möglich.

Ein Doppeldecker ist zwar oft die Lösung vieler Maximal-Bedürfnisse von Unternehmern und Fahrgästen, aber zugleich ist er auch eine Ansammlung von Kompromissen, die Physik und Gesetzgebung nötig machen. Dabei haben die Ingenieure und Produktstrategen ihr Möglichstes getan, um diese so klein wie möglich zu halten.

Rollstuhlgerecht dank Niederflur

So bietet der Skyliner einen der größten Kofferräume. Je nach Türlage sind es bis zu elf Kubikmeter – mehr schafft derzeit keiner der Wettbewerber. Neben den beiden seitlichen Klappen mit einer Ladekantenhöhe von 137 Zentimetern gibt es noch einen Zugang über die hintere Treppe, für den man allerdings über akrobatische Fähigkeiten und eine schmale Taille verfügen sollte. Wesentlich einfacher gestaltet sich der Zugang für Rollstuhlfahrer durch die auf 1.050 Millimeter verbreiterte Tür. Die seit Beginn 2016 ausschließlich in Deutschland geltende Vorschrift für zwei Rollstuhlplätze im Fernlinienverkehr hat zum Teil den neuerlichen Boom der Doppeldecker mit ausgelöst. Beim Skyliner verbirgt sich im praktischen Sondernutzungsraum zwischen fernlinientauglicher Toilette und gut zugänglicher Küche eine faltbare Rampe mit 300 Kilo Tragkraft, die den einfachen Zugang mit Rollstuhl ermöglicht.

Durch den Entfall des 23 Zentimeter hohen Podests rechts hinter der Tür können hier drei Sitzreihen tieferliegend auf Airlines montiert und bei Bedarf einfach nach vorne geklappt und geschoben werden, um einem Rollstuhl Platz zu machen. Sollten nach Voranmeldung mal zwei Plätze benötigt werden, können die Sitze dank Schnellverschlüssen einfach ausgebaut werden – in beiden Fällen verliert der Betreiber sechs reguläre Sitzplätze. Eine kostengünstige und sehr praxisgerechte Lösung. Niederflur macht’s möglich!

Rekordverdächtige CO2-Werte pro Person und Kilometer

Wie so mancher Fahrgast können auch wir der Versuchung nicht widerstehen und wenden uns zuerst dem Oberdeck zu – dem Allerheiligsten eines Doppeldeckers. Der vordere Aufstieg ist zwar breit und modern gestaltet, jedoch sind Personen über 1,80 Meter gleich zweimal der Gefahr einer Kopfkollision ausgesetzt – gleich auf der ersten Stufe unten und bei Ankunft im Oberdeck, wo sich das durchgehende Aluminiumprofil der Decke scharfkantig und ungeschützt in den Weg stellt. Hier heißt es Nacharbeiten! Unbeschadet oben angekommen, bieten sich dem Passagier von dort aus beste Aussichten. Zudem ist die Gangbreite mit mindestens 40 Zentimetern etwas üppiger ausgefallen als unten.

Durch die obere, Skylights genannte Dachrandverglasung kann sogar der am Gang Sitzende weit nach oben aufs Bergpanorama oder die Skyline der Großstadt blicken. Vier serienmäßige oder sieben optionale Dachfenster lassen die Atmosphäre noch luftiger und lichtdurchfluteter erscheinen. Unschlagbar ist das Ambiente der ersten Reihe, der wohl Exklusivsten des europäischen Busmarktes derzeit. Dank der sehr schräg angesetzten Frontscheibe, tief heruntergezogenen Seitenscheiben und modernen Innendesigns fühlt man sich hier wie in einer VIP-Lounge. Eine linientaugliche Klasse-zwei-Version mit bis zu 94 Sitzen soll es ab 2017 geben, wodurch der CO2-Wert pro Person und Kilometer weit unter zehn Gramm sinkt. Das ist rekordverdächtig!

Über die problemlos nutzbare hintere Treppe findet sich der Weg nach unten, vorbei an einer gut ausgestatteten Stehküche, die auch durch einen mannshohen Snackautomaten von Frenzel ersetzt werden kann. Die Toilette ist durch den Sondernutzungsraum abgetrennt, bietet massive Armaturen und stark erweiterte Tankvolumina für die Fernlinie, in der immerhin über die Hälfte der Skyliner ihren Dienst tun.

Die beiden Sitzgruppen mit Tisch verbreiten – anders als die Gepäckablagen – eine alles andere als beengte Atmosphäre. Gerne werden sie als Catering-, Kommunikations- oder auch Computerarbeitsbereich genutzt. WLAN mit LTE-Speed für bis zu 80 Personen ist ebenso an Bord wie 220-Volt-Steckdosen an jedem Doppelsitz – bald soll es auch kabellose Handy-Ladestationen geben. Selbst wenn die Geräuschwerte hier unten nicht ganz so gut ausfallen wie im Oberdeck, herrscht doch angenehme Ruhe. Ein Grund dafür ist auch die aus Milchglas gefertigte Tür zwischen den Radkästen und Klimatoren, die das Cockpit weitgehend abschottet. Zwar gibt es hier vorne noch einen weiteren, sehr gemütlichen Doppelsitz gegenüber der Treppe, aber dieser ersetzt zumeist den serienmäßigen Begleitersitz, der im Durchgang zum Fahrerplatz und zur Treppe etwas im Weg ist und auf den die Kunden daher oft verzichten.

Neuer Sykliner in allen Bereichen weiter optimiert

Der Fahrerplatz wurde für den dritten Anlauf ebenso wie die kraftvolle Zweizonen-Klimaanlage (Kälteleistung gegenüber dem Vorgänger plus zehn Prozent) weiter optimiert. Sicht und Bewegungsfreiheit für den Fahrer sind sehr gut, auch wenn es hinter dem genialen, neuen Isri NTS-2-Sitz immer noch eng zugeht. Immerhin lassen sich die LGS-Vibratoren im Sitz auf Wunsch mit dem neuen, ebenfalls optionalen (1.500 Euro) Aufmerksamkeitsassistenten koppeln – recht so, nur so ergibt es Sinn! Auch alle anderen Assistenzsysteme arbeiten sehr fein und präzise. Obendrein gibt es viele Ablagen und Staufächer, das edle Multifunktionslenkrad liegt bestens zur Hand, nur dessen Verstellung ist unverändert fummelig. Das hier schon öfter angesprochene Manko des zu klein geratenen Fünf-Zoll-Displays der Multimedia-Anlage dürfte sich 2017 mit der neuen Topversion namens MMC Advanced erübrigt haben. Es soll auf der IAA in Truck und Bus zu sehen sein und optional einen Sieben-Zoll-Monitor, DAB+ sowie erweiterte Telefonfunktionen bieten.

Nicht nur die neue Multimediaanlage, auch die Antriebstechnik des Skyliner ist auf der Höhe der Zeit, beziehungsweise wird weiter verbessert. So geht mit den aktuell schon bestellbaren Optimierungen der MAN-Motoren in Bezug auf die Euro-6c-Abgasnorm (siehe S. 6) eine Steigerung des maximalen Drehmoments um 200 auf satte 2.500 Newtonmeter einher. Zum einen zieht der Pionier des Segments damit endlich mit dem Wettbewerb gleich, der aktuell bis zu 2.550 Newtonmeter bietet. Zum anderen dürfte die kernige Steigung, die auf der Teststrecke im Schwarzwald zum merklichen Abfall der Geschwindigkeit führte, ihren Schrecken auch noch verlieren.

Fahrwerk basiert auf Modulen der neuen MAN-Chassis-Generation

Trotzdem konnte sich die Durchschnittsgeschwindigkeit im Test von 68 km/h sehen lassen, ebenso wie der Durchschnitts-Verbrauch von 33,4 Litern, der sich auf der Autobahn locker auf bis zu 25 Liter drücken lässt. Hierzu trägt neben der für einen Doppeldecker vergleichsweise guten Aerodynamik von Cw 0,41 der neue, GPS-gesteuerte und prädiktiv arbeitende Tempomat Efficient Cruise bei, der bis zu neun Prozent Kraftstoff sparen soll. Eine neue, ultralange Achse tut ihr Übriges. MAN verbaut derzeit noch die weiterentwickelte AS-Tronic-Schaltbox von ZF. Der Nachfolger Traxon findet 2019 Einzug ins Heck. Neu ist heute schon der Eco Roll genannte, automatische Freilauf des Getriebes, der bei Null-Last oder beim "Segeln" aktiviert wird. Ebenso neu und intelligent ist der Wartungsrechner des überarbeiteten D26-Motors, durch den die Intervalle für Öl und Service auf bis zu 120.000 Kilometer ausgedehnt werden können, je nach Beanspruchung des Fahrzeuges – gerade für die Fernlinie ein kolossaler Mehrwert!

Eine Ablesbarkeit der Werte über Telematik erfolgt in einer zweiten Stufe mit einer angepassten Bus-Telematik. Was den Skyliner neben dem exklusiven Design und dem Skylights-Konzept im Oberdeck aber zum Vertreter eines absoluten Top-Segments macht, ist zweifellos sein Fahrwerk. Es basiert auf Modulen der neuen MAN-Chassis-Generation, besitzt also eine starre Nachlaufachse, die jedoch aktiv hydraulisch gelenkt ist. Als einziger Doppeldecker bietet der Skyliner serienmäßig elektronisch gesteuerte CDS-Dämpfer, die ein Wanken und Nicken des hohen Aufbaus wirksam verhindern. Die Auswirkungen des Systems in Verbindung mit dem Fahrwerk sind einfach frappierend: kein Klappern, kein Scheppern, geringste Aufbaubewegungen der ungewollten Art. Ein Genuss! Kurzum, es hat sich gelohnt, rund sechs Jahre auf diesen hochklassigen Vertreter einer traditionsreichen Marke zu warten. Er könnte durchaus für ein paar Jahre zu ihrer prägenden Ikone werden.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

19. August 2016
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