Renault Trucks D16 4x2

Quirliger Kipper

Foto: Oliver Willms 8 Bilder

Fahrbericht: Der Renault-D16-Straßenkipper will als quirliger 16-Tonner sein Multitalent unter Beweis stellen. Kann der französische Exot gegen die deutschen Platzhirsche bestehen?

Als seltener Gast auf deutschen Baustellen gibt sich der Renault Trucks D mit seiner 2,1 Meter breiten, aber dafür komfortabel langen Global-Kabine die Ehre. Schmal und gut lautet hier die Devise: Das kompakte Fahrerhaus punktet mit geringem Durchschwenkradius und bietet für den Tageseinsatz genügend Arbeitsplatz, um sich am Steuer des quirligen Renault-Kippers dauerhaft wohlzufühlen.

Das fängt schon beim beispielhaft bequemen Aufstieg an, der dank der wenig breiten Kabine fast treppenartig in die gute Stube des Franzosen führt. Der unterste Tritt bleibt auch bei der Kippervariante starr und zeigt, dass dieser Renault als Wanderer zwischen Straßen- und Offroadwelten um Kompromisse bemüht ist. Denn der mit Meiller-Dreiseitenkippbrücke auf den Rahmenschultern gerade mal 7,1 Tonnen schwere Solowagen kann neben der Zustellung von Schüttgut auch im Kommunaleinsatz vielfältige Aufgaben in der Straßenmeisterei oder im Winterdienst verrichten. Das große Motorenherz unter seiner Kabine bietet dafür genügend Leistungsreserven.

Der auch von Konzernmutter Volvo bekannte Sechszylinder mobilisiert aus stattlichen 7,7 Liter Hubraum gesunde 280 PS Spitzenleistung, mit der sich der orange Solokipper auch abseits der Straße nicht verstecken muss. Der durchzugsstarke Antrieb bringt den 16-Tonner schnell auf Tempo und bietet mit 1.050 Nm dauerhafte Durchzugskraft, die im Gelände nur von der Traktionsleistung des Hinterradantriebs limitiert wird. Steilere Anfahrpassagen auf losem Untergrund werden dabei aber auch mit Einsatz der Differenzialsperre mit dem Straßentraktionsprofil an der Hinterachse zum Hindernis. Dort verdient der D16 aber auch nicht sein Geld. Er kann solo fast neun Tonnen Ladung schultern und empfiehlt sich damit als flexibler Springer zwischen Baustelle, Betriebshof oder Kieswerk.

Zum munteren Charakter des arbeitswilligen Antriebs passt an sich auch das gut gestufte Achtganggetriebe aus dem Hause ZF, das auch für den Einsatz als maximal 32 Tonnen schwerer Lastzug genügend Gangstufen bereithält. Erst auf lang gezogenen Landstraßensteigungen geht dem hubraumstarken Franzosen irgendwann die Puste aus. Ist man als Solowagen unterwegs, kann man die Gänge mit flinkem Wechsel überspringen. Allein der Rückwärtsgang ließ sich bei dem noch blutjungen Testtruck über den eng am rechten Fahrerbein liegenden Schalthebel nur mit Nachdruck einlegen.

Der agile Antrieb, der enge Wendekreis und das kompakte Fahrerhaus mit seiner beispielhaften Übersichtlichkeit steuern einen Großteil des positiven Fahreindrucks am Steuer des Renault bei. Federung und Dämpfung überzeugen bei Leerfahrt ebenso wie voll ausgeladen mit akzeptablem Komfort, die etwas giftig eingestellte Betriebsbremse mit Scheibenbremsen an beiden Achsen hat die Fuhre stets im Griff. Die direkt übersetzte Lenkanlage könnte ein wenig mehr Dämpfung vertragen.

Apropos Steuer: Das muss man als einzig echten Kritikpunkt des französischen Bauhelfers anführen. Die Vielzahl der Bediensatelliten und Hebelchen rund um den Hartplastikvolant wirken störend und alles andere als ergonomisch. So ist der Blinkerhebel viel zu tief, um darüber noch Platz für den Motorbremshebel zu lassen, über den die Motorbremse mit maximal 120 kW bei astronomischen 2.800 Touren ihren eher übersichtlichen Verzögerungsbeitrag beisteuert. Unter dem griffsympathisch teilperforierten Lenkradkranz sitzen aus den Renault-Pkw bekannte fummelige Tastenblöcke für Tempomat und Radioregelung, die weder übersichtlich noch bedienfreundlich ausfallen. Die Taster und Drehregler im Armaturenbrett und das Einzelinstrument im Anzeigedisplay bieten dafür klarere Verhältnisse, auch wenn die digitale Tempoanzeige nicht jedermanns Ding ist.

Ein paar kleine Ablagen am Fahrerplatz sowie die zum veritablen Brotzeittisch ausfahrbare Kühlschrankbox auf dem Motortunnel versöhnen dagegen ebenso wie der Sicherheitsblick durch das kleine Fußraumfenster in der Beifahrertür. Und die mittig angebrachte Druckluftpistole verführt förmlich zur ständigen Reinigung der Kabine. Hinter dem Gestühl wartet die lange Kabine mit ansehnlichem Stauraum für Gummistiefel, Handschuhe und Werkzeug auf, die Kleiderstange mit Haken übernimmt die Außenkleidung und den Helm des Fahrers.

Der muss sich freilich bei Aufnahme oder Abkippen der Ladung theoretisch nicht mehr aus der Kabine bemühen. Die Bedienung der Meiller-Dreiseitenkippbrücke ist narren- und funktionssicher. Nur bei sandigem Schüttgut muss der Fahrer selbst den Besen schwingen, um den starren Heckunterfahrschutz straßenverkehrstauglich zu säubern. Die Investition in die gediegene Meiller-Kippertechnik stellt dabei eine sichere Bank dar, die sich im Alltag dauerhaft als bedien- und praxistauglich bewährt. Selbiges Urteil kann man auch dem Renault Trucks D16 als straßenorientiertem Solokipper mit vielfältigen Einsatzgebieten attestieren. Wenn ein engagierter Renault-Trucks-Händler neben dem passenden Service ein unwiderstehliches Angebot macht, spricht tatsächlich nichts gegen den kleinen französischen Underdog mit dem großen Hubraumherzen.

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