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Foto: Kübler Spedition

Schwertransport

514 Tonnen rollen mit Kübler durch Hohenlohe

Ein neuer Transformator, marode Brücken und ein rückgebauter Gleisanschluss haben einen spektakulären Schwertransport im Kreis Schwäbisch Hall erforderlich gemacht.

Der Stromnetzbetreiber TransnetBW erhöht die Übertragungskapazität im Nordosten von Baden-Württemberg und verstärkt dazu das Stromnetz zwischen Kupferzell (Hohenlohekreis) und Leingarten (Landkreis Heilbronn) auf 380 Kilovolt. Dazu wurde im Umspannwerk Kupferzell ein 272 Tonnen schwerer Transformator benötigt, der im niederländischen Nimwegen gebaut worden ist.

Radweg statt Trasse und marode Alternativroute

Während Nimwegen nicht zuletzt aus dem Film "A Bridge Too Far“ (Eine Brücke zu viel) bekannt ist, waren es rund um Kupferzell eine beziehungsweise drei geeignete Brücken zu wenig, die der durchführenden Spedition Kübler aus Michelfeld Kopfzerbrechen bereitete.

Einst hatte das Umspannwerk einen vorbildlichen Gleisanschluss mit eigener Weiche. Der Abzweig führte die per Bahn transportierten Transformatoren direkt bis zum Aufstellungsort. Doch als DB Netz im Jahre 1991 auch den Güterverkehr auf der Strecke Waldenburg–Künzelsau einstellte, wurde die Gleistrasse zu einem Radwanderweg umgestaltet.

Der Anlagenbetreiber identifizierte zwar eine alternative Route auf der Straße. Allerdings wurde die Rechnung ohne die immer maroder werdende Infrastruktur gemacht. Denn als nun 2017 die Anlieferung des neuen Transformators anstand, waren drei Brücken im direkten Umfeld des Umspannwerkes den Belastungen nicht mehr gewachsen.

Komplizierte Ausweichstrecke

In unzähligen Streckenprüfungen und einer Vielzahl von Gesprächen mit den Straßenbaulastträgern konnte mühsam eine Route vom Heilbronner Schwergutkai aus gefunden werden, berichtet Kübler. Während die erste Hälfte der Route über die offizielle Schwerlaststrecke des Landes Baden-Württemberg bis auf den Lagerplatz der Spedition Kübler relativ problemlos zu befahren war, verlangte die zweite Hälfte durch den Landkreis Schwäbisch Hall den Planern und Fahrern einiges ab. So führte die Route als Alternative zu den drei mindertragfähigen Brücken über kleine Kreis- und Dorfstraßen.

Im Heilbronner Neckarhafen wurde der Transformator mit zwei Mobilkränen von Scholpp auf die 350 Tonnen tragende, 24-achsige Scheuerle-Hubhebelbrücke von Kübler geladen

514 Tonnen schwer und 78 Meter lang

Nach anderthalbjähriger Planung fiel im Februar 2018 in Nimwegen der Startschuss. Zuerst ging es über eine kurze Strecke zum Hafen, wo der Transformator in ein Rheinschiff verladen wurde. Eine Woche später wurde der Transformator dann in Heilbronn mit zwei riesigen Mobilkränen von Scholpp aus Stuttgart auf die 350 Tonnen tragende, 24-achsige Scheuerle-Hubhebelbrücke von Kübler geladen. Mit dieser Hubhebelbrücke kann die Last sogar noch 1,50 m hoch über Hindernisse hinweggehoben werden, was auf der komplizierten Strecke mehrmals unumgänglich war. Insgesamt war der Transport 514 Tonnen schwer und 78 m lang, für Schubkraft sorgten bis zu drei Schwerlastzugmaschinen von MAN und Mercedes-Benz.

Knifflige letzte Etappe

Die letzte Etappe verlangte besonders viel Planungsarbeit. Viele Streckenvorschläge wurden geprüft und oft wegen zu schwacher Brücken wieder verworfen. Die einzige mögliche Route führte von Heilbronn über Löwenstein und Mainhardt zum Schwerlastlager von Kübler nach Michelfeld. Hier konnte der Transformator im speziellen Schwergutlager zwischengelagert werden, da Kübler über spezielle Lagerwannen für ölhaltige Transformatoren verfügt und zudem noch direkt an der offiziellen Schwerlaststrecke liegt.

Die Durchführung Mitte April übertraf dann mit ihren Schwierigkeiten den ersten Teil der Strecke um ein Vielfaches, so Kübler. Zur verkehrsarmen Zeit wurde in Michelfeld die Bundesstraße B14 voll gesperrt. Der Grund war die schwache Brücke über den Bachlauf der Bibers. Eigens für diese Überfahrt wurde der Transporter von 32 Achsen auf 41 Achsen erweitert um die Last weiter zu verteilen. Dazu wurden die zusätzlichen neun Scheuerle-Intercombi-Achslinien unter den Transformator platziert. In Millimeterarbeit lenkten die Spezialisten den "Lindwurm" dann über die Brücke.

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Der 78 Meter lange Schwertransport lockte zahlreiche Schaulustige auf die Straßen.

Brückenumfahrung

Nachdem der Zug wieder auf seine ursprüngliche Größe zurückgebaut war, ging es über die Westumgehung weiter Richtung Kupferzell. Aber aufgrund einiger zu schwacher Brücken mussten weitere Umwege in Kauf genommen werden. Statt geradeaus über die Westumgehung und die B19 ging es durch enge Ortschaften und schmale Kreisstraßen zum Ziel. Die Anwohner in Hesselbronn, Gottwollshausen, Gailenkirchen, Goggenbach und Kupferzell konnten kaum glauben, was da am Sonntagvormittag vor ihren Haustüren fuhr. "Der hat sich verfahren“ oder "Da kommen die nie ums Eck" waren laut Kübler oft gehörte Sätze.

Doch jeder Zentimeter war zuvor genau geplant, ein Baum wurde zuvor mit einem speziellen Rundspatengerät verpflanzt, Laternen, Schilder und Masten im Voraus ausgegraben und Baumkronen ausgeästet. Auch über 200 Halteverbotschilder säumten in den Ortschaften den Weg, wo parkende Autos ein Durchkommen unmöglich gemacht hätten. Zuletzt wurden die Gehwegpflaster noch mit Stahlplatten und Gummimatten vor den hohen Lasten geschützt.

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Maßarbeit für alle Beteiligten - mit Erfolg. Zum Dank gab's ein Rostbratenessen von Kübler-Geschäftsführer Heinz Rößler.

Nach sechs Stunden auf der letzten Etappe am Ziel

Nach einer sechsstündigen Fahrt erreichte der Transport planmäßig um 13.00 Uhr die Einfahrt zur Umspannanlage. Die Polizei, die den Transport begleitet und die Straßen gesperrt hatte, konnte einen Transport ohne besondere Vorkommnisse vermelden, ebenso ein von der Transportversicherung beauftragter Havariekommisar.

Insgesamt waren, wie Kübler berichtet, über 30 Mitarbeiter auf der Strecke tätig. Nicht nur das fahrerische Können seien gefragt gewesen, sondern die schnelle Streckenvor- und nachbereitung. So musste von der Firma Fischer Kran aus Schwäbisch Hall der jeweilige Streckenabschnitt in Minutenschnelle vorbereitet und wieder zurückgebaut werden.

Alleine dafür waren vier Lkw und ein 100-Tonnen-Kran im Einsatz. "Rückblickend war es ein echtes Teamwork", sagt Firmenchef Heinz Rößler rückblickend. Zum Dank spendierte er den Beteiligten einen schwäbischen Zwiebelrostbraten spendierten. Selbst hier sei Logistik gefragt gewesen, um an einem Sonntagnachmittag keinen Gastwirt mit 30 hungrigen Gästen zu "überfallen", berichtet Kübler mit einem Augenzwinkern in der Pressemitteilung.

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

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Datum

3. Mai 2018
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