Mercedes-Benz Tourismo 11 Bilder Zoom
Foto: Daimler Buses

Mercedes-Benz

Reisebus Tourismo präsentiert sich als Allrounder

Die Erfolgsbaureihe Tourismo deckte schon bisher das Gros der Wünsche von Mercedes-Kunden ab. Mit dem Wegfall des Travego wird die Baureihe jetzt deutlich aufgewertet.

Der Mercedes-Benz Tourismo markierte 1994 kurz vor der Evobus-Gründung eine echte Zeitenwende in der Reisebusstrategie von Daimler. Weg von dem einen Bus für alle denkbaren Kundenwünsche, hin zu breiter Diversifizierung und „Second Line“-Angeboten für den Budgetbereich. Im für die gesamte Branche so bedeutenden Wendejahr 2017 – wir erinnern uns: ab November dürfen nur noch Busse der neuen, verschärften Überschlagsnorm ECE R66.02 zugelassen werden – erfolgt nun der nächste, ähnlich tiefgreifende Strategiewechsel von Daimler Buses wie 1994. Statt beide Baureihen – den preiswerten Tourismo und den im Luxussegment positionierten Travego – auf die neue Norm umzustellen, was aufwändige Eingriffe ins Gerippe nötig machen würde, geht die Marke Mercedes-Benz den umgekehrten Weg und vereinheitlicht seine beiden Reisebusbaureihen wieder unter dem erfolgreichen Namen Tourismo.

Abschied vom Travego

So muss sich die Buswelt nun nach 18 Jahren Bauzeit vom Travego verabschieden, der trotz geringer Stückzahlen einer der prestigeträchtigsten Vertreter des deutschen Busbaus war und als innovativer „Safety Coach“ mehrfach als Pionier bei allen neuen Sicherheitssystemen brillieren durfte. In der fein austarierten Zwei-Markenwelt von Daimler Buses ist das weiter kein Problem, deckt doch das Portfolio der Schwestermarke Setra im Reisebusbereich alles ab, was das Herz begehrt, inklusive des neuen Doppeldeckers der Baureihe 500, der auf der Busworld in Kortrijk sein Debüt feiern wird.


Dem bewährten Tourismo der zweiten Generation, der dem ersten Travego wie aus dem Gesicht geschnitten war, fehlten mittlerweile neben der ECE R66.02 noch ein paar andere technische Features, die heute im Reisebus beinahe schon selbstverständlich sind. Grund hierfür war vor allem die alte Elektronikplattform, die Innovationen wie ART, ABA3 oder PPC einfach konzeptionell nicht zuließ. Grund zur Kaufzurückhaltung waren diese Themen für den Kunden nie, aber umso mehr Grund für Daimler Buses, nun einen komplett neuen Wurf für den neuen Reisebus der Marke zu wagen. Und der hat es wahrlich in sich!

Eine klare Gestaltung ohne viel Schnickschnack

„Eine klare Gestaltung ohne viel Schnickschnack“, auf diese knappe Formel könnte man die Formensprache aus der Feder von Daimler Buses-Designleiter Mathias Lenz bringen. „Insgesamt muss ein Fahrzeugdesign rund 25 bis 30 Jahre ‚aktuell‘ bleiben,“ so der seit 2010 für das Daimler Design verantwortliche, in der Pforzheimer Gestaltungsschmiede ausgebildete Designer. Er ist bereits länger im Unternehmen, als der Name Tourismo und hat auch am Urmodell schon ein wenig mitgefeilt. Tatsächlich besticht gerade die stark ausmodellierte Front, die Lenz gerne mit einem muskulösen Brustkorb vergleicht, durch seine starke Präsenz und durch die an den Actros erinnernden Klarglasscheinwerfer, die nicht nur für geringere Herstellungs- und Reparaturkosten, sondern auch gleich für ein durchgängiges Familiengesicht sorgen. Auch eine zukünftige Umstellung auf Voll-LED-Scheinwerfer ließe sich so flugs ohne viel Aufwand erledigen. Dekorfähige Vertiefungen entlang der stilisierten Kühlrippen lassen wiederum erahnen, welche Möglichkeiten noch in der Tourismo-DNA schlummern.

Dreidimensionales Designelement

Ein weiterer, wertiger „Hotspot“ der Gestaltung ist das dreidimensionale Designelement, das gleichsam dem Spiegelfuß entwächst und das in Verbindung mit der raffinierten Grafik im Bereich darunter viel Dynamik in den Vorderwagen bringt. Das Heck kommt mit integrierten Citaro-Leuchten etwas weniger spektakulär, aber doch stimmig und klar daher. Die seit der Euro 6-Umstellung bekannten, asymmetrischen Lufteinlässe sind wiederum der einseitigen thermischen Trennung der Dieselmotoren zu verdanken. Umlaufend finden sich definierte Abrisskanten, die zusammen mit schmaleren Türgummis, verkleidetem Unterboden des Vorderwagens und vielen anderen Details den Cw-Wert des Vorgängers auf einen sehr guten Wert von 0,33 drücken – das macht rund 4,5 Prozent Kraftstoffeinsparung. Zusammen mit den Einsparungen der letzten Motorenüberarbeitung 2016 sind es sogar bis zu sieben Prozent. Sehr zupass kommt diesem Ziel, dass erstmals auch der kleinvolumige OM 936 mit 354 PS für die beiden Zweiachser angeboten wird. Der überarbeitete OM 470 wiederum erstarkt auf maximal 456 PS und 2.200 Newtonmeter.


Sparen lässt es sich zudem vorzüglich, wenn man auf das hochwertige Reisebuscockpit verzichtet und den Wagen eher in Richtung Doppelverdiener auslegt. Dann sollte es möglich sein, einen bisher nicht möglichen Einstiegspreis für einen Tourismo zu realisieren, auch wenn sich Daimler mit Preisangaben noch sehr bedeckt hält. Nichts geändert hat sich an der Variantenvielfalt des jetzt sechs Zentimeter in der Höhe gewachsenen Reisebusses. Das Gerippe ist zwar durch die Anpassungen an die neue Überschlagrichtlinie erstmal schwerer geworden, durch Kompensationsmaßnahmen konnten aber insgesamt 200 Kilo eingespart werden. Dem um 15 Zentimeter verlängerten Zweiachser steht der mit der neuen europäischen Gewichts-Gesetzgebung bis zu 19,5 Tonnen nochmal interessanter gewordene Zweiachser mit 13,11 Metern zur Seite. Diese Länge lässt sich auch mit einer dritten, aktiv gelenkten Nachlaufachse garnieren. Der Wendekreis des Wagens ist um über zwei Meter kleiner als beim Zweiachser, jedoch verzichtet der Kunde aufgrund des kurzen Radstandes auf rund zwei Kubikmeter Stauraum. Wem das nicht gefällt, der greift zum Tourismo L, der bei Länge, Radstand und Wendekreis etwas abgespeckt hat gegenüber dem Vorgänger.

Mercedes-Allrounder

Wer sich jetzt grämt, das es nur noch vier Modelle gäbe, der sei getröstet: der Tourismo K und die beiden RH-Modelle werden in ihrer alten Erscheinungsform auf die neue Norm gebracht und bleiben so weiter im Angebot. So hat der neue Mercedes-Allrounder weiterhin alles zu bieten, was bisher zwei Baureihen stemmen mussten – und vielleicht sogar ein wenig mehr.

Hier lesen Sie ein Interview mit dem Chefdesigner Mathias Lenz.

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Datum

19. Juni 2017
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