Badenhop Fleischwerke, Goodyear, Proactive Solutions Zoom
Foto: Badenhop Fleischwerke

Reifendruckkontrollsysteme in der Praxis

Reifendrücke auf einen Blick

Mit Goodyear Proactive Solutions verspricht der Reifenhersteller eine Reifenüberwachung, die Fuhrpark- und Werkstattleiter rechtzeitig darüber informiert wenn der Luftdruck im Nutzfahrzeugreifen fällt. So sollen Rollwiderstände optimal bleiben und die Gefahr von Reifenplatzern reduziert werden. Doch hält das System was es verspricht? Lüder Meyer, Fuhrparkleiter der Badenhop Fleischwerke weiß Positives zu berichten.

trans aktuell: Herr Meyer, die Badenhop Fleischwerke gehören zu den Pilotkunden von Goodyear Proaktive Solutions. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Meyer: Goodyear ist seit 2008 unser Reifenlieferant. 2014 kam der Außendienst mit der Idee auf uns zu, mit Goodyear Proactive Solutions den Service weiter auszubauen.  Danach haben wir uns das System angeschaut und mit dem anderer Anbieter verglichen. Wir haben uns dann für das Goodyear-Angebot entschieden, weil der Reifensensor auf der Felge montiert und damit vor äußeren Einflüssen geschützt ist. Das hat den weiteren Vorteil, dass wir bei einem Reifenwechsel auch andere Reifenfabrikate aufziehen können. Danach haben wir das Reifenüberwachungssystem probeweise bei 30 gezogenen Einheiten unserer Flotte eingesetzt, um zu testen ob Goodyear sein Service-Versprechen einlösen kann. Doch dann haben wir sehr schnell festgestellt, dass das eine tolle Sache ist.

Und was im Speziellen hat sie bei dem Serviceangebot überzeugt?

Was uns zum Beispiel nicht bewusst war, sind die äußeren Temperatureinflüsse. Zwischen Sommer und Winter ergeben sich zum Beispiel enorme Luftdruckunterschiede im Reifen. Ferner haben wir festgestellt, dass die Temperaturunterschiede im Reifen auch ein Indiz für mögliche andere Defekte, wie zum Beispiel Radlager- oder Bremszylinderschäden sind. Diese äußern sich direkt durch eine höhere Reifentemperatur, die uns dann direkt als Warnung gemeldet werden. Ein weiterer Grund warum wir uns für dieses System entschieden haben ist, dass die Meldungen nicht an Fahrer gehen, sondern an mich direkt und an unsere Leitstelle. Der Fahrer bekommt schon genug Informationen und es ist zudem ganz menschlich, es bei wechselnden Aufliegern mit der Sorgfalt bei den Reifen nicht ganz so genau zu nehmen. Deshalb wird zunächst unser Werkstattleiter informiert, der anschließend den Fahrer oder die Disposition je nach Art der Notwendigkeit benachrichtigt.

Bei wie vielen Aufliegern kommt das Goodyear-Reifenüberwachungssystem zum Einsatz?

Derzeit haben wir das System in 74 ziehenden Einheiten installiert – also bei ungefähr der Hälfte unserer Auflieger. Weil wir von dem System überzeugt sind, werden alle neuzugelassenen Fahrzeuge automatisch mit ihm ausgestattet. Selbstverständlich ist das mit Kosten verbunden. Doch sind wir davon überzeugt, durch diese Investition unsere Betriebskosten weitgehend zu minimieren und die Verfügbarkeit unserer Fahrzeuge deutlich zu erhöhen. Denn zum Teil liefern wir Just-in-Time an unsere Kunden. Und Ausfälle können und wollen wir uns nicht leisten.

Und wie viele Warnmeldungen sind bei Ihnen bislang eingegangen?

Wir haben das System mit Goodyear zusammen erarbeitet. Seit 2016 haben wir belastbare Daten. Im vergangenen Jahr gingen 52 Warnmeldungen bei uns ein. Bei 84 Prozent davon konnten wir einen Reifenplatzer vermeiden. Damit liegen wir sogar über der von Goodyear erstellten Prognose, die besagt, dass rund 75 Prozent aller Reifenausfälle durch das Tire Pressure Monitoring System (TPMS) verhindert werden können.

Wie funktioniert die Reifenüberwachung in der Praxis?

Wir hatten zum Beispiel ein Fahrzeug, das eine Tour nach England übernehmen sollte. Auf der Fahrt nach Rotterdam, auf Höhe des Autobahndreieck Walsrode bekam unser Werkstattleiter eine Alarmmeldung wegen eines schleichenden Reifendruckverlusts. Daraufhin wurde der Fahrer angewiesen das Fahrzeug in die hauseigene Werkstatt zu bringen. Beim Blick auf den Reifen konnten wir einen eingefahrener Nagel als Ursache ausmachen. Das hätten wir ohne den Goodyear-Reifensensor nicht bemerkt. Der Reifen wäre früher oder später geplatzt. Innerhalb von einer halben Stunde hatte der Trailer einen neuen Reifen und war kurz danach wieder auf der Straße. Das heißt: Der Fahrer war rechtzeitig an der Fähre, er war pünktlich beim Kunden und wir hatten abgesehen von der halben Stunde keine Ausfallzeiten. Doch ein Reifenschaden ist das eine. Die Folgeschäden sind meist viel gravierender. Der Kotflügel ist kaputt, die Isolierungen ebenfalls, auch der Tank kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir fahren hauptsächlich speziell isolierte gezogene Einheiten, nämlich Tank- und Siloauflieger. Und wir hatten einen Fall, bei dem durch einen Reifenplatzer ein Materialschaden von sechs bis sieben tausend Euro entstanden ist. Von Ausfällen durch Standzeiten oder – Gott bewahre – möglichen Personenschäden ganz abgesehen.

Wie erfolgt die Übermittlung des Flottenstatus?

Via Mail bekommen unser Werkstattmeister und ich täglich eine exakte PDF-Übersicht der Trailer, inklusive Position. Diese Übersicht kann einfach durchgescrollt werden und ich weiß durch farbliche Kennzeichnung – grün, gelb, rot – anschließend sofort über den Zustand der Flotte Bescheid. Das zeitliche Intervall für den Statusreport kann ich dabei selbst definieren, ob halbstündlich oder einmal am Tag. Und wenn bei einem Fahrzeug tatsächlich ein Schaden droht, bekomme ich die Warnmeldung mit exakter Achsposition ohnehin automatisch zugestellt. Und da liegt auch der organisatorische Vorteil. Ich brauche keine permanente Statusmeldung von Fahrzeugen, die in Ordnung sind. Ich brauche eine schnelle und unkomplizierte Meldung genau dann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Auch wenn der Status eines Fahrzeugs sich im gelben Bereich befindet. Denn was nutzt Ihnen der beste, rollwiderstandsoptimierte Reifen, wenn der Luftdruck nicht passt und die Walkbewegung des Reifens sämtliche Optimierungsansätze wieder zunichtemacht.

Zur Überwachung der Trailer-Reifen benutzen Sie Goodyear Proaktive Solutions, bei den Zugmaschinen kommt Fleetboard zum Einsatz. Wie steht es um die Kompatibilität der Systeme?

Da sprechen Sie natürlich einen Punkt an, der immer ein Thema ist. Goodyear arbeitet bereits an einer Lösung, um Daten zwischen verschiedenen Telematik-Systemen austauschen zu können. In Zukunft werden nur diejenigen auf dem Markt bestehen bleiben, die einen Datenaustausch mit anderen Systemen ermöglichen. Denn wenn sie mehrere Plattformen im Blick behalten müssen, wird im Ernstfall niemand handeln. Einzellösungen wird es deshalb auf Dauer nicht geben. Momentan arbeiten wir gemeinsam daran eine Schnittstelle für ziehende und gezogene Einheiten zu entwickeln. Wir als Unternehmen haben was die Kompatibilität anbelangt genaue Vorstellungen und wir arbeiten gemeinsam zusammen, um dieses Ziel zu erreichen.

Das Projekt Goodyear Proaktive Solution ist also noch im Gange. Können Sie zum jetzigen Zeitpunkt schon ein vorläufiges Fazit ziehen?

Wir sind von dem System überzeugt. Mit der Reduzierung von Reifenschäden reduzieren wir auch die Kosten für Reparaturen. Die größte Kostenersparnis erzielen wir jedoch durch die Vermeidung von Fahrzeugausfällen. Damit garantieren wir auch die Verfügbarkeit der Flotte. Darüber hinaus helfen die gesammelten Reifendaten nicht nur dabei die Kosten für Kraftstoff zu senken, sondern auch die Sicherheit unserer Flotte zu erhöhen.

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Knut Zimmer

Autor

Datum

11. April 2017
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