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Foto: Jan Bergrath

Blogbeitrag zum Lkw-Parkplatzmangel

Tatort Bruchsal

Der Lkw-Verkehr in Deutschland wächst schneller. Der Bund kommt mit dem Bau der notwendigen Lkw-Parkplätze nicht hinterher. Auf der Messe Nufam diskutiere ich mit Fahrern und Experten über dieses Problem – und mögliche Lösungen.

Die Bundestagswahl ist gelaufen, der Ausgang war wenig überraschend. Nun wird es in absehbarer Zeit Gespräche über mögliche Koalitionen geben, viel Spielraum bleibt den Parteien nicht. Nach der rasanten Erklärung der SPD, in die Opposition zu gehen, läuft alles auf eine einzige Möglichkeit zu: ein Bündnis von CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, Jamaika-Koalition genannt. Gut möglich, dass die vom Wähler heftig abgestrafte CSU auf den Posten des Verkehrsministers verzichten wird. Alexander Dobrindt (CSU) wird es wohl nicht mehr werden. Seine Partei hat ihn als neuen CSU-Landesgruppenchef in Berlin präsentiert. Über den potenziellen Nachfolger kann nur spekuliert werden.

Schweres Erbe

Ich tippe auf Anton Hofreiter, ehemals verkehrspolitischer Sprecher der Grünen. Das würde sicherlich deutliche Veränderungen in der Ausrichtung der Verkehrspolitik bedeuten – etwa für die Position der Regierungskoalition zum Lang-Lkw und auch zum Verkehrsträger Schiene. Wer auch immer Bundesverkehrsminister wird – mit einer Herausforderung wird er sich auf jeden Fall herumschlagen müssen: der extreme Mangel an Lkw-Parkplätzen. Denn deren Ausbau hinkt dem weiteren Anstieg des Transportaufkommens deutlich hinterher. Nach den jüngsten Zahlen aus dem Bundesverkehrsministerium (BMVI) sollen bis Ende 2025 immer noch rund 13.000 Lkw-Stellplätze fehlen. 2013 gab es bereits ein Manko von 11.000 Stellplätzen. Neue Prognosen sollen, das war die vorerst letzte Nachricht aus Berlin, erst 2018 erstellt werden. Denn ganz gleich, wer im Bund mit welcher verkehrspolitischen Zielrichtung regiert, Deutschland bleibt das größte Transitland in Europa.

Der Kampf um jeden Meter

Vor wenigen Wochen war ich selber mit dem Lkw unterwegs, auf einer Tour von der Schweiz nach Köln. Dabei kam ich dann am Freitagabend an der Raststätte Bruchsal-Ost an. Dort war es schlichtweg nicht möglich, einen Parkplatz zu finden. Zum Glück mussten wir nur den Fahrer wechseln. Dann ging es gleich weiter. Später auf Facebook haben mir etliche Fahrer das Problem bestätigt und mir ihre jede Nacht gleich große Verzweiflung geschildert. Um jeden Meter Stellplatz wurde an diesem Abend gekämpft. Auf der gesamten A 5 dasselbe Bild – überhaupt gilt das für nahezu alle Transitrouten durch Deutschland. Dazu kommt, dass der Neubau von Parkplätzen, wie es an der A 3 in Bayern zu beobachten ist, überwiegend in der Provinz stattfindet. In den Ballungsgebieten wächst das Parkplatzproblem weiterhin. Die Betreiber der privaten Autohöfe würden gerne weiter Kapazitäten anbieten – fordern dafür aber Mittel des Bundes. 

Die unglaubliche Geschichte von Stefanie Ebert

Ich musste sofort an die Geschichte von Stefanie Ebert denken, die ich unter dem Titel "Fernfahrer stecken im Dilemma" veröffentlicht habe. Sie hatte auf Ihrer Fahrt zum Standort der Firma eigentlich alles richtig gemacht. Sie hatte rechtzeitig nach Parkmöglichkeiten gesucht und war dann, um nicht ohne Lenkzeit im Stau auf der A 5 hinter Karlsruhe zu stehen, in Bruchsal-West rausgefahren, um auf einem nicht markierten Pkw-Parkplatz den Lkw abzustellen. Vier Stunden später schickte sie eine Streife der Verkehrspolizeidirektion aus Karlsruhe wieder auf die Bahn. 

Wenige Wochen später erhielt sie nun in der Tat den Bescheid über ein Verwarngeld in Höhe von zehn Euro. Selbst innerhalb der Polizei ist diese Maßnahme umstritten. Klar ist: in den Ein-und Ausfahrten von Raststätten und Parkplätzen dürfen Lkw nicht stehen bleiben. Zu groß ist dort die Gefahr eines Unfalls, wie es sie immer wieder gibt. Aber wo sollen die Fahrer denn sonst hin, wenn sie nachweisbar keine Chance mehr haben, am Ende der Lenkzeit ihren Lkw zu parken? Eins steht fest: Den Mangel an Stellplätzen müssen vor allem die Lkw-Fahrer ausbaden

Diskussion auf der Nufam  

Als Journalist kann ich diese Probleme nicht lösen. Ich kann sie allerdings ansprechen und im Dialog mit Betroffenen und Experten Lösungsansätze vermitteln. Deshalb habe ich Stefanie Ebert zu unserem "Talk am Truck" am Samstag, den 30.9.17, ab 13 Uhr auf unsere mobile Bühne in Halle 3 der Nufam eingeladen. 

Sie trifft dort unter anderem auf:

  • Polizeihauptkommissar Rüdiger Heiler, Leiter der Schwerlastkontrollgruppe der Autobahnpolizei Karlsruhe, die selber mit einem Stand auf der Nufam vertreten ist.
  • den Fachanwalt für Verkehrsrecht, Matthias Pfitzenmaier, aus Heilbronn, der in unserer Reihe "Recht Aktuell" im FERNFAHRER die rechtlichen Probleme bei der Parkplatzsuche bereits beantwortet hat und sich vor Ort gerne auch den Fragen anderer Fahrerinnen und Fahrer stellt
  • Dr. Jan-Philipp Weers, dem Chef von Bosch Secure Truck Parking aus Frankfurt, mit dem ich gemeinsam mit den anderen Gästen über die zukünftigen Möglichkeiten der Internetreservierung von Lkw-Parkplätzen sprechen werde
  • sowie Karl-Heinz Schneider, Betreiber des Shell Autohof Herbolzheim, der bereits im Juli in einem offenen Brief die Probleme deutlich gemacht und Lösungen vorgeschlagen hat. 

Autor

Datum

27. September 2017
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