Pannenpräventionsservice Zoom
Foto: Uwe Rattay

ADAC Truck-Service

Neu entwickelter Pannenpräventionsservice

Ausfälle verhindern, bevor sie entstehen – das ist das Ziel des neu entwickelten Pannenpräventionsservice für Anhänger und Trailer von ADAC Truck-Service.

In modernen Anhängern und Trailern fallen Unmengen an Telemetriedaten an, von der Bremsbelagstärke über den Reifenluftdruck bis hin zum vollständigen Status der Kältemaschine an einem Kühlauflieger. Diese Daten werden heute meist erst bei einem Werkstattaufenthalt ausgelesen. Der ADAC Truck-Service will nun früher ansetzen, die Daten schon während der Fahrt überwachen und sich anbahnende Pannen und Ausfälle künftig verhindern.

Service soll helfen, die Situation richtig einzuschätzen

"Derzeit ist es so, dass der Disponent möglicherweise eine Abweichung der Solldaten feststellt, aber nicht weiß, wie akut die Lage ist und wie er darauf reagieren soll", sagt Christoph Walter. In Zukunft soll der Service dabei helfen, die Situation richtig einzuschätzen: Muss das Fahrzeug sofort in die Werkstatt oder kann es noch zwei Tage fahren? Dazu werden die Telemetriedaten aus den angebundenen Telematiksystemen an die herstellerunabhängige Plattform NIC-base von Kasasi übertragen.

"Wir haben lange nach einem Kooperationspartner gesucht, der aus den anfallenden Daten eine Handlungsanweisung generieren kann", sagt Walter. Im Fünf-Minuten-Rhythmus greift NIC-base die anfallenden Daten ab und wertet sie automatisch aus. Sollte es Abweichungen zum Sollwert geben, löst das System einen Alarm aus. Der ADAC selbst erhält während des Normalbetriebs keine Telemetriedaten, sondern erst dann, wenn Abweichungen auftreten. Ein Ampelsystem soll dann konkrete Handlungsempfehlungen geben: Bei Grün kann der Fahrer das Problem selbst oder beim nächsten Werkstattbesuch beheben. Gelb sagt, dass das Fahrzeug innerhalb einer bestimmten Frist in die Werkstatt muss. In diesem Falle organisiert der Truck-Service einen Werkstatttermin entlang der Route oder kann mobil vor Ort das Problem beheben. Bei Rot besteht unmittelbare Gefahr. Das Fahrzeug darf nicht mehr bewegt werden – es wird automatisch ein mobiler Einsatz gestartet, bevor es zur Panne kommt. Das kann der Fall sein, wenn der Reifenluftdruck plötzlich stark abfällt.

Pilotprojekt mit 1.500 Trailern im Mai gestartet

Die Unterscheidung zwischen den Stufen Gelb und Rot kann knifflig sein, die Einstellung der Warnschwellen erfordert Fingerspitzengefühl. Liegt etwa die Warnschwelle beim Reifenluftdruck zu gering, könnte ein Alarm und ein Panneneinsatz ausgelöst werden, obwohl keine unmittelbare Gefahr besteht. "Zuerst halten wir die Herstellervorgaben ein, etwa für den Reifendruck oder die Temperatur im Kühlkoffer. Der Kunde kann aber bei Bedarf die Warnschwelle anpassen und selbst entscheiden, ab wann ein Alarm ausgelöst wird", erklärt der Chef des ADAC Truck-Service.

In den kommenden Monaten sammelt der Truck-Service Erfahrungen in einem Pilotprojekt mit 1.500 Trailern. "Dabei ist uns wichtig, dass wir Fahrzeuge mit unterschiedlichen Nutzungsbereichen abdecken, etwa auch Kühltransporte", sagt Christoph Walter. Rund zehn Speditionen beteiligen sich am Projekt. Der Aufwand für die Speditionen ist minimal, sie müssen lediglich zustimmen, dass die Telemetriedaten auch an NIC-base gesendet werden dürfen. Ende Juli sollen erste Ergebnisse vorliegen, ob die Warnschwellen passen und das Ampelsystem wie geplant funktioniert. Mitte September soll das System dann der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Kosten für den Pannenpräventionsservice stehen noch nicht fest. Laut Christoph Walter wird es 12- und 24-Monatsverträge geben – je länger die Laufzeit, desto günstiger. Der ADAC Truck-Service geht davon aus, dass Speditionen pro Jahr und Trailer durch den neuen Service rund 500 Euro sparen können. "Das sind Opportunitätskosten, die bei jeder Panne anfallen, etwa durch Fahrzeugausfall, Reparaturkosten, Liegezeit, Folgeschäden und unter Umständen sogar eine Strafe", sagt Walter.

Schnellere Hilfe dank neuer App

Sollte der Lkw trotz des Pannenpräventionsservice einmal liegen bleiben, hilft eine neue App. Die Einführung der Mobile Network App bei den ADAC-Truck-Service-Werkstätten läuft seit acht Monaten und erste Ergebnisse zeigen: Die Digitalisierung der Prozesse macht Pannenhilfe schneller. "Unsere Kunden können damit rechnen, dass wir mithilfe der Mobile Network App Pannen fast doppelt so schnell reparieren wie bisher", betonte Christoph Walter, Geschäftsführer ADAC Truck-Service. Nachdem 60 Prozent der insgesamt 150 Werkstätten, die direkt unter der Flagge des ADAC fahren, für den automatisierten Prozess freigeschaltet wurden und die App im Einsatz haben, haben sich dort die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten von ehemals 3:13 Stunden im Schnitt auf 1:32 Stunden mehr als halbiert. Noch während ein Fahrer eine Panne beim Truck-Service meldet, wird mithilfe der neuen automatisierten Suche eine passende Werkstatt ermittelt. Die Auftragsdaten werden via App auf das Tablet des Monteurs übertragen, der jeden weiteren Bearbeitungsschritt per Klick bestätigt. Der Pannenstatus ist dadurch in Echtzeit verfügbar und für alle Beteiligten transparent. Im Einzelnen hat sich die Zeit von der Pannenmeldung bis zur Auftragsvergabe an eine Werkstatt von durchschnittlich 30 auf 12 Minuten reduziert. Die Werkstätten benötigen nur noch 19 statt 53 Minuten für Auftragsannahme und Rüstzeit. Die Reparaturdauer vor Ort ist von 90 auf 61 Minuten gesunken. Mit der Unterschrift des Fahrers auf dem Tablet wird der Auftrag abgeschlossen, die Daten an den ADAC Truck-Service übertragen und die Rechnungsstellung ausgelöst.

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Datum

14. Juli 2016
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