Neue Unimog fürs Technische Hilfswerk – das gab es bisher nur sehr selten, mal als Spende von Daimler Truck, mal als Einzelbeschaffung für die THW-Ausbildungszentren. Nach dem Ende des Kalten Krieges gelangte außerdem eine größere Anzahl gebrauchter U 1300 L aus Bundeswehr-Beständen an die Zivilschutzorganisation. Glücklich, wer seither einen Unimog im Ortsverband stehen hatte und ihn durch alle Hauptuntersuchungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen retten konnte.
Lehren aus dem Ahrtal
Für größere Neuanschaffungen war der Allradler dem THW trotz seiner herausragenden Geländeeigenschaften bisher stets zu teuer, die Kabine zu klein und die Nutzlast zu gering. Dann kam 2021 die Flutkatastrophe im Ahrtal – und die Blaulichtorganisationen wie auch die politischen Entscheider wurden sich angesichts der völlig zerstörten Verkehrswege des Werts hochgeländegängiger Einsatzfahrzeuge bewusst. Auch die Waldbrandbekämpfung rückte in den Fokus und bescherte Mercedes-Benz Special Trucks eine steigende Nachfrage.
Im Nachtrag zum Haushalt 2022 beschloss der Bundestag, dem THW zehn Millionen Euro für den Kauf von 66 neuen Unimog – je einem für die insgesamt 66 THW-Regionalbereiche – zur Verfügung zu stellen. Ein gut gemeinter Beschluss, der, wie es die Zeitschrift „THW Fahrzeug-News“ anmerkte, aber lediglich den Kauf der Fahrgestelle ermöglichte. Durch die Preissteigerungen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stand das Projekt schließlich auf der Kippe.
Logistikfahrzeug für besondere Einsatzlagen
Dank der verbesserten finanziellen Ausstattung des THW und eines bestehenden Unimog-Rahmenvertrags des Bundes kam 2025 wieder Bewegung in das Projekt „Logistikfahrzeug für besondere Einsatzlagen“. Diesmal mit Happy End: Die analog zu den Regionalbereichen bundesweit 66 THW-Fachgruppen „Logistik-Materialwirtschaft“ (Log-MW) können sich über neue, hochgeländegängige Einsatzfahrzeuge auf Unimog-Chassis freuen – ergänzend zum bereits pro Fachgruppe vorhandenen zweiachsigen Kipper mit Ladekran und dem Mannschaftslastwagen mit Staffelkabine, Pritsche/Plane und Ladebordwand.
Eine Einsatzwertsteigerung, die ihren Preis hat – die Rede ist von rund 380.000 Euro pro Unimog. „Wir schließen mit diesen Fahrzeugen eine Fähigkeitslücke im Bereich der hochgeländegängigen Logistik-Lkw“, erklärt Bianca Lobe vom Technikreferat der THW-Leitung in Bonn.
THW stellt erste Lkw gl mit Ladekran in Dienst
Seit Mitte Mai 2026 ist nun THW-Sternfahrt nach Wörth angesagt, zur Übernahme und Einweisung für die Kraftfahrer, die hier zugleich Kranbediener sind. Denn der „Lkw gl mit Ladekran“, wie er jetzt offiziell beim THW heißt, ist mit einem kompakten HMF-Ladekran zwischen Kabine und Pritsche ausgestattet, um im Einsatzgebiet unabhängig von Staplern & Co agieren zu können. Die verbleibende Nutzlast der Pritsche beträgt vier Tonnen.
Verantwortlich für den Aufbau war F&B Nutzfahrzeugtechnik aus Hagenbach. Neben der Pritsche mit doppelter Dreipunktlagerung und dem Tragrahmen für den HMF 910-K2-RCS mit seinen vier Hydraulikstützen gehören dazu auch sechs Arbeitsscheinwerfer, drei Staukästen, Halterungen für zwei Feuerlöscher und vier Kranabstützplatten, der Dachbalken von Hänsch, die Winterdienstbeleuchtung an der Front (falls die Scheinwerfer in der Stoßstange unter Wasser geraten), die Mittelkonsole auf dem Motortunnel für Sondersignalbedienung, Funk (4-Meter-Band und Digital) und Handlampen, eine Aufhängung für die Kranfernbedienung in der Kabine, Rückfahrkamera sowie Abbiegeassistent mit Bildschirm mittig innen über den Sonnenblenden.
Da aus einem Vor-GSR-Rahmenvertrag stammend, besitzt der Unimog noch nicht die geballte Ladung an Assistenzsystemen, wie sie für den Unimog inzwischen auch Pflichtausstattung sind.
Aufbau ohne Abstriche für die Geländegängigkeit
Ingo Bertsche, Geschäftsführer von F&B, unterstreicht: „Beim Aufbau haben wir darauf geachtet, dass der Kunde bei den Geländeeigenschaften des Unimog, also Böschungswinkel (42 Grad vorn, 35 Grad hinten) und Watfähigkeit (1.200 mm), keinerlei Abstriche machen muss.“
Die 3.200 mm lange Pritsche punktet mit ihrer Multifunktionalität: integrierte Twistlocks zur Aufnahme von 10-Fuß-Containern und je sieben 2500-daN-Zurrbügel links und rechts, Kombi-Zurrschienen rundum (außer Heckklappe), abnehmbare Bordwände mit 90 Zentimetern Höhe und Handläufen, zwei Ausziehleitern innen an der Heckklappe sowie zwei abnehmbare leuchtgelbe Haltegriffe und eine rutschhemmende Beschichtung auf der Pritsche. Denn die Erfahrungen aus den Hochwassereinsätzen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass im Notfall auch Lkw-Pritschen oder die Dächer von Gerätewagen für die Personenevakuierung gebraucht werden. Je sicherer dies möglich ist, umso besser. Vorn an der Stirnwand befinden sich außerdem Halterungen für Schanzwerkzeug und einen Dieselkanister.
Auf Kundenwunsch mussten für die Hinterräder weiße Kotflügel her, zur Einhaltung der THW-typischen Farbkombination aus Reinweiß und Ultramarinblau. Und damit Zahnrad, Zivilschutzzeichen und THW-Schriftzug auf den Unimog-Türen den vorschriftsmäßigen Platz fanden, versetzte F&B den Schriftzug „U 5025“ nach vorn an die Motorhaube.
U 5025 – ausnahmsweise 21 PS mehr für den Unimog
Apropos Motor: Für die notwendige Leistung des Allradlers mit seinen acht automatisch geschalteten Vorwärts- und sechs Rückwärtsgängen sorgt der Vierzylinder-Dieselmotor OM 934 mit 252 PS und einem Drehmoment von 1.000 Nm.
Wer sich jetzt wundert, dass beim hochgeländegängigen Unimog doch eigentlich bei 231 PS Schluss ist: Für den schwerbeladenen Staatsdiener spendierte Daimler-Truck dem Motor ausnahmsweise 21 PS mehr. Dieses Leistungsplus bleibt aus Gewährleistungsgründen aber den Blaulichtfahrzeugen vorbehalten.







