Die geplante Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt sorgt für erhebliche Kritik. Während der Berliner Online-Modehändler die Maßnahme als Teil einer strategischen Neuausrichtung seines europaweiten Logistiknetzwerks bezeichnet, wirft die Gewerkschaft Verdi dem Unternehmen einen rücksichtslosen Umgang mit den Beschäftigten vor. Rund 2.700 Arbeitsplätze sind betroffen.
Gewerkschaft Verdi spricht von Vertrauensbruch
Nach Angaben von Verdi trifft die Entscheidung viele Beschäftigte überraschend. Der Erfurter Standort gilt als ältestes Logistikzentrum im Zalando-Netzwerk und besteht seit mehr als zehn Jahren. Noch in den vergangenen Monaten habe das Unternehmen auf Betriebsversammlungen die Zukunftsfähigkeit des Standorts betont, so die Gewerkschaft. „Statt in den Erhalt der Infrastruktur zu investieren und gemeinsam über Zukunftsperspektiven zu sprechen, schafft Zalando Tatsachen“, kritisiert Matthias Adorf, Gewerkschaftssekretär bei Verdi im Fachbereich Handel. Besonders scharf fällt der Vorwurf aus, dass die Belegschaft erst nach dem Weihnachtsgeschäft über die geplante Schließung informiert worden sei. Verdi verweist zudem auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet Zalando mit einem Vorsteuergewinn von mehr als 500 Millionen Euro. Aus Sicht der Gewerkschaft sei daher nicht mangelnde Wirtschaftlichkeit, sondern eine Renditeoptimierung ausschlaggebend für die Entscheidung.
Zalando verweist auf strategische Neuausrichtung
Zalando begründet die Schließung des Standorts Erfurt mit einer umfassenden Neuaufstellung des Logistiknetzwerks. Ziel sei es, die Kapazitäten im gemeinsamen Netzwerk von Zalando und About You bedarfsgerecht auszurichten und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Logistikzentrum in Erfurt soll demnach bis Ende September 2026 geschlossen werden. Zusätzlich werden Verträge mit drei extern betriebenen Standorten außerhalb Deutschlands nicht verlängert. Das Unternehmen betont, die Entscheidung sei nicht leichtfertig gefallen. Man wolle den Prozess transparent gestalten und in Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan eintreten. Zudem kündigt Zalando Unterstützungsangebote für die betroffenen Beschäftigten an und verweist auf die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Investitionen an anderer Stelle – Kritik an Prioritäten
Parallel zur Schließung des Erfurter Standorts investiert Zalando in neue Logistikkapazitäten, unter anderem in Gießen. Genau dieser Punkt sorgt für zusätzliche Kritik. Aus Sicht der Gewerkschaft verdeutlicht der Ausbau neuer Standorte, dass es weniger um fehlende Perspektiven, sondern um eine strategische Verlagerung gehe. Die Gewerkschaft kündigte an, in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Mitgliedern mögliche Aktionen und Interventionen zu prüfen, um den Arbeitsplatzabbau zumindest sozialverträglich zu gestalten.
Erfurt als Symbol für den Strukturwandel im E-Commerce
Der Standort Erfurt gilt als ein zentrales Kapitel in der Unternehmensgeschichte von Zalando. Mit rund 130.000 Quadratmetern Fläche, hoher Automatisierung und rund 2.700 Beschäftigten diente er lange als Referenzstandort und Testfeld für neue Logistiktechnologien. Die geplante Schließung verdeutlicht, wie stark sich Logistiknetzwerke im E-Commerce aktuell verändern – und welche sozialen Folgen diese Umstrukturierungen haben können.






