Auf dem Oktoberfest darf eines auf keinen Fall passieren: Das Bier ausgehen. Torwesten organisiert deshalb eine ausgeklügelte Logistik bis ins Festzelt. Zehn Biercontainer kamen dafür mit Kombiverkehr per Bahn nach München. Doch ausgerechnet die Schiene, die Torwesten gern stärker nutzen würde, bereitet dem Unternehmen auch Sorgen.
Torwesten Spedition setzt auf Kombiverkehr
Millionen Besucher, Millionen Maß Bier und nur 16 Festtage: Hinter dem Oktoberfest steckt eine Logistik, bei der Verspätungen schnell unangenehm auffallen würden. Einen Teil davon übernimmt die Torwesten Spedition aus Essen. Für die Wiesn 2026 transportierte Kombiverkehr zehn Tankcontainer vor Beginn des Oktoberfests auf der Schiene von Duisburg nach München. Jeder davon fasst bis zu 28.000 Liter Bier. Auf der Theresienwiese angekommen, werden die Container per Kran in den Festzelten positioniert.
Bier aus dem 20-Fuß-Container
Wie unmittelbar Transportlogistik und Maßkrug zusammenhängen, zeigt das Löwenbräu-Festzelt. Dort sind drei große Biercontainer auf einer Stellage verbaut. Von den 20-Fuß-Tankcontainern gelangt das Bier über Schläuche direkt zu den Zapfhähnen. „Da geht uns nie das Bier aus“, sagt Wiesn-Wirtin Steffi Spendler. Dafür muss Torwesten allerdings auch während des Oktoberfests durchgehend Nachschub organisieren. Eine Handvoll Sattelzugmaschinen ist während der Festzeit in München stationiert. Jede Nacht holen die Fahrer Bier bei verschiedenen Brauereien ab und bringen es zur Theresienwiese. Dort werden die Container an den Festzelten wieder aufgefüllt. „Wir dürfen niemals trockenlaufen“, sagt Torwesten-Geschäftsführer Marc de Kort. Die Herausforderung bestehe darin, jede Nacht sämtliche Behälter so zu befüllen, dass am nächsten Morgen wieder ausgeschenkt werden kann. Ersatzteile für Fahrzeuge und Container hält Torwesten deshalb ebenfalls vor Ort bereit.
Torwesten setzt seit 2005 auf die Schiene
Der Transport der Container nach München erfolgt nicht komplett auf der Straße. Torwesten nutzt die tägliche Kombiverkehr-Verbindung zwischen Duisburg und München. Für den Tankbier-Spezialisten ist das keine Ausnahme. Das Unternehmen setzt bereits seit 2005 auf den Kombinierten Verkehr. Zu den wichtigen Bahnrelationen gehören Duisburg–Rotterdam, Duisburg–München und Duisburg–Mailand beziehungsweise Mortara. Torwesten bewegt mehr als 200 Tankcontainer und spezielle Biercontainer durch Europa. Mehr als 50 Beschäftigte arbeiten für das Unternehmen, das neben eigenen Lkw in Spitzenzeiten 60 bis 70 Fahrzeuge von Subunternehmen einsetzt.
Im Kombinierten Verkehr passen 3.000 Liter mehr in den Container
Interessant ist die Schiene für Torwesten nicht nur aus Klimaschutzgründen. De Kort sieht auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Auf der Straße könne ein Container mit etwa 26.000 bis 27.000 Litern Bier beladen werden. Im Intermodalverkehr seien dagegen 30.000 Liter möglich. Zudem sei die Bahn auf längeren Strecken nicht zwangsläufig teurer. Auf der Relation Köln–Mailand sei sie für Torwesten sogar günstiger. Aktuell erwirtschaftet Torwesten rund zehn Prozent seines Umsatzes mit intermodalen Verkehren per Bahn und Schiff.
Bahnprobleme bremsen mehr Biertransporte auf der Schiene
Eigentlich würde de Kort diesen Anteil gern erhöhen. Doch hier kommt die Realität des Schienengüterverkehrs ins Spiel. „Wir wären sehr motiviert, mehr im Kombinierten Verkehr zu machen“, sagt der Torwesten-Chef. Im vergangenen Jahr sei die Qualität aufgrund technischer Probleme und zahlreicher Baustellen jedoch vielfach nicht ausreichend gewesen. Kunden verlangten dann schnell eine Rückverlagerung auf die Straße. Gerade beim Bier ist Zuverlässigkeit entscheidend. Nach Möglichkeit soll es nicht länger als drei Tage im Tank bleiben. Deshalb bevorzugt Torwesten Bahnverbindungen mit mehreren Abfahrten pro Woche oder sogar pro Tag. Fällt ein Zug aus, kann der Container dann auf die nächste Verbindung wechseln. Kombiverkehr-Geschäftsführer Dirk Steffes sieht den Wiesn-Verkehr deshalb auch als Beispiel dafür, dass der Kombinierte Verkehr bei Lebens- und Genussmitteln funktionieren kann – vorausgesetzt, Fahrpläne und Qualität stimmen.
Mehr als einen Monat Arbeit für 16 Tage Oktoberfest
Für Torwesten bleibt das Oktoberfest das größte einzelne Event in der Bierlogistik. Einschließlich Auf- und Abbau ist das Unternehmen nach Angaben von de Kort mehr als einen Monat damit beschäftigt. Die eigentliche Wiesn dauert 2026 vom 19. September bis 4. Oktober. Im vergangenen Jahr kamen 6,5 Millionen Besucher nach München und tranken ebenso viele Maß Bier. Für Torwesten beginnt die entscheidende Arbeit dabei immer dann, wenn die letzten Gäste längst gegangen sind: In der Nacht müssen die Container wieder voll werden.
In Kürze: die Key Facts
- Oktoberfest 2026: 19. September bis 4. Oktober
- Logistikunternehmen: Torwesten Spedition aus Essen
- Intermodalpartner: Kombiverkehr
- Transportweg: Duisburg–München per Bahn
- Container für die Wiesn: 10
- Kapazität je Wiesn-Container: bis zu 28.000 Liter
- Löwenbräu-Festzelt: drei Biercontainer
- Nachschub: nächtliche Transporte von lokalen Brauereien zur Theresienwiese
- Torwesten im Kombinierten Verkehr: seit 2005
- Intermodal-Anteil: rund 10 Prozent des Umsatzes mit Bahn und Schiff
- Beladung Straße: etwa 26.000 bis 27.000 Liter je Container
- Beladung Intermodalverkehr: bis zu 30.000 Liter je Container
- Hemmnis für mehr Bahnverkehr: technische Probleme, Baustellen und mangelnde Zuverlässigkeit
- Torwesten: mehr als 200 Tankcontainer und spezielle Biercontainer
- Bedeutung: Das Oktoberfest ist das größte von Torwesten mit Bier belieferte Event.







