Die Österreichische Post veräußert ihre Anteile am deutschen Pharmagroßhändler AEP. Das Signing, also das Unterschreiben des Vorvertrags der Transaktion, erfolgte am 26. Januar 2026, das Closing und damit der Abschluss des Verkaufsprozesses wird im ersten Quartal 2026 erwartet. Voraussetzung ist die kartellrechtliche Genehmigung. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Neuer Eigentümer von AEP wird die „The Platform Group“, die laut Post bereits Erfahrung im Pharmabereich mitbringt. AEP soll „nahtlos“ in das bestehende Angebot integriert werden, um Synergien zu nutzen und das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln.
Post zieht sich zurück und fokussiert E-Commerce-Logistik
Die Österreichische Post war seit 2013 an der Muttergesellschaft Adelheid beteiligt, die wiederum 100 Prozent an AEP hält, und baute ihre Beteiligung schrittweise auf 51,52 Prozent aus. Nach Angaben der Post beginnt für AEP nach dem Erreichen von rund einer Milliarde Euro Umsatz im Jahr 2025 eine neue Wachstumsphase. Vor diesem Hintergrund hätten die bisherigen Eigentümer entschieden, ihre Anteile zu veräußern. Die Österreichische Post will sich künftig stärker auf ihr Kerngeschäft als E-Commerce-Dienstleisterin konzentrieren – insbesondere in Südost- und Osteuropa sowie der Türkei.
AEP: Zentraler Lageransatz statt Filialnetz
AEP ist ein Pharmagroßhändler mit Sitz im bayerischen Alzenau. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und nahm 2013 den operativen Betrieb auf. AEP positioniert sich als Gegenentwurf zu klassischen Strukturen im Pharmagroßhandel: Statt eines Netzes vieler Niederlassungen setzt das Unternehmen auf ein zentrales Logistiklager und ein transparentes Preismodell mit einheitlichen Konditionen. Heute beliefert AEP nach eigenen Angaben täglich mehrere tausend Apotheken deutschlandweit, beschäftigt rund 250 Mitarbeitende und betreibt in Alzenau eines der modernsten Pharmalogistikzentren Europas.
Wie geht es weiter? Und was heißt das für den Markt?
Bis zum Closing bleiben zentrale Fragen offen: Welche Wachstumsstrategie verfolgt „The Platform Group“ mit AEP konkret – und welche Auswirkungen könnte die Integration auf Konditionen, Versorgungskonzepte und Logistikprozesse im deutschen Pharmagroßhandel haben? Fakt ist, dass „The Platform Group“ mittels eigener Softwarelösung Plattformen im In- und Ausland betreibt. Dabei werden lokale Fachhändler beziehungsweise Hersteller mit Kunden aus mehreren Produktbereichen und Branchen über spezialisierte Plattformen vernetzt. Angeschlossene Händler können so ihre Warenbestände und Bestellungen automatisiert über verschiedene Online-Vertriebskanäle steuern. Zusätzlich bietet das Unternehmen Dienstleistungen wie Suchmaschinen-Marketing und Logistik an. „Unsere Strategie ist, möglichst viele Branchen und Händler anzubinden. Hierfür haben wir ein einzigartiges Know-how aufgebaut, um Händler schnell anzubinden und deren Content aufzubereiten“, erklärt Dr. Dominik Benner, CEO von „The Platform Group“. Aktuell ist das Unternehmen in 28 Branchen aktiv und arbeitet mit mehr als 15.700 Partnerunternehmen zusammen, was auch einen Skaleneffekt in der Logistik nach sich ziehen dürfte.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen (Verkäufer): Österreichische Post AG
- Zielunternehmen: AEP GmbH (Pharmagroßhändler), Sitz: Alzenau (Deutschland)
- Muttergesellschaft: Adelheid (hält 100 % an AEP)
- Beteiligung Post: seit 2013; zuletzt 51,52 % an Adelheid
- Transaktion: Verkauf der Anteile an AEP
- Signing: 26. Januar 2026
- Closing: erwartet im 1. Quartal 2026
- Bedingung: kartellrechtliche Genehmigung
- Käufer: The Platform Group (Integration in eigenes Angebot angekündigt)
- Kaufpreis: nicht veröffentlicht (Stillschweigen vereinbart)
- AEP-Kennzahlen: Umsatz 2025 rund 1 Mrd. € (Angabe Post); ca. 250 Mitarbeitende; Belieferung mehrerer tausend Apotheken täglich
- AEP-Modell: zentrales Logistiklager statt Niederlassungsnetz; transparentes Preismodell mit einheitlichen Konditionen
- Strategie Post AT: Fokus auf Kerngeschäft als E-Commerce-Dienstleisterin (Südost-/Osteuropa, Türkei u. a.)






