Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran hat laut einem aktuellen Prewave-Report erstmals in der Geschichte der Schifffahrt beide zentralen Nadelöhre im Nahen Osten gleichzeitig lahmgelegt. Sowohl die Straße von Hormus als auch die Route durch das Rote Meer sind derzeit für den kommerziellen Verkehr geschlossen. Für die globale Lieferkette bedeute das einen systemischen Schock.
Beide Nahost-Nadelöhre gleichzeitig geschlossen
Nach gemeinsamen US-israelischen Luftschlägen auf iranisches Territorium am 28. Februar und anschließenden iranischen Vergeltungsangriffen ist die Sicherheitslage in der gesamten Golfregion eskaliert.
Laut Prewave:
- sind rund 170 Containerschiffe mit etwa 450.000 TEU im Persischen Golf eingeschlossen
- haben alle großen Reedereien ihre Operationen in der Region gestoppt
- findet aktuell kein kommerzieller Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus statt
- ist auch die Route durch Bab al-Mandab und das Rote Meer geschlossen
Damit sind erstmals beide wichtigsten Seehandelsachsen zwischen Europa und Asien gleichzeitig blockiert.
Energie- und Ölmärkte reagieren sofort
Die Auswirkungen treffen insbesondere den Energiemarkt. Öl- und LNG-Tanker haben den Verkehr eingestellt.
Prewave erwartet:
- Brent-Ölpreise über 100 US-Dollar kurzfristig
- bei anhaltender Blockade sogar 130 bis 150 US-Dollar
- erhöhte Versicherungsprämien
- Versorgungsrisiken für energieabhängige Volkswirtschaften
Obwohl die OPEC eine Fördererhöhung von 206.000 Barrel pro Tag beschlossen hat, kann ein Großteil der Reservekapazitäten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht exportiert werden, solange die Straße von Hormus geschlossen bleibt.
Asien besonders stark betroffen
Die wirtschaftliche Exposition ist laut Analyse ungleich verteilt. Besonders stark betroffen sind:
- Indien
- Japan
- Südkorea
- Pakistan
Diese Länder sind stark abhängig von Energie- und Containerimporten über die Golfroute. Die USA und Israel gelten hingegen als vergleichsweise weniger exponiert.
Drei Szenarien für die nächsten Monate
Prewave skizziert drei mögliche Entwicklungen:
Szenario A – Rasche Deeskalation (7–21 Tage)
Geringe Wahrscheinlichkeit (10 %). Wiederöffnung unter militärischem Schutz, jedoch anhaltende Marktverwerfungen.
Szenario B – Längere Störung (1–6 Monate)
Wahrscheinlichstes Szenario. Teilweise Wiederaufnahme des Verkehrs nach 2–4 Wochen, aber reduzierte Kapazitäten und hohe Versicherungsprämien.
Szenario C – Eskalation oder Regimekollaps (6+ Monate)
Anhaltende asymmetrische Angriffe, strukturelle Störungen globaler Handelsströme, erhöhtes Rezessionsrisiko.
Globale Logistik unter Doppelbelastung
Neben der Seeschifffahrt gerät auch die Luftfracht unter Druck. Eine Schließung der großen Air-Cargo-Hubs am Golf, insbesondere Dubai als wichtigster Transitknoten zwischen Ost und West, würde die globale Logistik zusätzlich belasten. Dubai zählt mit rund 100 Millionen abgefertigten Sendungen jährlich zu den größten Luftfrachtdrehkreuzen weltweit.
Einordnung für die Branche
Die gleichzeitige Blockade beider Seehandelsnadelöhre stellt laut Prewave ein historisch beispielloses Ereignis dar. Die Kombination aus:
- maritimer Blockade
- Energiepreisschock
- Versicherungsrisiken
- geopolitischer Unsicherheit
könnte weitreichende Auswirkungen auf globale Lieferketten, Industrieproduktion und Verbraucherpreise haben.
Der vollständige Prewave-Bericht analysiert detailliert die betroffenen Handelsströme, Expositionsgrade einzelner Volkswirtschaften und die Entwicklung von Flottenbewegungen.
In Kürze: die Key Facts
- Bericht: Prewave Supply Chain Situation Report
- Konflikt: Iran–USA–Israel
- Datum Eskalation: 28. Februar 2026
- Betroffene Seewege: Straße von Hormus & Rotes Meer
- Blockierte Schiffe: ca. 170 Containerschiffe
- Kapazität: ca. 450.000 TEU
- Ölpreiserwartung: >100 USD, möglich 130–150 USD
- Besonders exponierte Länder: Indien, Japan, Südkorea, Pakistan
- Risiko: Systemischer Lieferkettenschock
- Szenarien: 7 Tage bis 6+ Monate Störungsdauer






