Iran-Krieg gefährdet Handelsschifffahrt

Iran-Krieg bedroht Supply Chain
VDR warnt: Deutsche Schiffe in Gefahr

Spitzt sich die Lage im Persischen Golf weiter zu? Mindestens 25 deutsche Schiffe sind laut VDR betroffen. Reeder leiten Schiffe um und warnen vor Risiken für die globalen Lieferketten.

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Foto: Rathmann

Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran trifft die internationale Handelsschifffahrt unmittelbar. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnt vor einer dramatischen Verschärfung der Sicherheitslage entlang zentraler Seehandelsrouten im Persischen Golf und im Roten Meer. Besonders betroffen sind die Straße von Hormus sowie die Verbindung über Bab al-Mandab und den Suezkanal, Schlüsselachsen des globalen Handels zwischen Europa und Asien.

Angriffe nahe der Straße von Hormus

Nach Berichten über Angriffe auf zivile Schiffe vor der Küste Omans, darunter auch ein Öltanker, hat sich die Bedrohungslage weiter konkretisiert. Es gibt erste Verletzte und Todesopfer. Deutsche Schiffe sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht direkt betroffen. Mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien befinden sich derzeit im Golfgebiet. Darunter zwei Kreuzfahrtschiffe mit rund 7.000 Passagieren an Bord, die die Region aus Sicherheitsgründen momentan nicht verlassen können. Eine physische Blockade der Straße von Hormus besteht laut VDR aktuell nicht. Allerdings warnen iranische Stellen per Funk vor der Nutzung der Passage. Die Lage bleibt volatil.

Rotes Meer: Zweite Krisenzone

Westlich des Golfs verlaufen mit Bab al-Mandab und dem Suezkanal weitere hochfrequentierte Handelsrouten. Bereits zuvor hatten die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen im Jemen Angriffe auf Handelsschiffe angedroht. Die Kombination aus Eskalation im Golf und anhaltender Bedrohung im Roten Meer schafft laut VDR ein „durchgehendes Risikoband“ entlang zentraler Energie- und Handelsrouten.

Viele Reedereien reagieren mit:

  • Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung
  • Abzug aus Risikozonen
  • Wartepositionen außerhalb gefährdeter Gewässer
  • fortlaufenden Krisensitzungen

Strategische Bedeutung für Europa

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Engpässen der globalen Energieversorgung. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und LNG-Exporte passiert diese Meerenge. „Die deutsche Handelsschifffahrt garantiert täglich Versorgungssicherheit für Europa. Ihre Sicherheit ist strategische Notwendigkeit“, betont VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. Rund 300 deutsche Reedereien betreiben weltweit Handelsschiffe. Die Sicherheit von Besatzungen und Passagieren habe oberste Priorität.

Auswirkungen auf Lieferketten und Frachtraten

Sollte es zu längeren Umleitungen kommen, drohen:

  • verlängerte Transitzeiten
  • steigende Treibstoffkosten
  • höhere Versicherungsprämien
  • Engpässe im Container- und Tankerverkehr

Eine nachhaltige Störung der Golfroute würde erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise, Industrieproduktion und globale Lieferketten haben.

Auch Luftfracht betroffen

Neben der Seeschifffahrt gerät offenbar auch die Luftfracht unter Druck. Eine mögliche Schließung zentraler Air-Cargo-Drehkreuze am Golf würde den wichtigsten Transitkorridor zwischen Ost und West empfindlich treffen. Dubai gilt als einer der größten globalen Luftfracht-Hubs mit rund 100 Millionen abgefertigten Sendungen pro Jahr. Branchenverbände wie die International Air Transport Association (IATA) warnen regelmäßig vor massiven Störungen globaler Lieferketten bei Einschränkungen zentraler Transitpunkte.

In Kürze: die Key Facts

  • Konfliktregion: Persischer Golf / Rotes Meer
  • Betroffene Route: Straße von Hormus
  • Weitere Route: Bab al-Mandab / Suezkanal
  • Deutsche Schiffe im Golf: mind. 25
  • Betroffene Reedereien: 7
  • Kreuzfahrtschiffe: 2 mit ca. 7.000 Passagieren
  • Risiken: Angriffe, Umleitungen, steigende Kosten
  • Globale Bedeutung: Energie- und Containerverkehr Europa–Asien
  • Luftfracht: Gefahr von Einschränkungen an Golf-Hubs
  • Kernaussage: Sicherheitslage für Handelsschifffahrt verschärft sich