Fleetlery wächst mit B2B-Angebot für die letzte Meile

Fleetlery wächst rasant
B2B-Angebot für die letzte Meile

Der Lieferdienst Fleetlery will die letzte Meile effizienter, transparenter und nachhaltiger machen – und wächst ganz ohne Investorengeld. Auch der Einsatz von Transportern ist denkbar.

B2B-Angebot für die letzte Meile
Foto: Fleetlery

Die Corona-Pandemie beschreibt Timo Kerzel, Geschäftsführer und Mitgründer des Lieferdiensts Fleetlery, als „Gamechanger für Konsumenten“. In dieser Zeit wurde vieles in den Onlinehandel verlagert und per Lieferdienst zugestellt. Kerzel und Mitgründer Micheal Kingreen kam 2021 daher die Idee, einen eigenen Lieferdienst zu gründen. Die letzte Meile sollte damit effizienter, transparenter und nachhaltiger werden.

Eigenfinanziert und auf Wachstumskurs

Sie steckten ihr eigenes Kapital in das Unternehmen mit Sitz in Hamburg und gingen 2022 an den Start. „Wir haben bislang kein Geld von Investoren benötigt“, sagt Kerzel gegenüber trans aktuell. Darum passe auch der Begriff „Start-up“ nicht. Das Unternehmen sei ohnehin schon zu groß für diese Bezeichnung.

Timo Kerzel, Geschäftsführer und Mitgründer des Lieferdiensts Fleetlery
Fleetlery

„Wir bieten eine Plattform, die Lieferlogistik effizient gestaltet“, sagt Timo Kerzel, Geschäftsführer und Mitgründer des Lieferdiensts Fleetlery.

Das Geschäftsmodell von Fleetlery klingt simpel: Unternehmen stellen ihre Lieferaufträge auf die Plattform, Fleetlery bündelt die Aufträge aus den verschiedensten Branchen und die Kurierfahrer stellen die Ware zu – und das alles als Same-Day-Lieferung. „Wir bieten eine Plattform, die Lieferlogistik effizient gestaltet“, sagt Kerzel.

4.000 Kuriere stellen in mehr als 60 deutschen Städten zu

Von Hamburg aus lenkt ein zweistelliges Team die Geschicke des Unternehmens. Zu dessen Aufgaben zählen der Live- und Kundensupport, das Steuern der IT-Infrastruktur und das Flottenmanagement. Die rund 4.000 Kuriere stellen in mehr als 60 deutschen Städten zu, weitere 30 Städte sollen in diesem Jahr hinzukommen. „Wir wachsen konstant“, so der Gründer. Bei den Kurieren handelt es sich um eine Kombination aus festangestellten Kurieren und Mitarbeitern von Partnerunternehmen. Sie liefern alles aus, was in den Fleetlery-Rucksack passt. Eine Person muss die Lieferung stemmen können, denn die Kurierfahrer sind immer allein unterwegs.

Das Team hat für die Kuriere 2024 eine App gelauncht, die den gesamten Lieferprozess von der Abholung beim Unternehmen bis zur Zustellung unterstützt. Die Fleetlery-App – „Herzstück der Plattform“ – legt mithilfe von Algorithmen passende Bestellungen zusammen. „Die Kuriere haben dadurch keine Standzeiten und sind besser ausgelastet“, sagt Kerzel.

Kritik an Arbeitsbedingungen in der Branche

Fleetlery taucht als Subunternehmen des Lieferdienst Lieferando immer wieder in den Medien auf. Dabei geht es um schlechte Arbeitsbedingungen, Scheinselbstständigkeit und das Auslagern von Verantwortung für die Kurierfahrer.

„Wir setzen uns für transparente Strukturen und faire Arbeitsbedingungen in der Branche ein. Deswegen arbeiten wir ausschließlich mit festangestellten Kurieren sowie mit Partnerunternehmen, die dieselben Standards einhalten. Dazu gehören Mindestlohn, Sozialabgaben und Arbeitssicherheit. Zusätzlich führen wir regelmäßige Compliance-Prüfungen bei unseren Partnern durch und beenden die Zusammenarbeit konsequent, wenn Verstöße festgestellt werden. Unser Ziel ist es, ein Modell zu schaffen, das Effizienz mit klarer Verantwortung verbindet und faire Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette sicherstellt“, so Kerzel.

Flotte besteht zu 70 bis 80 Prozent aus E-Bikes

Die Flotte besteht zu 70 bis 80 Prozent aus E-Bikes. Der Rest wird per Pkw zugestellt. Grundsätzlich gilt: Alles, was auf ein Fahrrad oder in ein Auto passt, wird transportiert. Isoliertaschen kühlen oder halten warm. Gekühlt werden zum Beispiel Drogerieartikel oder Medikamente. Dabei ist es laut Kerzel egal, ob die Aufträge aus dem stationären Handel oder von Onlineshops stammen: Fleetlery erhält den Auftrag und organisiert die Lieferung.

Kontakt zu den Konsumenten haben nur die Kuriere an der Haustüre. Vorteile ergeben sich laut Kerzel nicht nur für große Händler, sondern auch für kleine, stationäre Unternehmen. Sie könnten dank Fleetlery am Onlinehandel teilnehmen und ihre Ware noch am Tag der Bestellung zustellen lassen.

Unterschiedliche Zielgruppen je nach Warenart

Die durchschnittliche Lieferzeit beträgt rund 28 Minuten – heißt es auf der Website. Die Kuriere legen für eine Lieferung rund 2,4 Kilometer zurück. Im Schnitt finden 200.000 Lieferungen in der Woche statt. Eine Erkenntnis Kerzels: „Je schwerer die Lieferung, desto älter die Käuferschicht.“ Grundsätzlich seien Kunden, die fertiges Essen bestellen, eher jünger. Kunden, die Lebensmittel oder bei Drogerien und Apotheken bestellen, gehören einer älteren Zielgruppe an.

Liefer- oder Abomodelle sind immer beliebter

„Produkte des täglichen Bedarfs verlagern sich immer mehr in Liefer- oder Abo-Modelle“, so Kerzel. „Unternehmen wiederum wollen keine eigene Lieferflotte.“ Fleetlery scheint in eine Marktlücke zu stoßen und bezeichnet sich selbst als größten Marktteilnehmer in dieser Nische. Auch die europaweite Expansion ist für die Plattform denkbar. Genauso wie eine größere Flotte mit Transportern. „Wir haben die Infrastruktur dafür“, sagt Kerzel. Für diesen Zweck würde sich Fleetlery auch Investoren nicht verschließen. Die Zeit wird zeigen, wie es mit der Plattform für Lieferlogistik weitergeht.