Bremerhaven setzt zum Comeback an – mit Rammschlag, Stahl und einem großen Versprechen: Die neue Nordmole soll die Zufahrt zum Fischereihafen sicherer machen, nachdem das alte Bauwerk nach jahrelanger Sperrung 2022 zum akuten Risiko wurde. Parallel steht für die Häfen in Bremerhaven eine Investitionsoffensive im Raum, wie sie Bremenports selbst als „größte Investitionsoffensive des Bundes“ beschreibt: Rund 1,35 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in Sanierung, Modernisierung und Weiterentwicklung fließen. Die entscheidende Frage dahinter: Geht es hier „nur“ um kaputte Infrastruktur oder wird Bremerhaven gerade zum strategischen Logistik- und Sicherheitsstandort hochgefahren? Die Antwort: beides.
Nordmole: Aus Sicherheitsrisiko wird Großbaustelle
Mit dem offiziellen Baustart beginnt eines der sichtbarsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre: Die Nordmole wird neu gebaut, nachdem die alte Mole seit Jahren als „abgängig“ gesperrt war und es 2022 zur Havarie kam, provisorische Sicherungen inklusive. Der Neubau ist bewusst kein Mini-Projekt: Geplant sind rund 280 Meter Länge, eine neue, nach Nordwesten verschwenkte Ausrichtung (für bessere nautische Bedingungen) sowie ein Aufbau aus Spundwänden und Stahlbeton.
Molenturm kehrt technisch modernisiert zurück
Die Dimensionen zeigen, warum das Thema weit über „ein bisschen Hafenbau“ hinausgeht: rund 3.500 Tonnen Stahl und rund 140.000 Kubikmeter bewegter Boden – finanziert mit 32,2 Millionen Euro. Fertigstellung: Ende 2027, Bauzeit rund zwei Jahre. Und: Ein emotionaler Punkt für die Stadt ist ebenfalls gesetzt: Der Molenturm soll auf dem Molenkopf äußerlich originalgetreu zurückkehren, technisch innen modernisiert.
Die Milliarden-Frage: Warum der Bund so viel Geld nach Bremerhaven lenkt
Fast zeitgleich steht eine deutlich größere Summe im Raum: Rund 1,35 Milliarden Euro sollen „in den kommenden Jahren“ aus dem Verteidigungshaushalt in Bremerhaven investiert werden – für Sanierung, Modernisierung und Weiterentwicklung der Hafeninfrastruktur.
Bremenports-Chef Howe adressiert Verteidigungsfall
Bremenports-Chef Robert Howe ordnet die Mittel klar in die „Zeitenwende“ ein, als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und mit dem Ziel, Häfen „im Ernstfall“ zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit nutzen zu können. Gleichzeitig betont er: Profitieren sollen ausdrücklich auch die zivilen Umschlagsbereiche.
Konkret nennt Bremenports unter anderem:
- Ertüchtigung von Kaianlagen, technischen Anlagen, Verkehrsanbindungen
- Fokus auf Energieinfrastruktur und Digitalisierungsprojekte
- Maßnahmen für mehr Resilienz und Leistungsfähigkeit
Auch BLG-Logistics-CEO Magnor betont militärische Logistik
Der Vorstandsvorsitzende und CEO von BLG Logistics Matthias Magnor betont: „Die Politik trägt mit dieser Entscheidung der Relevanz unseres Standortes in Bremerhaven Rechnung. Der Ausbau und die Ertüchtigung des Hafens sind wichtige Schritte zur Zukunfts- und Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Als Partner der NATO verfügt die BLG über weitreichende Kompetenzen in der militärischen Logistik.“Darüber hinaus sei aber auch der „High & Heavy“-Bereich auf dem BLG Autoterminal in Bremerhaven und die Containerterminals an der Stromkaje wichtige Drehscheiben.
Was heißt das für Speditionen, Verlader und die Hinterlandlogistik?
Für die Logistikbranche steckt hier ein klares Signal drin: Bremerhaven soll nicht nur reparieren, sondern skalieren – mit moderner Infrastruktur, Energie- und Digital-Ausbau und einer Rolle, die sowohl globale Handelsströme als auch geopolitische Anforderungen bedienen kann.
Investitionsstau rächt sich
Damit ist die Eingangsfrage beantwortet: Ja, Bremerhaven wird als Logistikstandort strategisch aufgeladen, nicht ausschließlich militärisch, aber spürbar „zeitenwende-kompatibel“. Und die Nordmole ist dabei mehr als Symbolik: Sie steht für das Prinzip „Investitionsstau rächt sich“ und dafür, dass Infrastruktur am Ende entweder teuer erneuert wird oder teuer ausfällt. Bleibt die zweite Frage: Kommt das Geld schnell genug in die Umsetzung – oder droht wieder der typische Genehmigungs- und Planungsstau, bevor die nächste Schwachstelle knallt?






