Scania testet neue E-Lkw-Ideen künftig in China

Neue Plattform für E-Lkw und autonomes Fahren
Scania macht China zum Testfeld für neue Lkw

Scania baut mit Venture & New Business China eine neue Einheit auf. Gemeinsam mit Partnern sollen dort Technologien und Geschäftsmodelle für E-Lkw und autonomes Fahren erprobt werden.

Scania China Next Era Rugao Hub Werk 2025
Foto: Scania

Scania baut sein Engagement in China weiter aus – und will dort künftig nicht nur Lkw entwickeln und produzieren. Eine neue Einheit soll gemeinsam mit Kunden und Partnern Technologien und Geschäftsmodelle rund um Elektro-Lkw und autonomes Fahren erproben. Was funktioniert, könnte anschließend in größerem Maßstab ausgerollt werden. China spielt in Scanias Strategie längst auch als Entwicklungs- und Produktionsstandort eine wichtige Rolle. Mit dem Next Era (siehe Foto) produziert der Hersteller dort bereits ein speziell für den chinesischen Markt entwickeltes Lkw-Modell.

Es geht nicht nur um neue Fahrzeugtechnik

China bekommt für Scania eine zusätzliche Rolle. Der schwedische Nutzfahrzeughersteller gründet mit Venture & New Business China (VNBC) eine eigene Plattform, die neue Geschäftsmöglichkeiten identifizieren, entwickeln und in Pilotprojekten erproben soll. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um neue Fahrzeugtechnik. Scania will ebenso untersuchen, welche Geschäftsmodelle und Partnerschaften für den zunehmend elektrifizierten und automatisierten Straßengüterverkehr erforderlich sind. Die Leitung übernimmt Kelly Fu als Regional Lead for China Venture & New Business bei der Scania Group.

E-Lkw und autonomes Fahren stehen zunächst im Fokus

Zum Start konzentriert sich VNBC auf zwei Felder: die Energiewende im Schwerverkehr und den autonomen Transport. Gemeinsam mit Kunden, Technologieunternehmen und weiteren Partnern sollen neue Lösungen möglichst schnell unter realen Bedingungen getestet werden. Scania bezeichnet die neue Einheit dabei ausdrücklich als Plattform für Versuche und Pilotprojekte. Welche konkreten Technologien zuerst erprobt werden, nennt der Hersteller bislang ebenso wenig wie einzelne Projektpartner oder Investitionssummen. „China verbindet die Größe des weltweit größten Lkw-Marktes mit einer der sich am schnellsten entwickelnden Technologie- und Innovationslandschaften“, sagt Kelly Fu. Für Scania gehe es deshalb nicht allein darum, Kunden im Land zu bedienen, sondern gemeinsam mit lokalen Partnern neue Lösungen zu entwickeln.

Scania will in China schneller ausprobieren

Der Ansatz ist für Scania hauptsächlich wegen der Geschwindigkeit interessant. Technologien und Geschäftsmodelle sollen gemeinsam mit Partnern zunächst im Markt getestet werden. Lösungen, die einen kommerziellen Nutzen bringen, könnten anschließend skaliert werden. Damit soll China gleichzeitig zum Lernfeld für den Konzern werden. Gustaf Sundell, Executive Vice President und Head of Ventures and New Business bei Scania, spricht von einer Doppelrolle: VNBC solle das heutige Wachstum in China unterstützen und zugleich Fähigkeiten für ein zunehmend elektrifiziertes und autonomes Transportsystem aufbauen. Erkenntnisse aus den Pilotprojekten sollen anschließend in die Entwicklung künftiger Transportlösungen einfließen.

Produktionsstandort wird auch zum Testfeld

Eine wichtige Rolle spielt dabei Scanias wachsende industrielle Präsenz in China. Insbesondere die Region Nantong und Rugao, in der sich Scanias dritter industrieller Produktionsstandort befindet, soll für Tests und Pilotprojekte mit Kunden und Partnern genutzt werden. Hinzu kommen lokale Kompetenzen in Forschung und Entwicklung, Einkauf und Produktion. VNBC soll außerdem mit lokalen Behörden und weiteren Unternehmen innerhalb des chinesischen Transport- und Technologie-Ökosystems zusammenarbeiten. Für Scania wird der chinesische Standort damit mehr als eine Produktionsbasis: Entwicklung, Produktion, Erprobung und die Suche nach neuen Geschäftsmodellen sollen näher zusammenrücken.

Was Scania mit VNBC noch offenlässt

Wie groß der Einfluss der neuen Einheit auf Scanias künftige Lkw tatsächlich wird, muss sich allerdings erst zeigen. Die Ankündigung beschreibt zunächst eine organisatorische und strategische Plattform. Konkrete Pilotprojekte, beteiligte Unternehmen, Fahrzeuge oder Zeitpläne nennt Scania noch nicht. Ebenso offen bleibt, welche in China entwickelten Lösungen später auch außerhalb des Landes eingesetzt werden könnten. Die Richtung ist dagegen klar: Scania will China nicht ausschließlich als Absatzmarkt betrachten, sondern die dortige Geschwindigkeit bei Elektrifizierung, Automatisierung und digitalen Geschäftsmodellen für die eigene Entwicklung nutzen.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Scania
  • Neue Einheit: Venture & New Business China (VNBC)
  • Aufgabe: neue Technologien, Partnerschaften und Geschäftsmodelle identifizieren, entwickeln und erproben
  • Schwerpunkte zum Start: Energiewende im Schwerverkehr und autonomer Transport
  • Technologiefokus: unter anderem batterieelektrische und autonome Transportlösungen
  • Leitung: Kelly Fu, Regional Lead for China Venture & New Business, Scania Group
  • Ansatz: Zusammenarbeit mit Kunden, strategischen Partnern und weiteren Akteuren in China
  • Pilotprojekte: sollen Technologien und Geschäftsmodelle unter realen Marktbedingungen testen
  • Standort: Region Nantong/Rugao soll eine wichtige Umgebung für Tests und Pilotprojekte bieten
  • Scania in China: verfügt dort über Kompetenzen in Forschung und Entwicklung, Einkauf und Produktion
  • Ziel: erfolgreiche Lösungen mit kommerziellem Nutzen anschließend skalieren