Die Haller Group ordnet ihre Aktivitäten im Bereich emissionsfreier Nutzfahrzeuge neu. Mit der Übernahme des Umrüstspezialisten Pepper und der erneuten Integration von Quantron will das Unternehmen ein ganzheitliches Angebot für die Transformation von Nutzfahrzeugflotten etablieren. Unter dem Schlagwort „Fleet-Transformation-as-a-Service“ (FTaaS) sollen Neufahrzeuge, Umrüstlösungen, Energieinfrastruktur sowie Finanz- und Serviceleistungen gebündelt werden. Der strategische Anspruch ist hoch: Die Haller Group positioniert sich als Plattformanbieter für batterie- und wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge – von der Umrüstung bestehender Flotten bis hin zu neuen Fahrzeugkonzepten. Kunden sollen künftig über einen zentralen Ansprechpartner Zugang zu Fahrzeugen, Energie, digitalen Services und Finanzierungslösungen erhalten. Eine Bestandsaufnahme mit Rückblick, inklusive Markt- und Strategiebewertung.
Pepper-Übernahme: Fokus auf Umrüstung bestehender Flotten
Mit der Übernahme von Pepper erweitert die Haller Group ihr Angebot gezielt um die Elektrifizierung bestehender Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen gilt nach eigenen Angabenals Pionier für modulare Umrüst-Kits auf Batterie- und Wasserstoffbasis, insbesondere für Busse und Lkw. Angesichts hoher Anschaffungskosten für neue Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge gewinne die Nachrüstung bestehender Flotten in der Branche an Bedeutung, vor allem unter TCO-Gesichtspunkten. Die Kombination aus Neufahrzeugen und Retrofit-Lösungen soll es Flottenbetreibern ermöglichen, schrittweise auf emissionsfreie Antriebe umzusteigen, ohne bestehende Fahrzeugwerte sofort abschreiben zu müssen. Ergänzt wird das Angebot durch Leasing-, Versicherungs- und After-Sales-Services.
Quantron: Neustart mit belasteter Vergangenheit
Ein zentraler Baustein der neuen Struktur ist Quantron. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren wiederholt mit ambitionierten Ankündigungen zu Wasserstoff- und Elektro-Lkw auf sich aufmerksam gemacht, konnte diese jedoch in er Vergangenheit wirtschaftlich nicht untermauern. Ende 2023 mündete dies in der Insolvenz. Gründer Andreas Haller übernahm Quantron anschließend aus der Insolvenzmasse zurück. Die erneute Positionierung dürften potenzielle Kunden daher vermutlich mit Zurückhaltung betrachten. Zwar wurde mit Andreas Hager ein neuer CEO für die Business Unit Quantron eingesetzt. Nun ist es entscheidend, ob es dem Unternehmen im neuen Anlauf gelingt, Serienprodukte und stabile Lieferketten sowie in der Folge daraus nachhaltige Umsätze aufzubauen.
FTaaS-Modell: Anspruch trifft auf Realität
Das von der Haller Group propagierte Fleet-Transformation-as-a-Service-Modell verspricht Flottenbetreibern jedenfalls Planungssicherheit, kalkulierbare Kosten und eine verbesserte Total Cost of Ownership (TCO). Bestehende Flottenwerte sollen monetarisiert und in neue Zero-Emission-Lösungen überführt werden. Gleichzeitig sollen geringere Energie- und Wartungskosten die Wirtschaftlichkeit verbessern. Ob dieses Modell in der Breite funktioniert, hängt jedoch von belastbaren Referenzprojekten, funktionierender Infrastruktur und langfristig finanzierbaren Geschäftsmodellen ab, insbesondere im aktuell angespannten Markt für emissionsfreie Nutzfahrzeuge.
Fazit: Internationale Ambitionen, offene Bewährungsprobe
Die Haller Group ist nach eigenen Angaben in Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten und Asien aktiv und verfolgt ein Asset-Light-Modell. Das soll internationale Skalierung ermöglichen, ohne hohe eigene Produktionsinvestitionen zu binden. Für den Markt bleibt entscheidend, ob die neue Struktur jetzt operative Stabilität schafft, dort, wo frühere Anläufe von Quantron gescheitert sind. Den Neustart ist zugleich die Bewährungsprobe: Erst konkrete Auslieferungen, verlässliche Servicekonzepte und wirtschaftliche Erfolge werden zeigen, ob aus der ambitionierten Plattformstrategie mehr wird.










