Ein batterieelektrischer Fernverkehrs-Lkw hat erstmals erfolgreich an der eNordkap Challenge teilgenommen: Ein Mercedes-Benz eActros 600 absolvierte die rund 8.000 Kilometer lange Winterexpedition von Deutschland bis zum Nordkap in Norwegen. Temperaturen von bis zu minus 41 Grad Celsius stellten Fahrzeug und Team vor besondere Herausforderungen.
Langstreckentest bis ans Nordkap
Die eNordkap Challenge findet seit 2018 jährlich Ende Dezember statt und richtet sich ausschließlich an elektrisch betriebene Fahrzeuge. Ziel ist das Nordkap – der nördlichste mit dem Auto erreichbare Punkt Europas. Die diesjährige Route führte über Norddeutschland und Dänemark durch Mittelschweden entlang der Inlandsvägen bis in die arktische Region Norwegens.
Realistischer Einsatz mit 32,5 Tonnen Gesamtgewicht
Bereitgestellt wurde der eActros 600 vom österreichischen Logistikunternehmen VEGA International CarTransport & Logistic Trading GmbH. Herbert und Silvia Salentinig steuerten den E-Lkw, der mit einem Fahrzeugtransport-Auflieger und einem Mercedes-Benz Sprinter beladen war. Das Gesamtzuggewicht betrug 32,5 Tonnen – ein typisches Einsatzszenario aus dem Logistikalltag.
Kaum Anpassungen am Serienfahrzeug
Für die Extremtour wurde der eActros 600 nahezu unverändert eingesetzt. Lediglich eine spezielle Bereifung kam zum Einsatz. Während der zehntägigen Fahrt bewältigte der E-Lkw auch schwierige Ladesituationen, etwa bei vereisten Kartenlesern, kurzen Ladekabeln oder notwendigen Absattelvorgängen an Ladepunkten.
Praxistest unter arktischen Bedingungen
„Der eActros 600 ist für uns ein wahres Arbeitstier – zuverlässig auch unter härtesten Bedingungen“, sagte Fahrer Herbert Salentinig nach der Ankunft am Nordkapp. Die Teilnahme an der eNordkapp Challenge lieferte damit einen praxisnahen Nachweis für die Alltagstauglichkeit batterieelektrischer Lkw im Fernverkehr – selbst unter extremen klimatischen Bedingungen.
Hintergrund: Mercedes-Benz eActros 600
Der Mercedes-Benz eActros 600 ist seit Ende 2024 im Serieneinsatz. Nach dem Produktionsstart im Werk Wörth im November wird das batterieelektrische Fernverkehrsmodell seit Dezember an Kunden ausgeliefert und ist inzwischen in mehr als 15 europäischen Ländern im täglichen Betrieb unterwegs.
Technisch basiert der Lkw auf drei Batteriepaketen mit jeweils 207 kWh, was einer installierten Gesamtkapazität von 621 kWh entspricht. Die eingesetzten LFP-Batterien ermöglichen eine hohe nutzbare Kapazität von über 95 Prozent und gelten als besonders langlebig. In Kombination mit der eigens entwickelten elektrischen Antriebsachse erreicht der eActros 600 eine Reichweite von rund 500 Kilometern ohne Zwischenladen – laut Hersteller unter realistischen Bedingungen mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht. Durch Nachladen während der gesetzlichen Fahrerpause sind im Tagesverlauf auch deutlich längere Distanzen möglich.
Der eActros 600 ist für ein kombiniertes Gesamtzuggewicht von bis zu 44 Tonnen ausgelegt. Mit Standardauflieger liegt die Nutzlast in der EU bei rund 22 Tonnen, abhängig von nationalen Regelungen auch darüber. Um unterschiedliche Einsatzprofile abzudecken, erweitert Mercedes-Benz Trucks das Portfolio derzeit um zusätzliche Varianten. Künftig stehen unter anderem verschiedene Fahrerhäuser, Batterie-Layouts, Radstände und Achsformeln zur Auswahl. Insgesamt umfasst die zweite Modellgeneration mehr als 40 Fahrzeugvarianten auf Basis des eActros 600.






