Der US-amerikanische Elektro-Lkw-Hersteller Bollinger Motors ist erneut unter gerichtliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Hintergrund sind ausstehende Forderungen von Zulieferern, Mitarbeitenden und staatlichen Stellen. Im Zuge der Maßnahme wurden unter anderem 20 elektrische Nutzfahrzeuge beschlagnahmt. Das berichtet das Portal „The Detroit News“.
Automobilzulieferer Dana Inc. klagt
Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, ordnete ein Richter im US-Bundesstaat Ohio Mitte Dezember 2025 die erneute Einsetzung eines gerichtlich bestellten Verwalters an. Anlass ist eine Klage des Automobilzulieferers Dana Inc., der Forderungen in Höhe von 6,2 Millionen US-Dollar (rund 5,7 Millionen Euro) geltend macht. Das Gericht sieht Bollinger Motors als zahlungsunfähig oder unmittelbar von Zahlungsunfähigkeit bedroht an.
Zweiter Anlauf von Bollinger Motors gescheitert
Bereits im Frühjahr 2025 war Bollinger Motors vorübergehend unter Zwangsverwaltung geraten, nachdem dem Unternehmen die Liquidität ausgegangen war und der Firmengründer Robert Bollinger eine Klage über 10 Millionen US-Dollar (rund 9,2 Millionen Euro) angestrengt hatte. Damals sprang die Muttergesellschaft Mullen Automotive ein, einigte sich mit dem Gründer und stellte frisches Kapital bereit. Mullens-CEO David Michery kündigte an, das Unternehmen zu stabilisieren und offene Verbindlichkeiten zu begleichen. Diese Zusagen blieben jedoch weitgehend unerfüllt. Laut Gericht verweigerte Bollinger Motors selbst nach der Kapitalzufuhr Zahlungen an Lieferanten.
Offene Löhne, staatliche Rückforderungen, Lieferantenklagen
Zu den Gläubigern zählen rund 70 ehemalige Beschäftigte, die laut eigenen Angaben bis heute auf ausstehende Löhne und Sozialleistungen warten. Die Arbeitsbehörde des Bundesstaats Michigan bestätigte, dass entsprechende Verfahren weiterhin anhängig sind. Sollte Bollinger Motors Insolvenz anmelden, müssten die Betroffenen ihre Ansprüche im Insolvenzverfahren geltend machen. Auch der Bundesstaat Michigan fordert Gelder zurück: Die Wirtschaftsfördergesellschaft MEDC versucht, knapp 1 Million US-Dollar (etwa 920.000 Euro) aus einem ursprünglich genehmigten Förderprogramm zurückzuholen. Darüber hinaus haben zahlreiche Zulieferer Klagen eingereicht. Insgesamt belaufen sich die bekannten offenen Forderungen gegenüber Teilelieferanten laut Gerichtsakten auf mindestens 14 Millionen US-Dollar (rund 12,9 Millionen Euro). Betroffen sind unter anderem Anbieter von Achsen, Fahrwerkskomponenten, Elektronik und Strukturbauteilen.
Fahrzeuge beschlagnahmt und Preise deutlich gesenkt
Im Dezember 2025 ließ ein Gerichtsvollzieher am Unternehmenssitz in Oak Park unter anderem 20 neue elektrische Bollinger-B4-Nutzfahrzeuge, einen Chevrolet-Transporter, einen Ford F-450 sowie mehrere Trailer sicherstellen. Die B4-Modelle wurden ursprünglich zu Preisen von über 150.000 US-Dollar (rund 138.000 Euro) angeboten, tauchten zuletzt jedoch für rund 89.000 US-Dollar (etwa 82.000 Euro) auf Online-Plattformen auf. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, künftig keinen Werkstatt- oder Garantie-Support mehr für Händlerfahrzeuge zu leisten, ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für potenzielle Käufer.
Bedeutender Rückschlag für E-Nutzfahrzeuge in den USA
Der erneute Zusammenbruch von Bollinger Motors trifft einen Markt, der ohnehin unter nachlassender Nachfrage, gekürzten Förderprogrammen und steigenden Finanzierungskosten leidet. Bollinger galt lange als Hoffnungsträger für elektrische Arbeits- und Spezialfahrzeuge. Hinzu kommen Vorwürfe wegen Missmanagements auf Ebene der Muttergesellschaft, die inzwischen unter dem Namen Bollinger Innovations firmiert und im Oktober 2025 von der Nasdaq-Börse ausgeschlossen wurde. Der nun erneut eingesetzte Zwangsverwalter soll die Vermögenswerte sichern und eine geordnete Abwicklung im Interesse der Gläubiger gewährleisten. Ob es noch zu einer Sanierung oder einem Verkauf kommt, ist offen.







