Der Automotive-Zulieferer Aumovio startet mit einem ungewöhnlichen Signal ins erste volle Geschäftsjahr: Der Umsatz sinkt – doch der Gewinn steigt deutlich. Für das Unternehmen, das erst 2025 aus dem Automotive-Geschäft von Continental hervorgegangen ist, ist das mehr als eine Randnotiz. Es ist ein klarer Hinweis darauf, wie sich die Branche gerade verändert: Weg vom Volumen, hin zu Effizienz und Marge.
Weniger Umsatz – aber deutlich profitabler
Auf den ersten Blick wirken die Zahlen widersprüchlich. Der bereinigte Umsatz ging 2025 um fünf Prozent auf 18,5 Milliarden Euro zurück. Doch gleichzeitig legte das operative Ergebnis massiv zu. Das bereinigte EBIT stieg um mehr als 45 Prozent auf 717 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich von 2,5 auf 3,9 Prozent und liegt damit am oberen Ende der eigenen Zielspanne. Diese Entwicklung zeigt: Aumovio gelingt es bereits kurz nach dem Spin-off, die Kostenstruktur zu verbessern und effizienter zu wirtschaften.
Spin-off kostet – Cashflow bleibt stabil
Die Abspaltung vom Continental-Konzern und begleitende Restrukturierungen haben das Unternehmen 2025 viel Geld gekostet. Insgesamt flossen rund 491 Millionen Euro ab. Trotzdem bleibt die finanzielle Lage stabil. Der Free Cashflow ist mit 159 Millionen Euro klar positiv, bereinigt sogar bei 650 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Nettoliquidität von 1,4 Milliarden Euro. Für ein Unternehmen in dieser Umbruchphase ist das ein wichtiger Stabilitätsfaktor.
Große Unterschiede in den Geschäftsbereichen
Ein genauer Blick auf die Sparten zeigt, wo Aumovio aktuell wächst und wo noch Probleme liegen:
Im Bereich Safety and Motion, dem größten Segment, konnte das Unternehmen die Profitabilität deutlich steigern. Hier greifen vor allem Kostensenkungen und effizientere Produktionsprozesse.
Noch deutlicher ist der Fortschritt im Bereich User Experience: Nach einem deutlichen Verlust im Vorjahr schreibt die Sparte nun wieder schwarze Zahlen. Der Turnaround ist gelungen.
Weniger dynamisch verläuft die Entwicklung dagegen in anderen Bereichen. Autonomous Mobility bleibt weiterhin defizitär, während Architecture and Network Solutions unter rückläufigen Umsätzen und Projektveränderungen leidet.
2026 bleibt ein Übergangsjahr
Auch für 2026 rechnet Aumovio nicht mit Rückenwind aus dem Markt. Die globale Fahrzeugproduktion dürfte leicht zurückgehen. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb weiter zu, insbesondere durch Hersteller aus China. Das Unternehmen stellt sich darauf ein. Geplant sind weitere Effizienzmaßnahmen, eine stärkere Fokussierung auf rentable Geschäftsfelder und eine Anpassung der globalen Strukturen. Dazu gehört auch ein Einschnitt im Personalbereich: Im Forschungs- und Entwicklungsbereich sollen weltweit bis zu 4.000 Stellen abgebaut werden.
Klare Strategie: Profitabilität vor Wachstum
Die Richtung ist eindeutig. Aumovio will langfristig eine EBIT-Marge von sechs bis acht Prozent erreichen und stellt dafür konsequent die Weichen.
Im Fokus stehen:
- Schlankere Strukturen
- Gezieltes Portfoliomanagement
- Investitionen in Zukunftstechnologien
Dazu zählen unter anderem neue Sensor- und Displaylösungen für die Mobilität der Zukunft.
Ein typischer Fall für die Transformation der Branche
Aumovio steht exemplarisch für die Entwicklung vieler Automotive-Zulieferer. Der Druck durch Elektromobilität, neue Wettbewerber und volatile Märkte zwingt die Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten. Der Ansatz ist klar: weniger Volumenabhängigkeit, mehr Effizienz, höhere Margen. Dass Aumovio diesen Weg bereits im ersten Jahr nach dem Spin-off einschlägt, dürfte in der Branche genau beobachtet werden.







