Der Autozulieferer Aumovio zieht bei der Forschung und Entwicklung (F&E) die Kostenschraube weiter an: In einem zusätzlichen Maßnahmenpaket zur Steigerung der Effizienz sollen weltweit bis zu 4.000 Stellen abgebaut werden. Die Umsetzung soll bis Ende 2026 weitgehend abgeschlossen und „möglichst sozialverantwortlich“ gestaltet werden. Zugleich bekräftigt das Unternehmen sein Ziel, die F&E-Aufwandsquote bis 2027 auf unter zehn Prozent des Umsatzes zu senken. Zuletzt lag dieser Wert laut Aumovio bei 11,9 Prozent (3. Quartal 2025).
Abbau an mehreren Standorten – Deutschland „hoher dreistelliger Bereich“
Von den Maßnahmen sind Standorte in Indien, Singapur, Rumänien, Serbien, Deutschland und Mexiko betroffen. Für Deutschland sieht Aumovio den Bedarf, Stellen „bis in den hohen dreistelligen Bereich“ zu reduzieren. Parallel hat das Unternehmen nach eigenen Angaben den sozialpartnerschaftlichen Dialog aufgenommen, um alternative Lösungen zur Effizienzsteigerung und zur Verringerung des Abbaubedarfs in Deutschland zu entwickeln. In Deutschland soll zudem Anfang März ein Freiwilligenprogramm starten.
Portfolio-Fokus und Partnerschaften: SDV, autonomes Fahren, Displays, Bremsen
CEO Philipp von Hirschheydt begründet das Programm mit einem herausfordernden Marktumfeld. Aumovio wolle F&E-Aufwendungen stärker auf „wertschaffende Technologien“ fokussieren, Entwicklungsaktivitäten bündeln und Partnerschaften intensivieren. Als Zukunftsfelder nennt das Unternehmen unter anderem Software-definierte Fahrzeuge, autonome Mobilität, moderne Displaylösungen sowie elektronische Bremssysteme.
Aumovio automatisiert F&E mithilfe von Amazon Web Services
Passend zur Fokussierung der F&E kündigte Aumovio zudem Anfang Januar eine strategische Zusammenarbeit mit Amazon Web Services (AWS) an: AWS wird demnach „Preferred Cloud Provider“ für die Entwicklung autonomer Systeme, während agentische und generative KI direkt in Entwicklungs- und Validierungs-Workflows integriert werden sollen – mit dem Ziel, Tests und Freigaben deutlich zu beschleunigen. Konkret sollen Cloud- und KI-Dienste (unter anderem Amazon Bedrock) helfen, große Sensordatenmengen und Millionen Fahr-Szenarien schneller auszuwerten, seltene „Edge Cases“ zu finden und so Entwicklungsaufwand zu reduzieren. Erstmals will Aumovio die neuen Lösungen in einem großen Kundenprojekt einsetzen: beim Rollout autonomer Trucks für Aurora. Dort verweist das Unternehmen auf eine Validierung mit mehr als 10.000 Anforderungen und 4,5 Millionen Tests. Ein Beispiel dafür, wie Automatisierung und KI künftig Effizienzgewinne in der Entwicklung liefern sollen.
Hintergrund: Continental-Spin-off seit September 2025
Aumovio führt seit dem Spin-off im September 2025 das frühere Continental-Automotive-Geschäft als eigenständiges Unternehmen weiter. Continental spricht vom Start als eigenständige Gesellschaft mit Handelsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse am 18. September 2025. Für das Geschäftsjahr 2024 nennt Aumovio für die nun zugehörigen Geschäftsfelder einen Umsatz von 19,6 Milliarden Euro und mehr als 86.000 Mitarbeitende an über 100 Standorten weltweit. Offen bleibt: Wie stark trifft das Effizienzprogramm die deutschen Entwicklungsstandorte – und welche Technologieprojekte stehen künftig ganz oben auf der Prioritätenliste?
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: Aumovio SE
- Thema: Effizienzprogramm in Forschung & Entwicklung (F&E)
- Datum (Mitteilung): 27. Januar 2026
- Stellenabbau: Weltweit bis zu 4.000 Stellen, weitgehend bis Ende 2026
- Betroffene Länder/Standorte: Indien, Singapur, Rumänien, Serbien, Deutschland, Mexiko
- Deutschland: Abbauumfang bis in den hohen dreistelligen Bereich; sozialpartnerschaftlicher Dialog; Freiwilligenprogramm ab Anfang März geplant
- Zielkennzahl: F&E-Aufwandsquote < 10 % des Umsatzes im Jahr 2027
- Letzter Wert: 11,9 % (3. Quartal 2025)
- Technologie-Fokus: Software-definierte Fahrzeuge, autonome Mobilität, Displaylösungen, elektronische Bremssysteme
- Unternehmenshintergrund: Spin-off aus Continental Automotive; Börsenstart 18. September 2025; Umsatzbasis 2024: 19,6 Mrd. Euro; >86.000 Mitarbeitende; >100 Standorte weltweit






