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Stress auf der Alpenbahn

Auf der Schiene läuft's unrund

Hupac mit SBB Cargo Rastatt-Lok Foto: SBB

Drei Jahre nach dem Baustellenunglück in Rastatt läuft es für den Schienengüterverkehr in Richtung Alpen weiter nicht rund.

Die Vollsperrung der Rheintalbahn am 12. August 2017 nach einem Unglück beim Tunnelbau in Rastatt war für den Schienengüterverkehr ein Desaster. An den finanziellen Folgen leiden die Bahnunternehmen immer noch, kritisierte jetzt der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), Peter Westenberger. Die Schäden seien durch DB Netz weiterhin nicht reguliert und es müsse prozessiert werden. Eine Studie im Auftrag des Netzwerks hatte ergeben, dass der Wirtschaft durch die Streckenunterbrechung ein Schaden von rund zwei Milliarden Euro entstanden ist, davon alleine 969 Millionen Euro bei den Eisenbahnunternehmen.

Keine Umleitungstrecke in Sicht

Nach wie vor gebe es zudem keine Lösung bei Engpässen auf der neuralgischen Strecke, sei es bei technischen Störungen, Havarien oder Spitzenbelastungen, bemängelte Westenberger. „Beim Grundproblem mangelnder paralleler Infrastukturen für Umleiterverkehre ist man noch keinen realen Schritt einer Lösung näher gekommen.“ Er bedauerte, dass außer der Schweiz niemand die im Rheintal naheliegendste Lösung weiterverfolge, linksrheinisch den Abschnitt von Wörth bis Strasbourg zu ertüchtigen.

Kostenexplosion in Rastatt

Problematisch sei auch, dass der schon 1998 planfestgestellte Tunnel bei Rastatt nun erst Ende 2025 in Betrieb gehen solle, so der NEE-Geschäftsführer. An der Havariestelle müsse jetzt acht Jahre langsam gefahren werden. „Am Schluss stehen nach derzeitigem Stand Gewichtslimits durch kritische Neigungen an den Tunnelrampen, wo vorher eine Flachbahn war“, gab er zu bedenken. Und das alles vor dem Hintergrund einer Kostenexplosion von offiziell veranschlagten knapp 700 Millionen Euro auf deutlich über eine Milliarde Euro.

Deutschlands Zusagen wertlos

In der Schweiz wird nun am 4. September der Ceneri-Basistunnel als letztes Tunnelbauwerk der NEAT-Flachbahn durch die Alpen eröffnet. Damit ist das Herzstück des europäischen Korridors Rotterdam-Genua komplett, das die Nachbarn auf eigene Rechnung für umgerechnet mehr als 21 Milliarden Euro erstellt haben. Zum Jahresende könnten bis zu 260 Güterzüge über die Gotthardachse fahren – schließlich hatte die Bundesregierung einen funktionierenden Zulauf verpflichtend zugesagt. Inzwischen wird es weitere 20 Jahre dauern bis die Rheintalbahn ausgebaut und die Strecke durchgehend vierspurig ist. Kein Wunder, dass sich die Hoffnungen der Schweizer inzwischen auf die andere Seite des Rheins, nach Frankreich, richten.

Trassenpreiserhöhung kritisiert

Trotz Bekundungen der Bundesregierung, die Verlagerung von Güterverkehren auf die Schiene zu unterstützen, beklagt NEE eine weitere Erhöhung der Trassenpreise. Diese gehe aus den Unterlagen eines Verfahrens bei der Bundesnetzagentur hervor, so NEE, Vorstandsvorsitzender Ludolf Kerkeling sprach von "einem verheerenden Signal“.

Auf Basis von Daten von DB Netz solle der Trassenpreis für einen Standard-Güterzug ab 13. Dezember auf 3,05 Euro pro Kilometer (plus 2,4 Prozent gegenüber heute) steigen. Er würde sich damit wieder dem ursprünglich von der DB Netz beantragten Wert von 3,21 Euro pro Kilometer nähern, den die Bundesnetzagentur nicht genehmigte und mit Beschluss vom 31. März 2020 auf 2,91 Euro/Kilometer absenkte. Verladern in Industrie und Handel könnten keine höheren Preise abverlangt werden, habe die Behörde damals argumentiert. Gegenüber dem Planungsstand von Ende März würden die Trassenpreise damit um fast fünf Prozent steigen, führte Kerkeling aus.

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