Rustikaler Supertruck Zil 157 W

Offroad-Holzhütte von Familie Niedergesäß

Supertruck Zil Blockhütte Foto: Felix Jacoby 19 Bilder

Die Verwirklichung eines Lastwagentraums muss nicht immer mit Edelstahl und Hochglanzlack zu tun haben. Das beweisen Peter und Markus Niedergesäß aus Cottbus mit ihrem Zil.

Manche Menschen reden nur gerne von ihren Träumen, andere wiederum verwirklichen sie – mit Leidenschaft! Zu Letzteren gehört die Familie Niedergesäß aus Cottbus. Vater Peter organisiert den Betrieb der familieneigenen Lackiererei, Sohn Markus gilt mittlerweile als einer der anerkanntesten Airbrusher für Fahrzeugveredelungen. Mutter Margit schnitzt Bilder, Tochter Maria entwirft Digitallayouts.

Schon Erfahrung mit Holzhütten auf Rädern

Schon zuvor haben sie mit einem prächtigen Holzblockhaus mit Terrasse und Sauna auf Basis eines Sattelzuges für Erstaunen gesorgt. Doch das neueste und letzte Projekt der Lausitzer ist noch ein ganzes Stück verrückter geworden. Wer kann schon von sich behaupten, ein selbst entworfenes Märchenhaus mit einem 10x10-Antrieb sein Eigen zu nennen? Das dürfte es vermutlich nur einmal auf dieser Welt geben. Als ehemalige Teilnehmer von Europa-Truck-Trial und Lastwagenrallyes sind Vater und Sohn von schweren Offroadfahrzeugen generell fasziniert.

Ostblock-Truck aus Armee-Beständen

Das erklärt, warum sie sich einen Zil 157 W, Baujahr 1961, gekauft haben, der bei einem polnischen Gebrauchtfahrzeughändler vor sich hin rottete und sonst sicher bald den Schweißbrennern der Alteisenverwerter zum Opfer gefallen wäre. Der Sattelschlepper zog einst Flugabwehrraketen bei der polnischen Armee, meist nur auf den jährlichen Paraden.

Allrad rundum - auch am Trailer

Das Original ist ein eigenwilliges Fahrzeugkonzept, ein komplett mit Allrad angetriebener Sattelschlepper, das klingt reichlich verrückt. Doch es muss bei Zil wahrhaft geniale Ingenieure gegeben haben, die sich für diese Aufgabenstellung aberwitzige Konstruktionen erdachten. So führt die Antriebswelle durch den hohlen Königszapfen zum Zwischengetriebe des Tiefladers, und die Sattelkupplung ist für extreme Verschränkungen dazu mit beweglichen Gelenken konstruiert.

Motortuning für Minimalvortrieb

Eine verheerende Leistungsbilanz hatte allerdings der originale Sechszylinder-Benziner mit 5,5 Liter Hubraum und 109 PS Leistung, kaum spürbarer Vortrieb bei fürchterlichen Verbräuchen. Vater und Sohn Niedergesäß implantierten stattdessen einen Deutz-Diesel mit 170 Pferden. Dank der veränderten Einbaulage ist das Schaltschema nun spiegelverkehrt, aber das passt zum Charakter des urigen Zil. Um ihm noch etwas Wildheit zu verpassen, bekam er eine kühn geschwungene Sonnenblende spendiert, fein geschnitten und gedengelt aus einem VW-Autodach.

Patina ist Trumpf

Weimann Fahrzeugbau in Cottbus restaurierte den übel verrosteten Aufliegerrahmen und setzte eine stabile Lastplattform darauf. Anschließend spielte Markus Niedergesäß mit rostfördernden Chemikalien, die den eigenwilligen Lastzug mit einer ihm ­angemessenen Patina überzogen. Dann entwarf der Junior für den Zil ein verrücktes Märchenhaus, in dem es keinerlei rechte Winkel gibt.

Kunstschnitzer am Werk

Für solch ein Mobilbauwerk, dazu noch für eins, das hohe Geschwindigkeiten und wilde Geländefahrten überleben soll, gibt es keine Vorbilder. Doch Peter Niedergesäß hatte durch seine Begeisterung für Holz als Material den Lausitzer Oliver Vogt kennengelernt, der nach Norwegen ausgewandert ist. Dort beschäftigt er sich mit Bauwerken aus dem Naturmaterial, außerdem schnitzt er kunstvoll Figuren mit Kettensägen.

Märchenhaftes Wohnmobil

Der neue Freund aus dem hohen Norden entwarf eine robuste Konstruktion auf den Auflieger und verlieh ihr auch gleich ihre Gestalt. Alles an dieser Behausung ist schief und krumm, das krasse Gegenteil klassischer Architektur. Dachdeckermeister Marcel Bratke setzte dem Ganzen noch eine passend rustikale Blechhaube auf. Innen gibt es eine Ruheebene mit Fellen, einen norwegischen Bullerofen als Standheizung und eine behagliche Sitzecke. Das wohl märchenhafteste und verrückteste Wohnmobil, das man sich vorstellen kann.

Auch im Gelände nicht zu bremsen

Auf der Jungfernfahrt beweist der Russe gleich Standvermögen, ob auf der Piste oder im Gelände. Einmal platzt zwar ein Luftschlauch, doch die robuste Technik ist zum Glück leicht reparabel. Insgesamt bewähren sich der Fünfachser und sein skurriler Aufbau hervorragend. Auf die Verwirklichung ihres Traumes stoßen die Lausitzer am Abend dann fröhlich miteinander an.

Technische Daten:

  • Truck: ZIL 157W 10x10
  • Erstzulassung: 1961
  • Leistung: 170 PS
  • Trailer: ZIl
  • Eigentümer: Familie Niedergesäß
  • Fahrer: Peter und Markus Niedergesäß
  • Artwork/Interieur: Markus Niedergesäß, Oliver Vogt
  • Aufgabengebiet: Traumwagen, Spaßmobil
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