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Neues Werk für Elektro-Fahrzeuge eröffnet

Bushersteller Irizar baut ersten Elektro-Lkw

Irizar neues Werk Foto: Thorsten Wagner 8 Bilder

Der baskische Bushersteller Irizar eröffnet unweit der Hauptniederlassung in Ormaiztegi bei San Sebastian eine moderne Fabrik, in der ausschließlich Elektrofahrzeuge und - komponenten hergestellt werden. Bei der rauschenden Eröffnung wird zudem der erste Low-Entry Lkw der Marke mit erkennbaren Busgenen vorgestellt. 

16.05.2018 Thorsten Wagner

Die nach eigenen Aussagen "erste Fabrik für Elektromobilität in Europa" liegt auf einem vier Hektar großen Grundstück in Aduna bei San Sebastian und bietet derzeit 36.000 qm Produktionsfläche sowie 150 Arbeitsplätze, die aber rasch auf über 500 und darüber hinaus erhöht werden soll – der Altersdurchschnitt der Ingenieure ist mit rund 26 Jahren extrem gering. In die Fabrik wurden 75 Mio. Euro investiert, das sind rund 10 Prozent der Investitionen, die der ehemalige Chassisaufbauer seit 2011 getätigt hat. Das Werk produziert bereits seit rund einem Jahr und hat eine Kapazität von 1.000 Fahrzeugen im Jahr. Derzeit entstehen bis zu drei Busse am Tag, allerdings ohne klassischen Rohbau. In der weitgehend sauberen und sehr hellen Produktionshalle werden Chassis abgeliefert und mit genieteten Aluminiumaufbauen sowie der Traktionstechnik versehen. Seine Energie erhält das Werk von einer benachbarten Papierfabrik, es ist nach Effizienzklasse A zertifiziert. Prüfstände und Teststrecken sind direkt vor Ort angelegt, damit die Fahrzeuge vor der Auslieferung auch ausgiebig getestet werden können. Irizar fertigte seit 2014 bereits rund 150 Elektrobusse und hat seit 2011 nach eigenen Angaben bereits rund 750 Mio. Euro in das Thema Elektromobilität investiert.

Schlüsselfertige Elektromobilitäts-Systeme, Umstellung auf schnellladefähige NMC-Batterien

Neben kompletten Fahrzeugen werden auch Batteriemodule, Pantografen und andere Komponenten für die Elektromobilität gefertigt. Wie andere Hersteller auch beziehen die Basken die Batteriezellen (in Kurzem wird auf die schnellladefähige "NMC" ­– Nickel-Mangan-Cadmium-Oxid Chemie umgestellt) aus Fernost, die Batteriepacks, -module und Energiemanagement werden hier vor Ort gefertigt. Das Werk gehört zur Marke "Irizar e-mobility", eine von sechs Submarken, die das Unternehmen, das mit 3.300 Mitarbeitern und 13 Werken auf fünf Kontinenten vertreten ist, eigens gegründet hat (eine neue Niederlassung geht zeitnah in Luxemburg in Betrieb, wohin auch erste Busse geliefert werden). Für die Elektromobilität relevant sind vor allem die Marken Jema und Alconza, die beide Komponenten herstellen, letztere fertigt Zentralmotoren. Somit kann das Unternehmen bis auf Batteriezellen, alle Gewerke abbilden, die nötig sind, um einen Betrieb mit schlüsselfertigen Elektromobilitätslösungen zu beliefern.

2017 stellte das Unternehmen seine neue Generation von Elektrobussen vor, die im konventionellen Erscheinungsbild als "ie bus" in Längen von 10,8 bis 18 Meter und Kapazitäten von 75 bis 155 Personen zur Verfügung stehen, sowie als "ie tram" im speziellen Tramdesign mit verlängerter Front geliefert werden. Bald soll auch ein Doppelgelenkbus dazu kommen. Der "ie tram" Gelenkbus soll zudem einer der ersten Busse in Europa werden, der mit einem Kamerasystem statt konventionellen Außenspiegeln geliefert werden soll. Als Besonderheit wird der Gelenkbus auch mit bis zu acht Türen auf beiden Seiten des Fahrzeuges lieferbar sein, wie es zum Beispiel für den Flughafen Årlanda in Schweden gefordert ist.

Erster Low Entry Elektro-Lkw für kommunale Anwendungen

Das Unternehmen überraschte bei der offiziellen Eröffnung des Werkes mit rund 500 geladenen Gästen und Kunden mit der Vorstellung seinen ersten Elektro-Trucks mit deutlich erkennbaren Busgenen vor. Ein acht Meter langes, 18 t tragendes 6x2 Chassis für Koffer- und ähnliche Aufbauten wird mit einer Low Entry-Stahlkabine mit Busfront und fliehender Stirn für bis zu vier Personen kombiniert. Hier wird der mit Priorität angezielte Einsatzbereich für kommunale Müllunternehmen und Ähnliches deutlich, das Unternehmen spricht von einem "sehr breiten Feld von Anwendungsmöglichkeiten", nicht zuletzt durch den niedrigsten Einstieg auf dem Markt. Die Elektrokomponenten stammen ebenfalls weitgehend aus dem Busbereich: eine Lithium-Ionen Batterie mit 120 kWh Kapazität liefert die Energie für einen 230 kW-Zentralmotor aus eigener Fertigung, die Batterien sollen für eine Betriebsdauer von 14-16 Stunden und eine Reichweite von rund 200 Kilometer ausreichen. 

Der Clou steckt hinter der noch provisorisch verbauten Kabinenrückwand: Ein FPT-Erdgas-Vierzylinder ist optional als Range-Extender vorgesehen, um diesen Wert noch zu vergrößern. Der erste Prototyp ist bereits fahrfähig, eine Serienreife wird für 2019 angestrebt. Als Besonderheiten hebt Irizar noch adaptive Dämpfer und viele aktuelle Sicherheitssysteme für den Lkw hervor. Der "ie truck" wird ebenso wie alle elektrischen Busse in Deutschland über den Partner Ferrostaal aus Essen und nicht über Irizar Deutschland in Neuwied vertrieben. Mit Ferrostaal hat Irizar schon in Mexico beim Aufbau der Reisebus-Fertigung auf MAN-Chassis in Querétaro ausgiebige Erfahrungen gesammelt. In Essen läuft derzeit auch einer der ersten elektrischen Tests mit einem Irizar Bus.

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