Symposium: Hauptsache gesund

Gesunde Mitarbeiter sind Gold wert. Das gilt gerade in der Transport- und Logistikbranche. Die verschiedenen Berufsbilder sind anspruchsvoll, der Alltag hektisch und der Krankenstand entsprechend hoch. Doch Speditionen und Werkverkehre können eine Menge tun, um ihre Mitarbeiter gesund zu halten und vor Gefahren zu schützen.

Das wurde bei einem Symposium von trans aktuell, Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) und der Prüforganisation Dekra in Stuttgart deutlich. Die Angebote reichen von der Schale Obst im Sozialraum bis hin zum Besuch der Rückenschule. Wer clever ist, nutzt für Investitionen in das betriebliche Gesundheitswesen entsprechende Freibeträge. 500 Euro je Mitarbeiter sind seit dem Jahr 2008 steuerfrei, wie Hans-Jürgen Riedel, Diplom-Finanzwirt am Finanzamt Karlsruhe-Durlach, erläuterte.

Angebote zu Gesundheit und Ernährung


Notwendig sind Angebote zu Gesundheit und Ernährung allemal. Das gilt im Besonderen für den gewerblichen Bereich. Fahrer sind aufgrund ihrer belastenden Tätigkeit besonders häufig krank. Darauf wies Dr. Martina Michaelis, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freiburger Forschungsstelle Arbeits- und Sozialmedizin (ffas) hin. Doch haben zahlreiche Speditionen die Gefährdung der Mitarbeiter durch den Job erkannt und setzen auf Schulungen, um vorzubeugen. Das geht aus einer Umfrage unter rund 600 Unternehmen hervor.
76,9 Prozent der Firmen stimmten der Aussage zu, betriebliche Gesundheitsförderung sei eine Investition, die sich rechnet. Mehr als ein Fünftel der Unternehmen hat praktische Erfahrungen mit einem betrieblichen Gesundheitswesen – und zum Beispiel bereits Kurse zum rückengerechten Arbeiten, zur Stressbewältigung oder zur Müdigkeit am Steuer abgehalten.
Gerade bei diesem Punkt ergibt sich laut Annika Adler besonderer Handlungsbedarf. Die Sozialpädagogin aus Hamm hat ebenfalls in Umfragen ermittelt, wie es um das Thema Gesundheit bei Fahrern bestellt ist. Im Gegensatz zu Michaelis hat Adler ausschließlich die Fahrerseite befragt.  Dreiviertel der Befragten hat demnach bereits Erfahrungen mit Sekundenschlaf gemacht – für Adler ein beunruhigender Wert.

Fahrer leiden unter Stress

Das kommt nicht von ungefähr, auch der Stress spielt dabei eine Rolle. Rund 57 Prozent der Fahrer empfinden das eigene Stresslevel dauerhaft nicht als tragbar. Aus Liebe zum Job ziehen sie daraus allerdings keine Konsequenzen. 80 Prozent der Fahrer würden gern gesünder leben und wünschen sich entsprechende Angebote durch den Arbeitgeber oder die Krankenkasse.
Geht man nach diesen Wünschen, dürften Fahrer bei der Spedition Kellershohn aus Lindlar oder dem Spezialisten für Tiefkühlkost, Apetito aus Rheine, auf ihre Kosten kommen. Beide Unternehmen engagieren sich seit Jahren für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter – mit Erfolg.
Geringere Krankheitstage, rückläufige Unfallzahlen, eine gesteigerte Motivation – das bekommt Unternehmer Willi Kellershohn nach eigenen Angaben zurück, wenn er in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investiert. Sein 25 Leute starkes Team hat die Qual der Wahl. Kellershohn ermöglicht ihnen Krankengymnastik, den Besuch des Sportstudios und vieles mehr. Er setzt daneben auf weitere Anreize, die zur Motivation beitragen. Seine Fahrer hätten beim Anschaffen der Lkw ein Mitspracherecht, auf das sie auch stolz seien.

Mitsprache bei Tourenplänen


Auch die 101 Servicefahrer bei Apetito, die einen Werkverkehr von 83 Lkw bewegen, haben bei den Tourenplänen ein Wörtchen mitzureden. „Gemeinsam mit den Fahrern legen wir auch die Ausstattung der Fahrzeuge fest“, erzählt Bernhard Frie, Leiter der Distribution. Wie Kellershohn legt auch Frie Wert auf ein gutes Klima. Dass die Mitarbeiter in der Logistik ihren Arbeitgeber schätzen, belege die geringe Fluktuation von maximal zwei Mitarbeitern im Jahr.
Wer von Krankheiten verschont sein will, muss sich gesund ernähren und viel bewegen. Was Mitarbeiter im kaufmännischen und gewerblichen Bereich alles für ihre Fitness bei der Arbeit unternehmen können, erläuterten Dekra-Trainer Norbert Wellnitz und der Redakteur für Gesundheit und Ernährung beim Magazin Men’s Health, Rufus Rieder.
Wellnitz unterrichtet das Modul Gesundheit im Rahmen der Berufskraftfahrer-Qualifikation. Sein Partner ist Charly – ein Modell der Wirbelsäule, das er fast immer im Handgepäck hat – so auch zum Symposium. Den Fahrern zeigt er daran, wie biegsam die Wirbelsäule ist und wie man sie schont.

Mit Sport fit bleiben

Redakteur Rieder stellte vor, wie sich Büroleute in der Mittagspause gezielt ertüchtigen können – sei es durch Kniebeugen mit Kopierpapier oder Liegestützen am Konferenztisch. Wer Sport treibt, der kann sich auch mal bei der Ernährung versündigen. „Der Vorteil ist, dass man dann mehr zu sich nehmen kann. Wer eine Stunde Fahrrad fährt, kann dann als erwachsener Mann zusätzlich zu den etwa 2.300 Kalorien am Tag weitere 500 aufnehmen.“ Wer sich regelmäßig bewege, reduziere auch sein Erkältungsrisiko – was wiederum die Fehlzeiten verringert. So haben alle etwas davon, auch der Arbeitgeber.


Bares Geld sparen durch gesunde Mitarbeiter



Schritte in Richtung Gesundheit sind auch ein Beitrag, um Fachkräfte an sich zu binden. Davon ist Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), überzeugt. Die Gesundheit der Mitarbeiter sei auch Teil der sozialen Verantwortung der Unternehmer. Einen finanziellen Aspekt hat sie auch: Das rechnete Marongiu exemplarisch vor. Die Annahme: ein Betrieb mit 50 Mitarbeitern und einem Krankenstand von 3,58 Prozent. Bei 251 Arbeitstagen im Jahr 2011 kommt der Musterbetrieb auf 450 Fehltage oder neun Fehltage je Mitarbeiter. „Legen wir pro Tag lediglich 300 Euro an Ausfallkosten zugrunde, sind dies 135.000 Euro im Jahr“, sagte der VSL-Geschäftsführer. Gelinge es, den Krankenstand nur um zwei Tage auf sieben Fehltage je Mitarbeiter zu senken, ergebe dies eine Einsparung von 30.000 Euro. Zum besseren Verständnis: „Sie entspricht rund 800.000 Euro Umsatz in der Spedition, wenn man diesen Betrag mit seinem Verkauf reinholen möchte.“

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Matthias Rathmann

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