Supertruck Scania Ristimaa Madonna 14 Bilder Zoom

Scania Ristimaa "Madonna": Showgirl auf Rädern

Mit einem 560 PS starken Scania feiert Juha Ristimaa sein 20-Jahre-Jubiläum und setzt der Pop-Ikone Madonna ein Denkmal.

Als der finnische Spediteur Juha Ristimaa Ende August am schwedischen Mantorp Park zur Nordic Trophy 2013 anrollte, waren seine Hände und Finger, die das Lenkrad umklammert hielten, noch über und über mit Farbe überzogen. Wieder einmal war eines seiner Meisterwerke erst in letzter Minute fertig geworden. Der pinkfarbene Hauptlack des Lastzuges hatte sich so weit unter die Nagelhaut der Finger geschlichen, dass kein Zweifel daran bestand, womit Ristimaa seine Zeit in den letzten Tagen und Wochen verbracht hatte.

In ganz Europa ist der Finne wegen seiner Truck-Kreationen bekannt. Mit "Madonna" stellt er nun aber alles bisher ­Dagewesene in den Schatten. Die Idee, der US-amerikanischen Künstlerin ein rollendes Denkmal zu setzen, trug Ristimaa schon einige Jahre mit sich herum. Aber immer wieder hatte er anderen Themen wie beispielsweise "Zorro" und "Legend" den Vorzug gegeben. Passend zu seinen 20 Jahren im Transportgeschäft und als Nachschlag zum 30-jährigen Bestehen von ­Kuljetus ­Ristimaa Oy war es dann aber 2013 endlich so weit.

Zehn Lastzüge für Getränke und Lebensmittel

Bereits 1982 hatte Ristimaas Vater Erkki das finnische Transportunternehmen gegründet. Die Flotte umfasst derzeit zehn Lastzüge. Sie alle transportieren hauptsächlich Getränke und Lebensmittel. Fast 20 Beschäftigte zählt der Betrieb. Seniorchef ­Ristimaa hat sich nach und nach aus dem hektischen Transportalltag der Spedition zurückgezogen. Er kümmert sich nun um die Büroarbeiten, das Beladen der Lastwagen und die vielen anderen kleinen Dinge, die erforderlich sind, um die Fahrzeuge am Laufen zu halten.

Zu "Madonna" besitzt der sympathische Spediteur aus dem hohen Norden eine ganz besondere Beziehung: Er ist mit dem amerikanischen Multitalent musikalisch großgeworden. Außerdem hat Madonna in dem Jahr, als Ristimaas Vater in das Transportgeschäft einstieg, ihren ersten großen Plattenvertrag unterschrieben.

1.200 Lackierstunden

Madonna hat mittlerweile weltweit über 300 Millionen Tonträger verkauft. Sie ist die erfolgreichste Sängerin der Welt. Für Perttu Papunen, den ausführenden Künstler, war dieser Lastzug sein bisher größtes Projekt. Kaum zu glauben, dass dieser Scania einmal komplett schwarz war. Alleine die Design- und Lackierstunden, die Papunen in dieses Schmuckstück steckte, belaufen sich auf über 1.200. Beinahe 100 Liter Farb- und über 300 Liter Klarlack veredeln nun den 25,25 Meter langen Lastzug. "Wir sollten aber auch nicht die Menge an Kaffee ­vergessen, die ich während dieser Arbeit ­verbraucht habe. Das müssen bestimmt auch ein paar ­hundert Liter gewesen sein."

Zum Schluss arbeitete Papunen fast Tag und Nacht. Bisweilen verließ er die Lackierhalle überhaupt nicht mehr. Geschlafen wurde gleich irgendwo in einer Ecke. Das Resultat überzeugt. Die Bilder der amerikanischen Pop-Ikone sind so ziemlich das Beste, was jemals auf einem Lastwagen verewigt wurde. Noch dazu sind es nicht gerade kleine Porträts, was für gewöhnlich die Arbeit des Künstlers noch erschwert. Papunen legte auch viel Wert darauf, die verschiedenen Facetten von Madonna angemessen zu beleuchten. Angefangen vom freundlichen und schüchternen Mädchen bis hin zur professionellen Musikerin, zur kapriziösen Diva, zur ultimativen Künstlerin und zum skandalösen Sexsymbol.

Songtexte, Porträts und Design-Schriften

Neben den Porträts und den äußerst aufwendigen Design-Schriften finden sich auch Texte der berühmtesten Songs von ­Madonna auf den weißen Passagen des Lkw. Die Buchstaben trug Papunen mit einer ­speziellen Farbe auf, die nachts sogar einen gewissen Leuchteffekt besitzen. Neben den lackiertechnischen Arbeiten war Papunen aber auch für das Außendesign des Trucks verantwortlich. Abgesehen von den Seitenverkleidungen und einer komplett neuen Frontstoßstange entwickelte der Künstler aus Parkano auch die ausge­fallene Auspuffanlage mit den markanten frei stehenden Rohren. Custom Parts aus Ylihärmä waren schließlich für die Umsetzung von Papunens Ideen zuständig. Die Türgriffe des Scania sind nun verschwunden. Dafür gibt’s kleine Ringe wie bei den Staufächern.

Bei einem Lkw, der sich ganz einer Musikerin widmet, sollte natürlich auch die ­Musikanlage standesgemäß ausfallen. Nicht weniger als sechs Subwoofer, jeweils 16 Mittel- und Hochtöner sowie drei Verstärker bringen es mit einer separaten Stromversorgung auf satte 8.000 Watt.

Ehefrau hat die Kabine designt

Die Kabine des Scania ließ Ristimaa komplett zur Showbühne umgestalten. Besonders seine Ehefrau Elina war hier federführend. Einen Beifahrersitz besitzt der Lkw nicht mehr. Dafür beansprucht nun ein gemütliches, mit Leder überzogenes Ecksofa einen Teil des frei gewordenen Platzes. Eine im Boden eingelassene Vitrine mit der Kopie eines Madonna-Korsetts sorgt für offenstehende Münder. An einen normalen Lastwagen erinnert hier wirklich nichts mehr. Das lässt sich nur noch schwer toppen, vielleicht noch mit einem Live-Auftritt der Pop-Göttin. Insgesamt waren mehr als 20 Personen an dem Großprojekt beteiligt. Von den Planungen bis zur Fertigstellung nahmen die Ar­beiten fast elf Monate in Anspruch.

Trotz der vielen langen Gesichter, die es nach der Preisverleihung bei einigen anderen Titelaspiranten in Schweden gab, muss man bei der Summe der Details doch zugeben, dass die Nordic Trophy 2013 mit "Madonna" einen würdigen Sieger gefunden hat. Ristimaa hält nun bereits mit fünf Siegen den zweiten Platz in der ewigen Bestenliste inne, hinter dem "alten Haudegen" Henrik Guldager aus Dänemark mit sieben Siegen.

Der Madonna-Lkw muss zurzeit noch nicht viel arbeiten. Seine Hauptaufgabe besteht darin, auf verschiedenen Shows und Festivals als Star zu glänzen. Aber die Schonfrist ist bald vorbei. Dann kommen die harten Zeiten im Transportalltag. Dann klappen die Türen von Lkw und Trailer ein paar Mal pro Tag auf und zu. Es rollen die Räder ohne Stillstand, um ganz banal Geld zu verdienen. Bei allen anderen Ristimaa-Lkw war es schließlich auch immer so.

Truck: Scania R 560 V8;

Erstzulassung: 1.4.2013;

Leistung: 560 PS/412 kW;

Laufleistung: 4.000 km;

Trailer: fünfachsiger Ekeri-Trailer mit fahrerseitig komplett zu öffnenden Seitenwänden (Kofferaufbau des Scania verfügt über die gleichen Merkmale);

Eigentümer: Kuljetus Ristimaa Oy, Lapua, Finnland;

Fahrer: Juha Ristimaa, Lapua, Finnland, Teemu Sarvela, Lapua, Finnland;

Artwork: Perttu Papunen, Parkano, Finnland;

Edelstahlzubehör: Custom Parts, Ylihärmä, Finnland;

Aufgabengebiet: Getränke-, Lebensmittel- und Möbeltransporte im Süden und Westen Finnlands

Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

19. November 2013
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