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Spedition Kellershohn in Lindlar: Dienstältester Fahrer im Profil

Jürgen Huster ist dienstältester Fahrer bei Kellershohn in Lindlar. Jetzt darf er den jüngsten Sattelzug der Flotte fahren, einen Actros 1845 mit Active Brake Assist 4 und dem Abbiegeassistenten.

Der Kreisverkehr in Lindlar ist nur wenige Hundert Meter vom Betriebsgelände der Spedition Kellershohn entfernt. Jürgen Huster kennt die Stelle, auf dem Weg Richtung Autobahn oder zu einem der rund 15 langjährigen Kunden im Bergischen Land muss er dort immer vorbei. Vorsichtig tastet er sich heran. Jürgen kennt die Gefahr. Insgesamt kam es laut amtlicher Statistik im Jahr 2015 zu 3.226 Kollisionen zwischen Radfahrern und Lkw. Dabei starben 72 Radfahrer und 665 wurden schwer verletzt, wie der Berliner Unfallforscher der Versicherer, Siegfried Brockmann, mitteilt. Etwa ein Drittel der getöteten Radfahrer gehe dabei nachweislich auf das Konto von Abbiegeunfällen.

"Wenn ich etwa in Münster unterwegs bin, der Fahrradhauptstadt Deutschlands, dann zähle ich bis zu einer Kreuzung immer die Fahrräder, die ich überholt habe", verrät Jürgen. "Wenn ich dann nach rechts abbiege, warte ich immer, bis alle wirklich an mir vorbeigefahren sind. Da gehe ich absolut auf Nummer sicher. Denn nur sehr selten achten die Radfahrer nämlich auf mich."

Kellershohn bekannt für Aktivitäten zur Verkehrssicherheit

Auf dem Weg zum Kreisverkehr hat er keinen Radler überholt, er schaut nach links, wartet, bis ein Auto vorbei ist, ein letzter Blick in die Spiegel. Er will gerade abbiegen, da leuchtet in der rechten A-Säule ein rotes Dreieck auf, ein eindringlicher Ton warnt. Wie aus dem Nichts ist ein junger Radfahrer aufgetaucht, der direkt neben der Zugmaschine auf die Straße fährt. Ein lebensgefährliches Manöver. "Das ging so schnell, ich habe ihn wirklich nicht gesehen", sagt Jürgen, nachdem er sofort gebremst hat. "Das hätte auch ganz anders ausgehen können." Doch die Szene ist nachgestellt, der Radfahrer ist Oliver Kellershohn, der Sohn des Spediteurs Willi Kellershohn. Der hatte zum Jahresende einen der ersten Actros nicht nur mit dem Aktive Brake Assist (ABA) 4 zugelassen, sondern gleich noch den Abbiegeassistenten mitbestellt, der auf der IAA 2016 in Hannover Premiere hatte. Kellershohn ist für seine Aktivitäten hinsichtlich Verkehrssicherheit bekannt. Immer wieder organisiert er etwa in der örtlichen Grundschule Aktionen, die den Kindern den toten Winkel eines Lkw nahebringen.

"Gleich in den ersten Wochen gab es bereits zwei Situationen, in denen sich die Technik bezahlt gemacht hat", lobt Jürgen und deutet auf die beiden Radarsensoren, mit denen die komplette rechte Seite des Sattelzuges abgedeckt wird. "Ich bin total begeistert. Für mich als Lkw-Fahrer erleichtert es die Arbeit vor allem im innerstädtischen Verkehr ungemein. Einmal damit unterwegs, möchte ich diese Technik nicht mehr missen." Um acht Uhr muss Jürgen heute los. Bei einem Kunden in Engelskirchen soll er für Norddeutschland vorladen. Der gelernte Betriebsschlosser arbeitet nun seit 31 Jahren bei Kellershohn und ist somit der dienstälteste Fahrer der kleinen Spedition. Nach seiner Lehre bei Beral in Marienheide ging er zur Bundeswehr, wo er seinen Lkw-Führerschein machte.

Volle Konzentration am Steuer

"Mein Vater war damals Fahrer bei einer Spedition in Marienheide, dort habe ich am Wochenende auch immer mal die Bremsen belegt." Schließlich ließ er sich mit 21 Jahren den Führerschein umschreiben und folgte dem Lockruf des Fernwehs. Doch der Start in die Fahrerkarriere begann gleich mit einer aus heutiger Sicht amüsanten Anekdote. "Ich fuhr als zweiter Mann auf einem Mercedes 1017 Jumbo-Hängerzug mit nach Kiel. Von dort sollten wir in Dänemark Eierkartons für Südfrankreich laden. Aber in der Eile hatte ich meinen Personalausweis vergessen und musste an der dänischen Grenze warten, bis mein Kollege beladen zurückkam."

1986 ging Jürgen zu Kellershohn und ist seither fast jeden Lkw gefahren, den Mercedes-Benz gebaut hat, zuletzt acht Jahre lang einen Actros MP 3. "Schon damals hatte ich einen Active Brake Assist. Mit der jüngsten Entwicklungsstufe ist das kaum zu vergleichen. Besonders gut gefällt mir die Stop-and-go-Funktion, wenn ich im Stau stehe." Ein- bis Zweitagestouren macht Jürgen heute, aber immer noch sitzt er voll konzentriert am Steuer. "Wenn ich manchmal sehe, womit sich die Fahrer heute unterwegs ablenken, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Alle diese modernen Assistenzsysteme erleichtern mir meine Arbeit und unterstützen mich. Aber noch ersetzen sie mich nicht."

Actros 1845

Hersteller: Mercedes-Benz, Wörth
Motorwagen: Actros 1845 Streamspace mit Euro-6-Motor, Powershift 3 mit PPC, Safety Pack mit Active Brake Assist 4, Abstandshalte-Assistent mit Stop-&-go-Funktion, Wankregel-Assistent, Fahrer-Airbag und dazu der Abbiegeassistent als Sonderausstattung.
Auflieger: dreiachsiger, luftgefederter Planenauflieger Typ „Profiliner“ von Krone mit  Edscha-Schiebeverdeck, Code-XXL-Zertifikat. Ladekante rechts, Rückfahrwarner von Wabco am Heck und Roof-Safety-Airbag (RSAB) gegen Eisbildung.
Leergewichte: Motor­wagen: 7.750 kg; Auflieger: 6.328 kg
Zulässiges Zuggesamtgewicht: 40 t
Gesamtlänge Zug: 16,50 m

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 03/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

23. Februar 2017
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