Lang-Lkw im Berufsbildungszentrum Nordhausen 6 Bilder Zoom

Lang-Lkw: Auch ein Mittel gegen den Fahrermangel

Thüringen entwickelt sich zum europäischen Logistik-Drehkreuz. Davon ist Landesverkehrsminister Christian Carius (CDU) überzeugt. Doch gleichzeitig sieht er mit großer Sorge der demografischen Entwicklung entgegen: "Wir wissen, dass in den nächsten zehn Jahren rund ein Drittel der Fahrer ausscheiden wird."

Und schon jetzt müssen Fuhrunternehmer Lkw auf dem Hof lassen, weil es an Nachwuchs fehlt. Deshalb sei der Einsatz von Lang-Lkw auch ein Versuch, darauf zu reagieren, dass wir in den nächsten Jahren einen erheblichen Fahrermangel haben werden, argumentiert er. Denn wenn nur zwei statt drei Lkw im Zubringerverkehr pendeln, dann sei dies nicht nur umweltverträglicher, sondern es wird auch ein Fahrer weniger benötigt.

Auf dem Autodrom des Berufsbildungszentrums Nordhausen kletterte Carius hinter das Lenkrad eines Lang-Lkws, den BGL-Vizepräsident Hans-Dieter Otto für ihn zusammenstellen ließ. "Der Minister sagte mir, es würde ihn interessieren, wie so ein Fahrzeug fährt und funktioniert. Und mich hat das natürlich auch interessiert", berichtet Otto, der als Logistiker in Sachsen-Anhalt und Thüringen ansässig ist, aber selbst keine Lang-Lkw einsetzen kann. Auch Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) hatte der BGL-Vize zu diesem Präsentationstermin eingeladen, obwohl sich das Land gegen den Feldversuch aussprach. Aus Termingründen verzichtete der Magdeburger auf das persönliche Erlebnis. "Es war sehr positiv. Das Auto hat einen hohen Sicherheits- und Fahrkomfort. Man fährt im Grunde wie im Pkw. Ich bin begeistert", strahlt Carius nach seiner Probefahrt mit acht Achsen. Und er gesteht: "Ich habe gar keinen Lkw-Führerschein." Mit dem Lang-Lkw sieht der Erfurter Verkehrschef keine Wettbewerbsverzerrung zwischen Straße und Schiene. Vielmehr seien die Fahrzeuge ein Ergänzungsprodukt in einem Nischenbereich, um das erhebliche Transportwachstum zu bewältigen.

BGL-Vize Otto verweist darauf, dass lange Lastzüge keine neuzeitliche Erfindung seien. Bereits in der DDR-Straßenverkehrszulassungsordnung sowie in der sogenannten Reichsverkehrsordnung von 1934 waren Gesamtlängen bis zu 22 m festgelegt. "Die hatten nur 90 PS und keine komplette Sicherheitsausstattung", kommentiert er. Gleichzeitig macht er deutlich, dass auch die Großcontainer, die aus Übersee ankommen, innerhalb von Deutschland zu transportieren seien. "Dafür brauchen wir vernünftiges Equipment und die Rahmenbedingungen in Deutschland, um unsere Aufgaben auch erfüllen zu können", appelliert der Logistiker.

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Herbert Schadewald

Datum

20. Januar 2012
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