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Emission : Hamburg ist Umwelthauptstadt

Hamburg ist Europas Umwelthauptstadt 2011. Die Hansestadt möchte möglichst viele Menschen für den Klimaschutz begeistern. Die Stadtväter verstehen den Titel als Aufgabe. Und so lautet das ehrgeizige Ziel, den CO2-Ausstoß in der Elbmetropole bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren.

Hamburg will 2011 entscheidende Impulse geben, wie Umwelt- und Naturschutz in Städten gelebt werden kann. Dazu hat die Stadt zentrale Themen ausgesucht, um den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu weisen. Bei den Klimaschutzaktivitäten kommt dem Verkehr eine besondere Rolle zu, da er ein erhebliches Potenzial bietet, CO2- und Lärmemissionen zu reduzieren.

Hamburg ist Modellregion für Elektromobilität

So wurde die Elbmetropole zur Modellregion für Elektromobilität erklärt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem gewerblichen Verkehr, der mit innerstädtischen Kurzstreckenfahrten ideal für Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben ist. Mehr als 80 batteriebetriebene Autos stehen gewerblichen Flotten für Kurierfahrten, Warenlieferungen oder Einsätze von Servicemitarbeitern zur Verfügung. Die Fahrzeuge tanken Strom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Die Stadt hat 50 öffentliche Ladesäulen aufgebaut, sodass man nicht nur auf den Betriebshöfen tanken kann. Derzeit produzieren 57 Windrotoren in Hamburg rund 54 Gigawattstunden Strom.

Nachhaltiger Umgang mit Flächenressourcen

Auch der nachhaltige Umgang mit Flächenressourcen steht im Mittelpunkt des Engagements. So werden die Böden ehemals kontaminierter Standorte wie des alten Gaswerks ausgetauscht, oberirdisches Parken soll sehr stark eingeschränkt werden. Hamburg will Stadt der kurzen Wege werden und die neue Hafen City optimal an das öffentliche Verkehrsnetz anbinden. Jährlich fließen rund 25 Millionen Euro aus einem Förderfonds in das 2007 vom Senat verabschiedete Klimaschutzkonzept. Das Projekt umfasst Handlungsfelder in den Bereichen Forschung, Energie, Gebäude und Mobilität.

Hamburg besitzt den drittgrößten Hafen Europas

Die Hansestadt steht als wichtiger Industriestandort vor großen Herausforderungen im Umweltschutz. Sie besitzt die größte Kupferhütte und den drittgrößten Hafen Europas. 60.000 Wirtschaftsunternehmen aller Größen und Branchen sind hier angesiedelt, die aufgerufen sind, starke Partnerschaften zu bilden, um erfolgreich nachhaltig zu handeln. Mit der Umwelt-Partnerschaft besteht ein Netzwerk, das seit 2003 existiert und das Dach für alle Aktivitäten der Hamburger Unternehmen im Klima- und Umweltschutz bildet. Zur gemeinsamen Initiative der Wirtschaft und des Hamburger Senats zählen rund 700 umweltengagierte Betriebe. Die Handelskammer Hamburg will diese Zahl bis Ende 2013 auf 1.000 erhöhen.

Bisher wurden 100.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart

Bisher haben die beteiligten Umwelt-Partner nach Angaben der Handelskammer bereits mehr als 100.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart und damit die Betriebskosten um rund 16 Millionen Euro gesenkt. Michael Garbe, Geschäftsführer von Garbe Transport mit Sitz in Hamburg, begründet, warum er Umwelt-Partner geworden ist: "Ich selber lebe in dieser Welt, wie auch meine Familie und meine Mitarbeiter. Da mein Sohn erst fünf Jahre alt ist, möchte ich ihm auch ein Leben in einer angenehmen Umwelt ermöglichen." Die Stadt würdigte mit der Zulassung als Umwelt-Partner die Umweltleistungen des Unternehmens.

Garbe hat beim Bau seiner neuen Logistikanlage eine Solaranlage für Warmwasser sowie Fotovoltaik zur Stromgewinnung, die den eigenen Bedarf deckt, installiert. Der Bau ist gut isoliert, im Sommer bleibt es kühl, die Heizleistung im Winter ist gering. Ein modernes Tageslichtkonzept ermöglicht den Mitarbeitern im Lagerbereich, fast den ganzen Tag ohne elektrisches Licht zu arbeiten. Die Flotte des Logistikers, die aus mehr als 100 Fernverkehrs-Lkw besteht, fährt bereits seit Jahren mit der Euro-5-Abgasnorm. Eine neue Lagerhalle, die zurzeit entsteht, erhält zwei Blockheizkraftwerke.

Im Juni 2012 startet ein Umweltwirtschaftsgipfel

Im Juni startete die Umwelt-Partnerschaft einen Umweltwirtschaftsgipfel, der den Partnern eine zusätzliche Möglichkeit bot, sich zu beteiligen. Damit wollen die Initiatoren die Wirkung des Netzwerkes noch verstärken und die Partner zu weiterem freiwilligen Engagement motivieren. Sie ermöglichen ihnen, das Projekt-Partnerlogo der Umwelthauptstadt in Verbindung mit dem Umwelt-Partnerschaftslogo zu verwenden und damit zu werben. Weiterhin können die Hamburger Betriebe bei Ökoprofit, einem Projekt der Umwelt-Partnerschaft, mitmachen. Dabei werden im Laufe eines einjährigen Kurses Maßnahmen wie neue, energiesparende Beleuchtung, Regenwassernutzung zum Waschen des Fuhrparks oder der Einbau moderner Heizsysteme umgesetzt sowie gleichzeitig dauerhafte Umweltmanagementstrukturen bei den Unternehmen eingeführt.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und das Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) stehen bei allen umweltrelevanten Fragen zur Seite und veranstalten regelmäßig Workshops mit Schwerpunktthemen zur Umwelt. "In der Regel nehmen 15 Firmen teil und analysieren innerbetriebliche, ökologische Maßnahmen wie Lichtkonzepte oder Stromverbräuche, die teilweise sogar von der BSU gefördert werden", erläutert Bianca Sander, Geschäftsführerin der drei Unternehmen Sander Transporte, Masa Natursteine und Port Energy Logistic, die mit dem 14. Ökoprofit-Einsteigerprogramm ausgezeichnet wurden.

Zertifizierung nach dem Ökoprofit-Projekt

Die Zertifizierung erfolgt durch ein Gremium der BSU, der Behörde für Wirtschaft und Verkehr sowie der Industrie- und Handelskammer. "In einem mehrstündigen Gespräch und einer Betriebsbegehung werden Prüfungsfragen abgearbeitet", sagt Sander. Anschließend berät der Prüfungsausschuss, ob die Firma das Zertifikat erhält. Sander hat sich, sofort als sie vom Projekt Ökoprofit gehört hatte, entschieden, mit ihren Unternehmen teilzunehmen. "Es wird viel über Umweltschutz geredet, doch leider nur wenig praktiziert", bedauert sie. Um einen Betrag zu leisten, hat sie vor einigen Jahren das Unternehmen Port Energy Logistic gegründet. Dabei geht es um die Reduzierung von Emissionen schwerölbetriebener Schiffe, wenn sie im Hafen liegen.

Musste bis dahin die Energiezufuhr von Seeschiffen mit Landkabeln gesichert werden, erledigt das heute eine sogenannte Port Power Barge mit entsprechender Leistung. Sie ist 70 Meter lang und besitzt fünf Generatoren, die jeweils 2.000 Kilowatt produzieren. Die mit Gas angetriebenen Motoren schalten sich je nach Bedarf automatisch zu oder ab. Aus der Abgasenergie der Motoren wird Wasserstoff produziert, der wiederum für den Antrieb der Motoren verwendet wird. Die Barge übernimmt weiterhin Ballastwasser, desinfiziert dieses und liefert es mit Zertifikat wieder zurück. Das Schiff nimmt Abfälle auf und führt sie der gesetzlichen Entsorgung zu.

Logistik-Initiative Hamburg informiert

Auch die Logistik-Initiative Hamburg engagiert sich mit einer Reihe von Veranstaltungen für den Umweltgedanken der Elbmetropole. So fand etwa im Rahmen der 3. Hamburger Klimawoche Ende September ein Infotag mit dem Titel Green Transportation Road auf dem Rathausmarkt statt. Diese öffentliche Ausstellung beschäftigte sich speziell mit Fahrzeugen, Konzepten und technischen Innovationen einer nachhaltigen Mobilität im Straßengüterverkehr und der letzten Meile. Unternehmen wie DHL oder Hermes präsentierten erdgasbetriebene Pkw, Elektroroller oder Mikro-Hybridfahrzeuge. Auch ein Lang-Lkw war dort zu sehen, um Interessierte über die Ziele des Konzepts aufzuklären. Experten diskutierten auf einem Podium über Vor- und Nachteile dieser Fahrzeugkombination. Weiterhin wurden Besucher über das "Innovative Verkehrsmanagement im Hamburger Hafen" informiert.

Hamburg ist die Logistik-Drehscheibe Nordeuropas. Die Transportaufkommen steigen stetig und die Frage, wie sie sich umweltbewusster gestalten lassen, steht in der Umwelthauptstadt 2011 ganz oben auf der Agenda. Behörden, Verbände, Unternehmen und Hochschulen arbeiten daher gemeinsam an den hochgesteckten Umweltzielen der Stadt. Auch über das Jahr 2011 hinaus.

Das Cluster

Die Stadt Hamburg hat gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft das Cluster "Erneuerbare Energien Hamburg" (EEHH) gegründet. Ziel ist es, nationale und internationale Wettbewerbsposition des Wirtschaftsstandortes Hamburg in dieser wachsenden Branche zu stärken und die Elbmetropole zu einem führenden Standort für erneuerbare Energien auszubauen. Inzwischen vernetzen sich im Cluster rund 140 Unternehmen aus den Bereichen Wind, Solar und Biomasse. Weitere Infos unter www.erneuerbare-energien-hamburg.de.

Aus der Praxis

Die Logistik-Initiative Hamburg hat vergangenes Jahr einen "Leifaden Nachhaltigkeit in der Logistik" herausgegeben. Darin finden sich zahlreiche Tipps und Praxis-Beispiele von Unternehmen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. 2011 folgte im Frühjahr der Leitfaden "Nachhaltige Logistik in der Metropolregion Hamburg", der an Unternehmensbeispielen verdeutlicht, wie Hamburger Firmen mit Grüner Logistik umgehen und so helfen, die Stadt in eine grüne Logistikhauptstadt zu verwandeln. Die Logistik-Initiative verleiht zudem den »Hanse Globe - Hamburgs Preis für nachhaltige Logistik« und engagiert sich in dem von ihr gegründeten »Arbeitskreis Nachhaltigkeit in der Logistik« mit ehrenamtlichen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, um den Umweltgedanken weiter voranzutreiben.

Foto

BSU Hamburg

Datum

8. November 2011
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