Stellplatznot an deutschen Autobahnen

Stellplatznot an deutschen Autobahnen
Mautrabatt für private Lkw-Stellplätze?

Bosch Road Services will private Parkflächen besser nutzen und schlägt einen Mautrabatt für private Lkw-Stellplätze vor. Das Bundesverkehrsministerium zeigt sich offen für den Vorschlag.

Mautrabatt für private Lkw-Stellplätze?
Foto: Bosch

Auf dem Mobilitäts- und Logistik-Gipfel der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Niedersachsen diskutierten Politik und Wirtschaft über Lösungen für die Stellplatznot auf deutschen Autobahnen. Mit dabei: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, die Parlamentarische Staatssekretärin Gitta Connemann sowie Dr. Jan-Philipp Weers, Leiter der digitalen Plattform Bosch Road Services.

Rund 19.630 Lkw-Stellplätze fehlen

Aktuellen Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zufolge fehlen bundesweit rund 19.630 Lkw-Stellplätze. Um die Lösung dieses Problems ging es bei der Podiumsdiskussion „Mobilität und Logistik – Herausforderungen und Lösungsansätze“ in der Truck Lounge des Ecopark Emstek (Niedersachsen).

Bosch Road Services bietet nach eigenen Angaben mit seinem Geschäftsmodell eine Lösung. Die Plattform zeigt vorhandene, ungenutzte private Stellplatzkapazitäten in Autobahnnähe auf und bietet die Möglichkeit zur Reservierung.

Nutzungsabhängige Maut als Lösungsansatz

Bei der Diskussion brachte Weers den Vorschlag für eine nutzungsbezogene Maut ein: „Wir werden die Stellplatzlücke nicht durch Neubau der öffentlichen Hand schließen können. Eine nutzungsbezogene Maut schafft den notwendigen wirtschaftlichen Anreiz für private Investoren neue Flächen zu schaffen und Speditionen haben keinen Grund mehr, vermeintlich kostenlose öffentliche Parkflächen privaten Parkplätzen vorzuziehen. Die Privatwirtschaft baut schneller und kostengünstiger.“

Das Konzept sieht laut Bosch Road Services vor, dass Speditionen, die für ihre Lkw private und sichere Stellplätze buchen, einen Mautrabatt erhalten. Dadurch würde die aktuelle Doppelbelastung entfallen, bei der Transportunternehmen über die Maut staatliche Infrastruktur finanzieren, gleichzeitig aber für private Stellplätze extra zahlen müssen.

Bilger zeigt sich offen für neue Ideen

Die politischen Vertreter zeigten sich offen. Laut Bilger stehen dem Verkehrsministerium derzeit historische Investitionsmittel für Infrastrukturprojekte zur Verfügung. Innovative Ideen aus der Praxis seien daher ausdrücklich erwünscht. Die Umstellung von einer strecken- zu einer nutzungsabhängigen Maut wurde für interessant befunden. Der akute Stellplatzmangel lasse sich nur durch ein intelligentes Zusammenspiel aus privatem Engagement, staatlicher Förderung und digitalen Lösungen entschärfen.