Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne ist tot

Kühne+Nagel trauert um Logistik-Unternehmer
Klaus-Michael Kühne mit 89 Jahren gestorben

Klaus-Michael Kühne ist mit 89 Jahren gestorben. Sein Lebenswerk reicht weit über Kühne+Nagel hinaus. Ein Rückblick auf einen Unternehmer, der die moderne Logistik entscheidend mitgeprägt hat.

Klaus-Michael Kühne, langjähriger Unternehmer und Ehrenpräsident des Verwaltungsrats von Kühne+Nagel.
Foto: Kühne+Nagel

Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Aus dem Familienunternehmen Kühne+Nagel formte er einen der größten Logistikkonzerne der Welt. Doch sein Einfluss reichte weit darüber hinaus – von Hapag-Lloyd über Lufthansa bis zum HSV. Vor allem aber hat Kühne eine Branche geprägt, lange bevor Logistik zum strategischen Faktor der Weltwirtschaft wurde.

Klaus-Michael Kühne starb am Montag

Kaum ein Name ist so eng mit der Entwicklung der modernen Logistik verbunden wie seiner: Klaus-Michael Kühne ist tot. Der Unternehmer starb in der Nacht zum Montag, 24. August 2026, im Alter von 89 Jahren in seinem Schweizer Wohnort Schindellegi. Das bestätigte Kühne+Nagel am Montag. Kühne hinterlässt seine Ehefrau Christine. Damit verliert die Transport- und Logistikbranche einen Unternehmer, der über Jahrzehnte nicht nur einen der größten Logistikdienstleister der Welt aufgebaut, sondern die Internationalisierung der Branche selbst mitgestaltet hat. Als Kühne 1958 in das Familienunternehmen eintrat, war Kühne+Nagel davon noch weit entfernt.

Vom Familienunternehmen zum globalen Logistikkonzern

Gerade einmal 21 Jahre alt war Klaus-Michael Kühne, als er nach einer kaufmännischen Ausbildung bei Kühne+Nagel begann. Das Unternehmen war 1890 von seinem Großvater August Kühne und Friedrich Nagel in Bremen gegründet worden. Schon acht Jahre nach seinem Eintritt übernahm der Enkel große Verantwortung: 1966 wurde Klaus-Michael Kühne Vorstandsvorsitzender der Kühne+Nagel Speditions-AG. Ab 1975 fungierte er als CEO der Kühne+Nagel International AG. Von 1992 bis 2011 führte er den Verwaltungsrat, anschließend wurde er dessen Ehrenpräsident. In diese Jahrzehnte fiel eine fundamentale Veränderung des Güterverkehrs. Containerisierung, Globalisierung und immer stärker international verzahnte Lieferketten machten aus klassischer Spedition ein global organisiertes Logistikgeschäft. Kühne erkannte diese Entwicklung früh – und trieb die Internationalisierung des Unternehmens voran. Heute beschäftigt Kühne+Nagel nach Unternehmensangaben rund 88.000 Menschen an mehr als 1.300 Standorten in fast 100 Ländern. Der Konzern gehört zu den weltweit führenden Anbietern in der See- und Luftfracht und verfügt darüber hinaus über starke Positionen im Landverkehr und in der Kontraktlogistik.

Kühne blieb Unternehmer – auch ohne Vorstandsposten

Bemerkenswert an Klaus-Michael Kühne war allerdings, dass sein unternehmerischer Einfluss keineswegs mit dem Rückzug aus dem operativen Geschäft endete. Über seine Kühne Holding baute er ein Beteiligungsportfolio auf, das weit über Kühne+Nagel hinausreichte. Besonders eng blieb dabei die Verbindung zur Logistik. Kühne hielt zuletzt 53 Prozent an Kühne+Nagel und 30 Prozent an der Containerreederei Hapag-Lloyd. Bei Hapag-Lloyd war sein Engagement auch eng mit seiner Heimatstadt Hamburg verbunden. Damit war Kühne gleichzeitig maßgeblich an zwei Unternehmen beteiligt, die an unterschiedlichen Stellen globaler Lieferketten agieren: dem Logistikdienstleister Kühne+Nagel und einer der weltweit bedeutenden Linienreedereien.

Auch bei Lufthansa wurde Kühne zum Großaktionär

Doch selbst dabei blieb es nicht. Seit 2022 baute Kühne über seine Holding eine Beteiligung an der Lufthansa auf. Im Mai 2026 überschritt diese die Marke von 20 Prozent. Damit war Kühne größter Einzelaktionär des Luftfahrtkonzerns. Aus dem Spediteur war damit längst ein international agierender Investor geworden, dessen Beteiligungen große Teile der Transportwelt abdeckten – von See- und Luftverkehr bis zur globalen Logistik. Sein Vermögen wurde zuletzt auf mehrere Dutzend Milliarden Euro geschätzt. Das Nachrichtenmagazin Focus beziffert es auf rund 36 Milliarden Euro und ordnet Kühne damit zuletzt als zweitreichsten Deutschen ein. Solche Schätzungen schwanken allerdings mit den Börsenkursen seiner Beteiligungen erheblich.

Seine Leidenschaft für Hamburg war nicht immer geräuschlos

Trotz seines jahrzehntelangen Wohnsitzes in der Schweiz blieb Kühne seiner Geburtsstadt Hamburg eng verbunden. Am sichtbarsten – und nicht immer konfliktfrei – wurde das beim Hamburger SV. Seit 2010 unterstützte Kühne den Fußballverein mit erheblichen Summen. Dabei mischte er sich immer wieder öffentlich in sportliche Entscheidungen ein und sorgte mit seinen Aussagen regelmäßig für Diskussionen. Später ermöglichte er unter anderem die Rückkehr des Stadionnamens Volksparkstadion. Es war eine Seite Kühnes, die gut zu seiner Persönlichkeit passte: Er beschränkte sich ungern auf die Rolle des stillen Geldgebers. Seine Verbundenheit mit Hamburg zeigte sich aber noch an ganz anderer Stelle. Kühne engagierte sich für Kultur, Wissenschaft und Medizin, unterstützte unter anderem die Elbphilharmonie und ließ das Hotel The Fontenay an der Außenalster errichten. Zuletzt stand vor allem sein Engagement für den geplanten Neubau der Hamburger Staatsoper in der HafenCity im Mittelpunkt.

Kühne investierte auch in die Wissenschaft der Logistik

Für die Logistikbranche besonders nachhaltig dürfte jedoch sein Engagement in Forschung und Ausbildung sein. Bereits 1976 gründete Kühne gemeinsam mit seinen Eltern die Kühne-Stiftung. Zu ihren Schwerpunkten gehören Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Logistik sowie medizinische Projekte. 2008 folgte eine weitere Stiftung zur Förderung von Kultur. Eng verbunden mit seinem Namen ist zudem die Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg. Damit investierte Kühne nicht nur in Unternehmen, die Logistik betreiben, sondern auch in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Lieferketten und die Ausbildung künftiger Führungskräfte. Gerade darin zeigt sich, wie Kühne die Branche verstand: Logistik war für ihn nicht bloß der Transport einer Ware von A nach B, sondern ein eigenständiger Wirtschaftsfaktor.

Kühne+Nagel: „Ein Visionär und großer Unternehmer“

Entsprechend würdigt Kühne+Nagel seinen langjährigen Unternehmenslenker. „Mit dem Tod von Klaus-Michael ist ein Visionär, ein großer Unternehmer und eine eindrucksvolle Persönlichkeit von uns gegangen“, erklärt Jörg Wolle, Präsident des Verwaltungsrats. Das Unternehmen werde Kühne „ein hochehrendes Andenken bewahren“. Und CEO Stefan Paul bezeichnet Kühne als einen Menschen, der „wie kein anderer für Logistik und den globalen Handel“ gestanden habe. Das ist naturgemäß die Würdigung des eigenen Unternehmens. Ein Blick auf Kühnes Lebenswerk zeigt allerdings, warum diese Formulierung nicht überhöht wirkt.

Ein Leben entlang globaler Warenströme

Als Klaus-Michael Kühne 1958 in das Familienunternehmen eintrat, war der standardisierte Seecontainer noch eine junge Idee. Globale Lieferketten in ihrer heutigen Form existierten nicht. Fast sieben Jahrzehnte später hinterlässt er einen Konzern, der Warenströme auf nahezu allen Kontinenten organisiert, sowie Beteiligungen an einer der größten Containerreedereien der Welt und einem der wichtigsten europäischen Luftfahrtkonzerne. Für die Logistik endet mit seinem Tod deshalb tatsächlich eine Ära. Denn Kühne hat nicht einfach nur vom Wachstum des Welthandels profitiert. Er gehörte zu jener Unternehmergeneration, die aus der klassischen Spedition die international vernetzte Logistikindustrie von heute gemacht hat.

In Kürze: die Key Facts

  • Klaus-Michael Kühne: 1937–2026, Logistikunternehmer und Investor
  • Gestorben: 24. August 2026 im Alter von 89 Jahren in Schindellegi
  • Kühne+Nagel: Eintritt 1958, Vorstandsvorsitzender ab 1966
  • CEO: ab 1975; Verwaltungsratspräsident von 1992 bis 2011
  • Lebenswerk: Ausbau von Kühne+Nagel zu einem global führenden Logistikkonzern
  • Weitere Beteiligungen: unter anderem Hapag-Lloyd und Lufthansa
  • Engagement: Logistikforschung, Medizin, Kultur und Hamburg
  • Familie: Kühne hinterlässt seine Ehefrau Christine