Zum Start der IAA Transportation 2026 haben die Lkw-Hersteller Daimler Truck, Volvo, Toyota und weitere Partner den Start eines Wasserstoff-Ökosystems für den Schwerlastverkehr in Deutschland bekannt gegeben. Das Ökosystem soll die Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz von Wasserstoff-Lkw in Deutschland bis 2030 schaffen – und als Vorbild für Europa dienen. Die Unternehmen fordern strategische Maßnahmen durch die nationalen Regierungen und die Europäische Kommission, um das Modell europaweit zu etablieren.
Bilger: hohe Resonanz auf Förderaufruf des BMV
Steffen Bilger, Bundesminister für Verkehr, begrüßt das Vorhaben. Noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier der IAA Transportation nahm er an der gemeinsamen Pressekonferenz teil. „Ein Wasserstoff-Fahrzeug allein reicht nicht aus. Wir brauchen Tankstellen und Wasserstoff in ausreichender Menge – und Unternehmen, die in Wasserstoff investieren“, sagte Bilger.

Foto, von links: Volker Ebeling ( Senior Vice President New Energy, Supply & Infrastructure MB Energy), Nicolas Garnier ( CEO Teal Mobility), Armelle Levieux (Group Vice President Innovation & Technology Air Liquide), Karin Rådström (President & CEO Daimler Truck), Steffen Bilger (Bundesminister für Verkehr), Hiroki Nakajima (Executive Vice President Toyota Motor Corporation), Martin Lundstedt (President & CEO Volvo Group), Markus Heyn (Deputy Chairman Robert Bosch sowie Chairman & CEO Bosch Mobility) und Antoine Tournand (Vice President Hydrogen & Gas Mobility TotalEnergies).
Die Resonanz auf den Förderaufruf des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) Anfang des Jahres war laut Bilger groß. Bis zum Ende der Antragsfrist am 30. Juni gingen 526 Förderanträge mit einem beantragten Fördervolumen von 455 Millionen Euro beim Projektträger ein – 71 Anträge für Tankstellen und 455 Anträge für Fahrzeuge und Fahrzeugflotten. 220 Millionen Euro stellt der Bund für die Wasserstoff-Förderung bereit.
„Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle für schwere Fahrzeuge und lange Strecken“, sagte Bilger. Unternehmen würden Stärke und Know-how für den Hochlauf mitbringen. Die Politik biete die Voraussetzung.
Drei Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffmobilität
Die acht Unternehmen, die den Hochlauf wasserstoffbetriebener Fahrzeuge in Europa beschleunigen wollen, sind: die Lkw-Hersteller Daimler Truck, Volvo Group und die Toyota Motor Corporation. Der Automobilzulieferer Bosch sowie auf Energie- und Infrastrukturseite Air Liquide, TotalEnergies, MB Energy und Teal Mobility.
Die Unternehmen nennen drei Hebel, die die Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffmobilität erhöhen soll:
- Die Fahrzeugkosten durch Fördermaßnahmen und Serienproduktion senken.
- Wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise gegenüber Diesel durch eine wettbewerbsfähigere Wasserstoff-Lieferkette und Treibhausgasquoten erreichen.
- Anreize wie Mautbefreiungen für CO2-freie Fahrzeuge für Flottenbetreiber schaffen.
Wasserstoff als Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen
Zu den weiteren Maßnahmen zählen der Ausbau der Infrastruktur durch abgestimmte Förderprogramme für Tankstellen und Fahrzeuge sowie die Stärkung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Wasserstoff durch pragmatische und harmonisierte Anrechnungsmechanismen für erneuerbare Kraftstoffe.
Wasserstoff sei eine wichtige Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen, um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erreichen. Insbesondere bei Transporten, die große Reichweiten, hohe Nutzlasten, kurze Betankungszeiten und Flexibilität erfordern.
Daimler Truck setzt auf Flüssigwasserstoff
„Die Elektromobilität stößt an ihre Grenzen“, sagte Karin Rådström, President & CEO Daimler Truck, bei der Pressekonferenz. In Europa sind erst rund sechs Millionen Fahrzeuge emissionsfrei unterwegs. Daimler Truck setzt für die Transformation daher auf Elektromobilität und Wasserstoff. Kunden des deutschen Lkw-Herstellers haben mit Brennstoffzellen-Lkw bereits fast 600.000 Kilometer zurückgelegt. In einem nächsten Schritt soll ab Ende des Jahres eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw der nächsten Generation in den Kundeneinsatz kommen. Die ersten Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor kommen demnach 2027 auf den Markt.
Insgesamt investiert Daimler Truck nach eigenen Angaben bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag in Wasserstoff-Lkw. Die H2-Lkw werden bei Daimler Truck mit Flüssigwasserstoff betankt. Daimler Truck glaubt laut Rådström an Flüssigwasserstoff wegen der höheren Reichweiten. Im geplanten Ökosystem sind aber Lieferketten für flüssigen als auch für gasförmigen Wasserstoff vorgesehen.
Volvo will Wasserstoffportfolio bis 2030 ausbauen
Martin Lundstedt, President & CEO Volvo Group, betonte die Vorreiterrolle Deutschlands beim Thema Wasserstoff. „Deutschland zeigt den Weg, Europa sollte folgen“, sagte Lundstedt. Die Volvo Group treibt ihr Wasserstoffportfolio nach eigenen Angaben voran und investiert in Wasserstoffantriebe für die Markteinführung bis 2030 – darunter Brennstoffzellen-Lkw und Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor.
Toyota beteiligt sich als Technologiepartner ebenfalls am Ausbau der Wasserstoffmobilität. Die Partnerschaft der acht Unternehmen ist laut Hiroki Nakajima, Executive Vice President Toyota Motor Corporation, wichtig, damit Wasserstoff ein Erfolg wird. Im Rahmen der IAA Transportation gab Toyota die Zusammenarbeit mit dem Lkw-Hersteller Iveco im Rahmen des EU-Projekts „Empower“ bekannt. Toyota liefert demnach das Brennstoffzellensystem für die neue Generation von FCEV-Fahrzeugen des italienischen Herstellers.






