Förderprogramme sollen Wasserstoff voranbringen

Hubert Aiwanger zu Wasserstoff
Förderprogramme sollen Wasserstoff voranbringen

Der Bund und der Freistaat Bayern fördern Wasserstofftankstellen und Elektrolyseure. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zur regionalen Produktion von Wasserstoff und der Stimmung in Deutschland in Bezug auf die Wasserstoffmobilität.

Hydrogen renewable energy production - hydrogen gas for clean electricity solar and windturbine facility. print says "Wasserstoff", thats the german word for "Hydrogen". 3d rendering.
Foto: Adobe Stock - AA+W
Eurotransport.de: Mitte Mai wurde in Schweinfurt eine Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Ein Elektrolyseur soll folgen. Was macht das Projekt für eine Förderung attraktiv?

Hubert Aiwanger: Ein guter Standort, eine regionale H2-Wertschöpfungskette und erfahrene Projektpartner. Der Standort der Tankstelle ist durch die Nähe zum Hafen Schweinfurt und die Nähe zur A70 und A71 geprägt und sowohl für regionale Pilotprojekte als auch überregionale Anwendungsfälle geeignet. Außerdem befinden sich potenzielle regionale Abnehmer in unmittelbarer Nähe. Die Kombination aus Wasserstofferzeugung, Vertankung und Anwendung deckt künftig die komplette H2-Wertschöpfungskette im Mobilitätsbereich ab. Bis zur Inbetriebnahme des Elektrolyseurs kann der grüne Wasserstoff von externen Lieferanten bezogen werden. Eine Versorgung mit 100 Prozent erneuerbarem Wasserstoff ist damit gesichert. Das Projekt soll die Basis für die Realisierung einer lokalen Wasserstoffregion in Schweinfurt bilden. Die Errichtung der öffentlichen H2-Tankstelle soll regionale Betriebe animieren, ihre Nutzfahrzeuge und Busse schrittweise auf emissionsfreie H2-Mobilität umzustellen, aber auch durch die unmittelbare Nähe zur A70 und A71 Unternehmen in ganz Bayern ansprechen. Mit der Tyczka Hydrogen wissen wir die Projektplanung in guten Händen.

Warum ist der Bau von Elektrolyseuren in Deutschland wichtig? Es gibt ja auch die Möglichkeit des Imports von erneuerbarem Wasserstoff.

Das stimmt. Unser Ziel ist beides zu machen. Wir werden Wasserstoff künftig auch importieren müssen – zum Beispiel aus Nordafrika und Osteuropa. Daneben ist es unerlässlich, eine bedarfsgerechte und verbrauchsnahe Wasserstoffproduktion vor Ort aufzubauen, vor allem so lange eine angemessene Anbindung über Pipelines fehlt. Aber auch grundsätzlich, um Lieferquellen zu diversifizieren. Wenn Strom im Überfluss da ist, müssen wir ihn nutzen, um Wasserstoff hierzulande herzustellen. Jede Tonne, die wir in Bayern produzieren, macht uns weniger abhängig von Importen. Außerdem wollen wir H2-Technologien im regionalen Maßstab rasch in die Praxis bringen.

Wie viele Tankstellen und Elektrolyseure fördert das Staatsministerium aktuell?

Im Bayerischen Förderprogramm zum Aufbau einer Wasserstofftankstellen-Infrastruktur BayH2T beträgt die aktuelle Anzahl der geförderten Tankstellen 29, inklusive Schweinfurt sind neun in Betrieb. Der Fokus liegt aktuell auf der Umsetzung der geförderten Projekte. Über das Bayerische Förderprogramm zum Aufbau einer Elektrolyseur-Infrastruktur BayFELI wurden bisher 24 Zuwendungsbescheide ausgestellt, erste Inbetriebnahmen sind für 2026 und 2027 vorgesehen.

Wie ist Ihrer Meinung nach aktuell die Stimmungslage in Deutschland in Bezug auf die Wasserstoffmobilität?

Die Herausforderungen sind groß. Infrastruktur und Fahrzeuge müssen parallel aufgebaut werden, damit ein Markt entstehen kann. Gerade bei diesem Henne-Ei-Problem sehen wir aktuell aber einige positive Entwicklungen, so dass wir uns durchaus eine Aufbruchstimmung erwarten. Hier ist zum einen sehr erfreulich, dass der Bund im Rahmen seiner aktuellen Paketförderung für H2-Nutzfahrzeuge und H2-Tankstellen die Wasserstoffmobilität wieder fördert. 220 Millionen Euro Bundesförderung stehen zur Verfügung, die Antragsfrist endet am 30. Juni 2026. Im Anschluss steht das neue Bayerische Förderprogramm für den Erwerb von Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb in den Startlöchern, für das wir 35 Millionen Euro an bayerischen Haushaltsmitteln in die Hand nehmen. Dieses H2-Nutzfahrzeugförderprogramm ergänzt unsere anderen Förderprogramme für Wasserstofftankstellen und Elektrolyseure, sodass wir in Bayern nun auf eine umfassende Förderlandschaft blicken können. Der erste Förderaufruf wird voraussichtlich im Juli im Nachgang zum laufenden Bundesaufruf veröffentlicht.

Was macht Wasserstoff für Unternehmen attraktiv?

Die Förderkulisse von Bund und Bayern war noch nie so stark wie heute. Durch die Gesetzesänderung zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote ist zudem zu erwarten, dass der Wasserstoffpreis an der Zapfsäule sinkt. Vor diesem Hintergrund möchten wir Unternehmen ermutigen, das aktuell günstige Zeitfenster zu nutzen, um in die Wasserstoffmobilität einzusteigen. Übrigens sind wir nicht allein: China setzt bereits stark auf Wasserstoff und prescht vor. Wir müssen dieses Momentum jetzt nutzen, damit wir nicht den Anschluss verlieren.