Als „langfristige Investition in die Zukunft“ beschreibt Ferdinand Kloiber, geschäftsführender Gesellschafter bei Kloiber Containerlogistik, das Engagement des Unternehmens in die Elektromobilität. Mitte Mai hat der Logistikdienstleister an seinem Stammsitz in Petershausen bei München einen Ladepark eröffnet. An fünf Ladesäulen können bis zu zehn Elektro-Lkw gleichzeitig laden. Hinzu kommen eine Trafostation und ein Mittelspannungsnetz, ein Batteriespeicher ist geplant. Eine Photovoltaikanlage versorgt den Standort mit Strom. „Wir haben das alles selbst in die Hand genommen. Hätten wir das nicht getan, wären wir noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir jetzt sind“, sagt Kloiber im Gespräch mit trans aktuell.
Pfarrer segnet Ladepark und Elektro-Lkw
An der feierlichen Eröffnung nahmen Vertreter der kommunalen Politik und des Lkw-Herstellers MAN Truck & Bus teil. Pfarrer Peter Dietz segnete zu diesem Anlass den Ladepark und die 15 neuen Elektro-Lkw von MAN. Die Planungen für den Ladepark begannen im Frühjahr 2025. Bayern Innovativ, die Innovationsplattform des Freistaats Bayern, hat das Projekt gefördert. Kloiber investierte rund vier Millionen Euro selbst. Externe E-Lkw können dort aufgrund der Förderrichtlinie nicht laden. Möglich ist das aber an zwei öffentlichen Ladeplätzen am Unternehmenssitz, an denen auch Pkw Strom tanken.
Weitere Ladeparks in München-Riem und Augsburg geplant
Für den Standort München-Riem plant Kloiber einen Ladepark mit derselben Kapazität. Dort befindet sich eines der beiden Containerdepots des Logistikdienstleisters. Der Vor- und Nachlauf im Kombinierten Verkehr (KV) eigne sich besonders für den Einsatz von E-Lkw. „In München gibt es allerdings ein großes Defizit, was Stromnetze betrifft. Es ist zu wenig Leistungskapazität vorhanden“, sagt Kloiber. Darum könnten vermutlich erst Anfang 2027 etwa 15 bis 20 Stromer dort laden. Kloiber hat den Eindruck, dass die Netzversorger mit den Plänen der Industrie und des Mobilitätssegments überfordert sind.

„Die Frage lautet daher: Wie schnell kommt der Stromer? Und nicht: Kommt er oder kommt er nicht?“, sagt Ferdinand Kloiber, geschäftsführender Gesellschafter bei Kloiber Containerlogistik.
Im Güterverkehrszentrum (GVZ) Region Augsburg, wo sich das zweite Containerdepot befindet, soll 2027 ein öffentlicher Ladepark mit der Möglichkeit des Megawatt Chargings eröffnen. An der Tankstelle im GVZ – Kloiber betreibt in Augsburg, München-Riem und Petershausen eigene Tankstellen – können Fahrzeuge bereits Bio-LNG, Wasserstoff, Diesel, Autogas und an einer Ladesäule Strom tanken. „Vor Jahren haben wir in Augsburg schon vier Ladebuchten für Megacharger vorgesehen“, so Kloiber. Nun will er sein Vorhaben in die Tat umsetzen.
15 E-Lkw von MAN und drei des Herstellers Volvo Trucks
Der Startschuss für die Stromplanung fiel 2024. Im selben Jahr schaffte sich Kloiber den ersten E-Lkw an. Mittlerweile befinden sich im Fuhrpark 15 batterieelektrische Lkw von MAN und drei des schwedischen Herstellers Volvo Trucks. Die Volvo-Fahrzeuge transportieren Container. Die MAN eTGX pendeln seit Januar zwischen Nürnberg und München – unter anderem transportieren sie Batteriepacks für die Produktion der MAN eTrucks in München. Ein Rundlauf Petershausen–Nürnberg–München–Petershausen beträgt 328 Kilometer.
Die Fahrzeuge laden in Petershausen, München oder Nürnberg, bei Bedarf auch unterwegs. „Fremdladen ist zu teuer und schlecht planbar“, sagt Kloiber. Fahrer Georg Stanek berichtet Positives über seine Touren mit dem MAN eTGX. Seit Anfang Mai übernimmt er den neuen Rundlauf München–Pilsen (Tschechien) für MAN.
30 Prozent Elektroquote bis 2030
Kloiber plant die Anschaffung weiterer E-Lkw – perspektivisch mit 600 Kilometern Reichweite, das würde die Anzahl der Ladestopps verringern. Bis 2030 soll der Fuhrpark zu 30 Prozent aus E-Lkw bestehen. „Da sind aber noch viele Fragezeichen dabei.“
Die Elektro-Fahrzeuge sind nicht im freien Fernverkehr unterwegs, da hätten Diesel-Lkw noch die Nase vorn. „Die aktuellen Dieselpreise machen für Stromer die Marktdurchdringung leichter“, sagt Kloiber. Momentan seien Elektro-Fahrzeuge daher je nach Einsatz und Mautersparnis wirtschaftlicher als Diesel, was die langfristige Entwicklung vorwegnehme. „Die Frage lautet daher: Wie schnell kommt der Stromer? Und nicht: Kommt er oder kommt er nicht?“, so der Geschäftsführer.
Mix aus Stromern, Wasserstoff-, Bio-LNG-Fahrzeugen und HVO 100
Für die Zukunft kann er sich einen Mix aus Stromern, Wasserstoff-, Bio-LNG-Fahrzeugen und HVO 100 vorstellen. „BEV sind nicht für alles geeignet“, sagt Kloiber. Bei Bio-LNG handle es sich momentan um die günstigste Antriebsvariante, im Fuhrpark befinden sich acht Bio-LNG-Lkw von Iveco. HVO 100 will Kloiber künftig ebenfalls an seinen Tankstellen anbieten und die eigenen Fahrzeugen damit betanken.
Von Wasserstoff-Lkw hält er ebenfalls viel: „Wasserstoff hat überall dort seinen Platz, wo keine Ladeinfrastruktur vorhanden ist und im freien Fernverkehr.“ Kloiber Containerlogistik hat bereits Wasserstoff-Lkw von MAN und Iveco getestet, in den nächsten Wochen folgt der Refire auf der Basis eines Ford Truck. Das Unternehmen werde das Thema Wasserstoff begleiten und an Förderaufrufen teilnehmen. Allerdings müssten mehr Fahrzeuge zur Verfügung stehen und vor allem günstiger sein.
Bislang rund acht Millionen Euro investiert
In die Elektromobilität hat Kloiber bislang insgesamt rund acht Millionen Euro investiert. Und das, obwohl die wirtschaftliche Lage aktuell mäßig ist. Auch für den weiteren Jahresverlauf sieht er keinen Aufwärtstrend. „Was die BEV-Produktion von Lkw und Pkw angeht, könnte es einen Aufschwung für die deutschen Hersteller geben“, sagt Kloiber. Weitere Schritte hin zum emissionsfreien Fuhrpark folgen.
Das Unternehmen
- Der Hauptsitz von Kloiber Containerlogistik befindet sich in Petershausen (Bayern). Zwei weitere Standorte in München-Riem und in Augsburg mit jeweils 50.000 Quadratmetern Logistikfläche. Tankstellen und Lkw-Waschanlagen befinden sich an allen Standorten.
- Geschäftsführender Gesellschafter: Ferdinand Kloiber.
- 140 Zugmaschinen und 300 Containerchassis, davon 18 Elektro-Lkw und acht Bio-LNG-Lkw.
- 185 Mitarbeitende.
- 1934 gegründet, um Langholz für regionale Sägewerke zu transportieren.
- 1964 wechselt das Geschäftsfeld von Holz- zu Mineralöltransporten.
- 1985 steigt mit Ferdinand Kloiber die dritte Generation ins Familienunternehmen ein. Er entwickelt die Geschäftsfelder Kombinierter Verkehr, Containerlogistik und Automotive.






