Allianz fordert Wasserstraßen-Ausbau: Binnenschifffahrt braucht Modernisierung

Allianz fordert Wasserstraßen-Ausbau
Binnenschifffahrt braucht Modernisierung

Mit der „Agenda Wasserstraße 2035“ fordert die neu gegründete Allianz Wasserstraße eine schnellere Modernisierung von Schleusen, Wehren und Flotte. Fünf Prinzipien sollen den Ausbau beschleunigen.

Regina Weinrich

Führende Unternehmen der Binnenschifffahrtsbranche haben sich zur Allianz Wasserstraße formiert, um die Zukunft der Wasserstraßen in Deutschland zu sichern.

Binnenschifffahrt transportiert 171 Millionen Tonnen

Die Binnenschifffahrt verbinde die deutschen Seehäfen mit wichtigen Industriezentren an Rhein, Ruhr, Main, Neckar und Mosel. Im Jahr 2025 transportierte sie nach Angaben der Allianz Wasserstraße mehr als 171 Millionen Tonnen Güter. Dazu zählen Erz und Kohle für die Stahlindustrie, Mineralöl für Raffinerien, Rohstoffe für die Chemiebranche sowie Baustoffe und Agrargüter.

Nach Einschätzung der Allianz können weder die Bahn noch die Straße diese Transportmengen vollständig übernehmen. Auch für den Tourismus ist die Wasserstraßeninfrastruktur von Bedeutung.

Die Allianz Wasserstraße, zu deren Gründungsmitgliedern unter anderem die HGK, duisport, Rhenus Port Logistics und Viking River Cruises gehören, will deshalb den Ausbau der Wasserwege und die Erneuerung der Binnenschiffsflotte vorantreiben.

Allianz fordert mehr Investitionen in Wasserstraßen

Die Unternehmen kritisieren dabei den Zustand der Infrastruktur. Viele Schleusen und Wehre seien so marode, dass sie den Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigten.

Für 2027 sind laut Allianz mehr als zwei Milliarden Euro für Unterhalt und Ausbau der Wasserstraßen vorgesehen. Dieses Budget müsse der Bundestag beschließen und anschließend zügig in konkrete Maßnahmen umsetzen, fordert etwa Markus Bangen, CEO von duisport.

„Deutschland kann sich beim Ausbau seiner Wasserstraßen keinen weiteren Stillstand leisten“, sagt auch Michael de Reese, CEO von Rhenus Port Logistik.

Fünf Prinzipien für den Wasserstraßenausbau

Mit ihrer „Agenda Wasserstraße 2035“ schlägt die Allianz fünf Prinzipien vor, um Investitionen effizienter einzusetzen und die Modernisierung zu beschleunigen.

1. Wasserstraßen in Clustern planen:Häfen, Schleusen und Wehre sollen künftig in zusammenhängenden Clustern geplant und instand gesetzt werden. Gemeinsam mit dem Bund und der Wissenschaft will die Allianz einen Vorschlag für eine entsprechende Gliederung der Wasserwege erarbeiten.

2. Budgets flexibler einsetzen: Haushaltsmittel sollen nicht mehr ausschließlich einzelnen Projekten, sondern ganzen Clustern zugewiesen werden. Verzögert sich beispielsweise der Neubau einer Schleuse, könnten die Mittel in andere, sofort umsetzbare Vorhaben fließen. Dadurch soll die Modernisierung schneller vorankommen.

3. Investitionen auf wirtschaftlich wichtige Wasserwege konzentrieren: Mehr als 80 Prozent des Güterumschlags der Binnenhäfen entfallen laut der Allianz auf den Rhein und das westdeutsche Kanalnetz. Die Unternehmen fordern deshalb, Mittel aus dem Sondervermögen vorrangig dort einzusetzen.

4. Niedrigwasserflotte: Niedrigwasserphasen werden in Zukunft häufiger auftreten und länger anhalten, so die Unternehmen, zugleich steige die Hochwassergefahr im Winter. Die Allianz sieht für Deutschland daher den Bedarf von 250 bis 300 neuen Schiffen, die für Niedrigwasser ausgelegt und future-fuel-ready sind, und fordert ein „Flottenerneuerungsprogramm Binnenschifffahrt 2035“.

5. Verbindlicher Ausbauplan: Damit die neuen Finanzmittel rasch in Projekte umgesetzt werden können, fordert die Allianz den Bundestag auf, im Zuge der Haushaltsbeschlüsse im November einen konkreten Finanzierungs- und Realisierungsplan, wie es ihn auch für Bahn und Autobahn gibt, zu verabschieden.

Weitere Informationen auf allianz-wasserstrasse.de