Die Suche nach zusätzlichen Erträgen beschäftigte das trans aktuell-Symposium „Mehr drin fürs Ergebnis: Kosten sparen und Kunden überzeugen“ auf der Tire Cologne in Köln. „Die Transport- und Logistikbranche steht derzeit wieder vor erheblichen Herausforderungen“, sagte Ilona Jüngst, Chefredakteurin von trans aktuell, zur Eröffnung der Veranstaltung. Viele Unternehmen spürten die Folgen der schwachen Konjunktur, während gleichzeitig Personal-, Energie- und Technologiekosten stiegen. Die Referenten zeigten deshalb, wie sich mit besseren Daten, digitalen Werkzeugen und angepassten Arbeitsabläufen die Wirtschaftlichkeit verbessern lässt.
Politik erhöht den Druck auf die Branche
Christopher Köhne, Referent für Verkehrspolitik, Logistik und Mobilität bei der Industrie- und Handelskammer Köln, skizzierte die politischen Rahmenbedingungen für die Logistikbranche. Unternehmen müssten sich auf steigende Belastungen durch Maut und CO₂-Bepreisung einstellen. Gleichzeitig erschwerten Infrastrukturprobleme und Kapazitätsengpässe die Arbeit vieler Betriebe.
Reifen leisten mehr als viele vermuten
Frank Seeger, CEO und Co-Founder von CO2OPT, warb dafür, Reifen nicht allein über den Einkaufspreis zu bewerten. Mithilfe von Fahrzeug-, Telematik- und Reifendaten lasse sich erkennen, welche Produkte den Kraftstoffverbrauch senken und die Verfügbarkeit der Fahrzeuge verbessern. Nach seinen Angaben beeinflussen Reifen einen erheblichen Teil der Betriebskosten direkt oder indirekt. Neben dem Energieverbrauch verwies er auf Auswirkungen auf Pannenrisiken und Standzeiten.
Messerundgang ergänzt das Programm
In der Mittagspause besuchten die Teilnehmer mehrere Aussteller der Tire Cologne. Auf dem Programm standen Stationen bei Continental sowie Standbesuche bei Interpneu und Corghi. Zudem zeigte Stephan Berendsen, Gesellschafter von Bear-Machines, im Rahmen einer Praxisvorführung eine automatisierte Nachprofilierung für Nutzfahrzeugreifen. Die vorgestellte Lösung soll den Prozess vereinfachen und gleichzeitig eine gleichbleibende Qualität sicherstellen.
Pragmatischer Einstieg in KI
Am Nachmittag führte Ralf Lanzinger, Redakteur von trans aktuell, durch das Programm. Prof. Dr. Andreas Stenger, Studiengangsleiter BWL an der DHBW Mannheim, empfahl Speditionen einen pragmatischen Einstieg in die Nutzung künstlicher Intelligenz. Statt große Projekte aufzusetzen, sollten Unternehmen zunächst dort ansetzen, wo täglich Zeit verloren gehe. Als Beispiele nannte er die automatische Erfassung von Transportaufträgen aus E-Mails und PDF-Dokumenten, die Auswertung vorhandener Unternehmensdaten sowie die Unterstützung von Mitarbeitern bei Standardanfragen. Entscheidend seien klare Regeln, eine ausreichende Datenbasis und die Einbindung der Beschäftigten.
Viele Kosten entstehen im Hintergrund
Andreas Rinnhofer, Geschäftsführer des Software- und Schulungsanbieters INN-ovativ, richtete den Blick auf Tätigkeiten, die im Alltag oft als selbstverständlich gelten. Zettelwirtschaft, manuelle Routinen oder langwierige Recruiting-Prozesse verursachten Aufwand, der in vielen Auswertungen nicht sichtbar werde. Gleichzeitig könnten digitale Schulungs- und Dokumentationssysteme dabei helfen, gesetzliche Vorgaben nachweisbar einzuhalten und Risiken im Schadensfall zu verringern.
Weniger Abstimmungsaufwand spart Zeit
Bartosch Kraszewski, Director Digital Excellence bei STI Consulting, zeigte anhand eines Praxisprojekts, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Flotte und Werkstatt verbessern lässt. Viele Unternehmen verlören Zeit durch Telefonate, E-Mails, Rückfragen und fehlende Informationen zum Fahrzeugstatus. Digitale Prozesse und KI könnten solche Abläufe beschleunigen und die Planung erleichtern. Ziel sei es, unnötige Abstimmungen zu vermeiden und die verfügbare Arbeitszeit produktiver zu nutzen.
Druck aus dem Tagesgeschäft nehmen
Auf die Frage, ab welcher Unternehmensgröße sich Projektteams für Digitalisierungs- und KI-Projekte lohnen, sagte Bartosch Kraszewski, dass entsprechende Vorhaben bereits in kleineren Unternehmen sinnvoll sein können. Schon bei Flotten mit rund 50 Fahrzeugen habe er Projektteams erlebt. Entscheidend sei, Mitarbeiter gezielt für solche Aufgaben freizustellen und den zusätzlichen Druck aus dem Tagesgeschäft zu nehmen. Ein ausführlicher Bericht folgt.





