Logistik 2027: Nur 1 Prozent Wachstum

Prognose der Logistikweisen für 2027
Kosten und KI entscheiden über den Aufschwung

Die Logistik wächst 2027 laut Logistikweisen real um nur ein Prozent. Während Bau und Elektronik Impulse liefern, stagnieren wichtige Industrien. KI und Automatisierung sollen Kosten bremsen.

KI-generiertes Symbolbild eines modernen Logistikzentrums bei Sonnenuntergang. Lkw, Gabelstapler und Fördertechnik prägen den Warenumschlag, während ein Mitarbeiter mit Tablet die Abläufe überwacht.
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Die Logistikweisen erwarten für 2027 zwar wieder Wachstum. Doch steigende Kosten, stagnierende Industrien und schwache Transportmengen bremsen den Aufschwung. Für Speditionen wird vor allem die Produktivität zum entscheidenden Faktor.

Logistik kommt nur langsam wieder in Fahrt

Die deutsche Logistik kommt langsam wieder in Fahrt. Von einem kräftigen Aufschwung kann allerdings keine Rede sein. Für 2027 erwarten die Logistikweisen ein reales Wachstum von lediglich 1,0 Prozent. Nominal, also einschließlich der Preissteigerungen, soll der Wirtschaftsbereich um 3,6 Prozent zulegen. Das klingt zunächst ordentlich, zeigt aber vor allem eines: Ein erheblicher Teil des Wachstums entsteht durch höhere Kosten und Preise, nicht durch zusätzliche Logistikleistungen. Zu diesem Ergebnis kommt der Expertenkreis beim Herbstgipfel 2026. Die Botschaft an Speditionen und Logistikdienstleister ist wenig beruhigend: Die Talsohle scheint durchschritten, doch die wirtschaftliche Erholung bleibt fragil. Vor allem die Schere zwischen steigenden Kosten und schwacher Produktivität könnte 2027 zum Problem werden.

Überraschendes Plus für die Logistik 2026

Dabei entwickelt sich bereits das laufende Jahr besser als zunächst erwartet. Statt einer Stagnation rechnen die Logistikweisen für 2026 inzwischen mit einem realen Wachstum von knapp einem Prozent und einem nominalen Plus von rund vier Prozent. Verantwortlich dafür sind allerdings teilweise Sondereffekte. Aus Sorge vor Lieferengpässen haben Unternehmen ihre Lagerbestände aufgestockt. Hinzu kommen ein widerstandsfähiger Welthandel sowie eine hohe Nachfrage nach Elektronik und Ausrüstung für KI-Rechenzentren. Die Verteidigungsindustrie wächst ebenfalls. Ihr Beitrag zur gesamten Logistiknachfrage reicht nach Einschätzung der Experten jedoch nicht aus, um Schwächen anderer Industriezweige auszugleichen. Auch das Niedrigwasser auf dem Rhein hat Spuren hinterlassen. Insbesondere Chemie-Unternehmen mussten Transporte auf Schiene und Straße verlagern. Auf die Gesamtentwicklung des Wirtschaftsbereichs hatte dies nach Einschätzung der Logistikweisen aber nur geringe Auswirkungen.

Bau und Elektronik wachsen, Auto und Chemie stagnieren

Für 2027 erwarten die Experten vor allem aus der Bauwirtschaft und der Elektronikindustrie zusätzliche Impulse. Maschinenbau und Konsumgüter sollen sich leicht positiv entwickeln. Dagegen dürften Automobilindustrie, Chemie und Gebrauchsgüter weitgehend stagnieren. Das Problem: Die wachsenden Branchen benötigen zwar anspruchsvolle Logistiklösungen, erzeugen aber vergleichsweise geringe zusätzliche Transportmengen. Selbst neue Outsourcing-Aufträge bringen nicht zwangsläufig mehr Fracht auf die Straße oder Schiene. Häufig werden lediglich bisher intern organisierte Leistungen an externe Dienstleister vergeben. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter. Besonders deutlich dürfte sich dies beim Personal bemerkbar machen. Die Logistikweisen rechnen deshalb mit anhaltendem Druck auf die Margen.

KI und Automatisierung werden zur Pflicht

Den wichtigsten Hebel sehen die Experten in einer höheren Produktivität. Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz seien für Logistikunternehmen zunehmend eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Dahinter steckt eine einfache Rechnung: Wenn Transportmengen kaum wachsen, Personal und Betrieb aber teurer werden, müssen Unternehmen ihre vorhandenen Ressourcen effizienter einsetzen. Das betrifft die Touren- und Personalplanung ebenso wie Lagerprozesse, administrative Abläufe und die Steuerung komplexer Lieferketten. Die Logistikweisen erwarten, dass entsprechende Anwendungen 2027 stärker zur Produktivitätssteigerung beitragen können. Beim Fachkräftemangel zeichnet sich zwar eine langsame Entspannung ab. Allerdings dürfte es weiterhin schwierig bleiben, Beschäftigte mit den jeweils benötigten Qualifikationen zu finden.

Im schlechtesten Fall bleiben nur 0,2 Prozent Wachstum

Wie unsicher die Aussichten sind, zeigen die drei Szenarien der Logistikweisen:

  • Best Case: 1,6 Prozent reales und 5,0 Prozent nominales Wachstum, wenn Investitionen deutlich anziehen und geopolitische Spannungen nachlassen.
  • Trend-Szenario: 1,0 Prozent reales und 3,6 Prozent nominales Wachstum bei weiterhin angespannten Rahmenbedingungen.
  • Worst Case: 0,2 Prozent reales und 3,2 Prozent nominales Wachstum, wenn die vorgezogene Nachfrage aus 2026 wegfällt, Konflikte die Industrie belasten und der Preisdruck zunimmt.

Insgesamt bewerten die Experten die Risiken für 2027 höher als die Chancen. Dazu zählen neben geopolitischen Konflikten auch der Strukturwandel wichtiger Industriekunden, die Abhängigkeit von kritischen Ressourcen und zunehmende Störungen durch Wetter- und Klimaereignisse.

Logistikweisen fordern eine Agenda 2030

Neben ihrer Konjunkturprognose richten die Logistikweisen einen Appell an die Politik. Die Branche müsse stärker als eigenständiger Wirtschaftsfaktor wahrgenommen werden. Mit mehr als 3,3 Millionen Beschäftigten und einer Wirtschaftsleistung von über 330 Milliarden Euro gehört die Logistik nach Angaben des Expertenkreises zu den größten Wirtschaftsbereichen Deutschlands. Dennoch stehe sie in der öffentlichen Wahrnehmung häufig im Schatten von Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie. Die Logistikweisen schlagen deshalb eine mit der Wirtschaft abgestimmte „Agenda 2030 Logistik“ vor. Ergänzend soll eine Initiative unter dem Motto „Logistik Made in Germany“ die Leistungsfähigkeit des Standorts sichtbarer machen.

Wie lässt sich in der Logistik noch Geld verdienen?

Im Mittelpunkt stehen bessere politische Rahmenbedingungen, Investitionen in Technologie und Infrastruktur sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Für die Unternehmen dürfte allerdings eine andere Frage noch dringlicher sein: Wie lässt sich mit kaum steigenden Mengen und weiter wachsenden Kosten überhaupt noch Geld verdienen? Die Antwort der Logistikweisen fällt eindeutig aus: Ohne höhere Produktivität wird selbst der vorsichtige Aufschwung nicht ausreichen, um den wirtschaftlichen Druck spürbar zu verringern.

In Kürze: die Key Facts

  • Logistikprognose 2027: Die Logistikweisen erwarten für Deutschland ein reales Wachstum von 1,0 Prozent.
  • Prognose 2026: Die Logistikweisen rechnen mit knapp 1 Prozent realem und rund 4 Prozent nominalem Wachstum.
  • Wachstumsbranchen: Bauwirtschaft und Elektronik sollen 2027 die stärksten Impulse liefern.
  • Stagnierende Branchen: Automobilindustrie, Chemie und Gebrauchsgüter dürften sich kaum erholen.
  • Größter Kostentreiber: Die Experten erwarten insbesondere steigende Personalkosten.
  • Best-Case-Szenario: Bei günstiger Entwicklung sind 1,6 Prozent reales Wachstum möglich.
  • Worst-Case-Szenario: Bei anhaltenden Belastungen könnte das reale Wachstum auf 0,2 Prozent sinken.
  • Strategische Empfehlung: Automatisierung und künstliche Intelligenz sollen die Produktivität erhöhen und Margen stabilisieren.
  • Politische Forderung: Die Logistikweisen schlagen eine „Agenda 2030 Logistik“ und die Initiative „Logistik Made in Germany“ vor.