Lagerflächen werden zum Wettbewerbsfaktor

Logistikmärkte drehen zugunsten der Vermieter
Warum Lagerflächen zum Wettbewerbsfaktor werden

Logistikflächen werden knapper und teurer. Eine neue Studie zeigt, warum Speditionen und Logistikdienstleister ihre Standortstrategie künftig früher festlegen müssen.

Moderne Logistikimmobilie mit Lagerhalle und Lkw-Stellplätzen. Steigende Mieten und knappe Flächen erhöhen den Druck auf Logistikdienstleister.
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Für Logistikdienstleister könnte das Zeitfenster für günstige Lager- und Logistikflächen bald schließen. Nach einer aktuellen Analyse von Cushman & Wakefield verschieben sich die Kräfteverhältnisse auf den globalen Logistikmärkten zunehmend zugunsten der Vermieter. Die Folge: steigende Mieten, knapper werdende Flächen und mehr Druck auf Unternehmen, ihre Standortstrategie frühzeitig festzulegen. Besonders betroffen sind Kontraktlogistiker, Fulfillment-Dienstleister und Transportunternehmen mit großem Flächenbedarf. Wer neue Standorte sucht oder bestehende Kapazitäten erweitern will, könnte in den kommenden Jahren deutlich schlechtere Karten haben.

Lagerflächen werden knapper

Noch gelten weltweit 52 Prozent der untersuchten Logistikmärkte als mieterfreundlich. Bis 2029 dürfte dieser Anteil jedoch auf nur noch 33 Prozent sinken. Gleichzeitig steigt der Anteil vermieterfreundlicher Märkte von derzeit 26 auf rund 40 Prozent. Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren: Die Neubautätigkeit bleibt vielerorts verhalten, gleichzeitig wachsen die Anforderungen an moderne Logistikstandorte. Unternehmen bauen ihre Lieferketten um, erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krisen und suchen gezielt nach strategisch günstigen Standorten. Das Ergebnis: Die Nachfrage nach hochwertigen Logistikimmobilien steigt schneller als das verfügbare Angebot.

Mieten liegen bereits 36 Prozent über dem Niveau von 2020

Die Folgen sind weltweit sichtbar. Seit 2020 haben sich die Logistikmieten im Durchschnitt um 36 Prozent erhöht. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. In 54 Prozent der von Cushman & Wakefield untersuchten Märkte wird in den kommenden drei Jahren weiteres Mietwachstum erwartet. Für Logistikdienstleister bedeutet das steigende Fixkosten. Gleichzeitig wird die Verfügbarkeit geeigneter Flächen zunehmend zu einem strategischen Faktor.

Deutschland bleibt ein umkämpfter Markt

Auch Deutschland gehört zu den Märkten, in denen sich Nutzer frühzeitig geeignete Flächen sichern müssen. Laut Studie lag das Mietwachstum Ende 2025 bei rund 2,5 Prozent und damit leicht über dem weltweiten Durchschnitt. Besonders in etablierten Logistikregionen wird die Flächensuche schwieriger. Gleichzeitig sorgen zurückhaltende Neubauaktivitäten dafür, dass freie Kapazitäten nur langsam wachsen. Für Logistikunternehmen wird die Standortentscheidung damit immer stärker zur Managementaufgabe.

Energiekosten verändern die Standortwahl

Ein weiterer Faktor gewinnt zunehmend an Bedeutung: Energie. Hohe Strompreise in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Großbritannien führen dazu, dass Unternehmen verstärkt auf energieeffiziente Immobilien achten. Gefragt sind Standorte mit zuverlässiger Stromversorgung, Zugang zu erneuerbaren Energien und Gebäuden, die den Einsatz von Automatisierungstechnologien ermöglichen. Gerade für Logistikdienstleister mit hohem Automatisierungsgrad kann die Energieversorgung künftig über die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts entscheiden.

Wer wartet, riskiert Wettbewerbsnachteile

Die Studie zeigt, dass sich Logistikimmobilien immer stärker von einer reinen Kostenposition zu einem strategischen Erfolgsfaktor entwickeln. Standorte beeinflussen heute nicht nur Mietkosten, sondern auch Automatisierungsmöglichkeiten, Nachhaltigkeitsziele, Energieversorgung und die Resilienz von Lieferketten. Für Logistikdienstleister bedeutet das: Wer Flächenentscheidungen aufschiebt, könnte künftig nicht nur höhere Mieten zahlen, sondern auch Schwierigkeiten bekommen, geeignete Immobilien überhaupt noch zu sichern.

In Kürze: die Key Facts

  • Quelle: Cushman & Wakefield, Waypoint 2026 – Global Industrial Dynamics
  • Untersuchte Märkte: 135 Logistikmärkte weltweit
  • Mieterfreundliche Märkte heute: 52 Prozent
  • Erwarteter Anteil 2029: 33 Prozent
  • Vermieterfreundliche Märkte heute: 26 Prozent
  • Erwarteter Anteil 2029: rund 40 Prozent
  • Mietentwicklung seit 2020: plus 36 Prozent weltweit
  • Märkte mit erwartetem Mietanstieg: 54 Prozent
  • Deutschland: Mietanstieg von rund 2,5 Prozent
  • Treiber: Flächenknappheit, Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten
  • Betroffene Branchen: Kontraktlogistik, Fulfillment, Transport und E-Commerce-Logistik
  • Kernaussage: Moderne Logistikflächen werden zum strategischen Wettbewerbsfaktor