Die zeitweise Blockade der Straße von Hormus hat die Verwundbarkeit globaler Lieferketten schonungslos offengelegt. Nun zieht der Hafen- und Logistikriese DP World offenbar Konsequenzen: Nach Informationen der Financial Times plant das Unternehmen den Ausbau eines neuen Hafen- und Containerterminals an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Ziel ist es, Handelsströme künftig auch ohne Passage der strategisch wichtigen Meerenge abzuwickeln. Im Mittelpunkt der Pläne steht Fujairah am Golf von Oman. Der Standort liegt außerhalb der Straße von Hormus und könnte sich zu einem neuen Logistikdrehkreuz entwickeln. Von dort aus sollen Container per Lkw nach Dubai, Abu Dhabi und in andere Golfstaaten transportiert werden. Damit würde erstmals eine dauerhafte Alternative zum bisherigen Drehkreuz Jebel Ali entstehen.
Blockade der Straße von Hormus verändert die Logistikstrategie
Auslöser der Pläne sind die massiven Auswirkungen der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus während des Konflikts zwischen Iran, Israel und den USA. Nach Angaben der Financial Times, auf die sich sowohl das Handelsblatt als auch die Jerusalem Post beziehen, brach das Umschlagvolumen im Hafen Jebel Ali zeitweise um bis zu 95 Prozent ein. DP World reagierte darauf bereits kurzfristig und leitete Fracht auf die Häfen Fujairah und Khor Fakkan um. Beide Standorte arbeiten inzwischen jedoch an ihrer Kapazitätsgrenze. Deshalb soll die Infrastruktur nun dauerhaft ausgebaut werden.
Fujairah könnte neues Logistikdrehkreuz werden
Geplant sind nach den Berichten ein neuer Mehrzweckhafen sowie ein zusätzliches Containerterminal in Fujairah. DP World bestätigte zwar keine Einzelheiten, erklärte jedoch, an Maßnahmen zur Diversifizierung seiner Hafeninfrastruktur zu arbeiten, um Lieferketten widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen zu machen. Der bestehende Hafen Jebel Ali soll dabei keineswegs ersetzt werden. Vielmehr entsteht ein zweites logistisches Standbein der Vereinigten Arabischen Emirate außerhalb des geopolitischen Nadelöhrs Straße von Hormus.
Seehafen und Straße werden zur neuen Lieferkette
Für Logistikunternehmen könnte das Projekt weitreichende Folgen haben. Statt ausschließlich auf den Seeweg durch die Straße von Hormus zu setzen, würden künftig kombinierte Transportketten an Bedeutung gewinnen. Container könnten künftig in Fujairah gelöscht und anschließend per Lkw über moderne Straßenverbindungen nach Dubai, Abu Dhabi oder in andere Staaten der Golfregion transportiert werden. Damit würde der Straßengüterverkehr zu einem festen Bestandteil internationaler Seeverkehre werden. Gerade für zeitkritische Güter könnte dieser multimodale Ansatz helfen, geopolitische Risiken deutlich besser abzufedern.
DP World baut seine Rolle als globaler Logistikdienstleister aus
Die Pläne zeigen zugleich den strategischen Wandel von DP World. Das Unternehmen beschränkt sich längst nicht mehr auf den Betrieb einzelner Häfen, sondern entwickelt integrierte Logistiknetzwerke mit Seehäfen, Inlandterminals, Lagerstandorten und Hinterlandverkehren. Der Ausbau an der Ostküste der Emirate passt in diese Strategie. Ziel ist es, Lieferketten robuster zu gestalten und Kunden auch in Krisenzeiten alternative Transportwege anbieten zu können.
Was das für Verlader bedeutet
Sollte das Projekt umgesetzt werden, würde erstmals eine dauerhafte Ausweichroute für Containerverkehre in der Golfregion entstehen. Für Industrie, Handel und Logistikdienstleister könnte das die Abhängigkeit von einem der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt deutlich reduzieren. Gleichzeitig zeigt das Vorhaben, dass geopolitische Risiken künftig immer stärker die Standort- und Infrastrukturentscheidungen internationaler Logistikunternehmen bestimmen werden.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: DP World
- Projekt: Neuer Hafen und Containerterminal in Fujairah (VAE)
- Ziel: Alternative zur Straße von Hormus schaffen
- Standortvorteil: Fujairah liegt am Golf von Oman außerhalb der Meerenge.
- Logistikkonzept: Kombination aus Seefracht und Lkw-Hinterlandverkehr in die Golfstaaten.
- Auslöser: Zeitweise Blockade der Straße von Hormus und massive Umschlageinbrüche in Jebel Ali.
- Strategie: Diversifizierung der Hafeninfrastruktur und widerstandsfähigere Lieferketten.
- Bedeutung für Logistik: Geopolitische Risiken verändern internationale Hafen- und Transportnetzwerke.








