Erst Euba Logistic, jetzt gleich drei Unternehmen im Hamburger Getränkefach-Großhandel: Die Deutsche Getränke Logistik setzt ihre Expansion fort. Mit Joh. Kirchhoff & Söhne, Rudolf Timmermann und AGH Alster-Getränke übernimmt DGL rund 70 Beschäftigte, 27 Fahrzeuge und einen Standort mit 23.000 Quadratmetern Fläche. Hinter dem zweiten Zukauf binnen weniger Wochen steckt eine andere Strategie als bei Euba.
DGL übernimmt 70 Beschäftigte und 27 Fahrzeuge
Mit dem Zukauf bekommt DGL einen etablierten Getränkefach-Goßhändler in der Metropolregion Hamburg. Das Familienunternehmen wurde 1902 gegründet und wird inzwischen in fünfter Generation geführt. Zur Gruppe gehören rund 70 Beschäftigte und 27 Fahrzeuge. Nach Unternehmensangaben werden etwa 1.500 Kunden beliefert. Dabei geht es nicht allein um den klassischen Getränkehandel. Eine besondere Rolle spielt die Gastronomie-Belieferung, die sich laut DGL zuletzt mit steigenden Absätzen entwickelt hat. Welche wirtschaftliche Größenordnung das Unternehmen erreicht, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht hervor. Der Bundesverband des Deutschen Getränkefach-Großhandels führte Joh. Kirchhoff & Söhne in seiner Umsatzrangliste für 2023 allerdings mit 35 Millionen Euro Umsatz auf Rang sieben der norddeutschen Getränkefach-Großhändler.
Barsbüttel soll zum Knotenpunkt werden
Strategisch dürfte für DGL insbesondere der Standort in Barsbüttel interessant sein. Das Betriebsgelände umfasst rund 23.000 Quadratmeter und liegt unmittelbar östlich von Hamburg. DGL will daraus künftig einen zentralen Knotenpunkt für die Versorgung der Metropolregion machen. „Wir schließen eine strategisch wichtige Lücke zwischen den bestehenden Logistikstandorten in Bordesholm und Geesthacht“, erklärt DGL-CEO Markus Rütters. Das lässt erkennen, worum es bei der Übernahme vor allem geht: Netzverdichtung. Vom neuen Knotenpunkt aus sollen insbesondere Innenstadtkunden im urbanen Raum Hamburg effizienter versorgt werden. Gleichzeitig will DGL bestehende Standorte entlasten und das Gastronomiegeschäft zwischen Kiel und Rostock ausbauen.
Zweite Übernahme verfolgt eine andere Strategie
Damit unterscheidet sich der aktuelle Zukauf deutlich von der Übernahme der insolventen Euba Logistic. Dort hatte DGL zum 1. August das operative Geschäft übernommen und rund 120 Arbeitsplätze sowie eine Flotte von etwa 70 Lkw gesichert. Für DGL bedeutete der Deal vor allem einen erheblichen Ausbau der eigenen Transportkapazitäten. Damit will die Gruppe Warenströme im Getränkegroßhandel stärker mit eigenen Ressourcen absichern und ihre Abhängigkeit von extern eingekauften Kapazitäten reduzieren. Mit der Hamburger Unternehmensgruppe erweitert DGL nun dagegen die regionale Distributionsstruktur und den direkten Zugang zu Kunden. Innerhalb weniger Wochen wächst die Gruppe damit an zwei unterschiedlichen Stellen ihrer Logistikkette: Euba bringt zusätzliche Transportkapazitäten, Barsbüttel stärkt das regionale Distributionsnetz.
DGL baut Position im Getränkemarkt aus
Beide Übernahmen passen damit in die grundsätzliche Ausrichtung der DGL. Das Unternehmen wurde 2019 als Gemeinschaftsunternehmen der Radeberger Gruppe und der Brauerei C. & A. Veltins gegründet. DGL versteht sich als produktneutraler Logistikdienstleister für Voll- und Leergut und deckt inzwischen neben Transport und Lagerung auch Getränkefach-Großhandel, Handel und Gastronomie ab. Wie groß die Gruppe mittlerweile geworden ist, zeigen auch aktuelle Angaben aus dem Recruiting: Dort nennt DGL rund 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz, mehr als 2.300 Beschäftigte und derzeit 24 eigene Standorte. Mit dem Standort Barsbüttel dürfte sich insbesondere die Position in Norddeutschland weiter verdichten.
Annika und Felix Lüth bleiben an Bord
Für die bisherigen Kunden soll sich durch den Eigentümerwechsel zunächst möglichst wenig verändern. Annika und Felix Lüth, die das Familienunternehmen bislang führen, bleiben auch nach der Übernahme für das operative Geschäft verantwortlich. Ebenso sollen die bisherigen Ansprechpartner und Abläufe erhalten bleiben. DGL will die Gruppe als eigenständiges Beteiligungsunternehmen integrieren. Damit sollen auch Name und Identität des mehr als 120 Jahre alten Unternehmens bestehen bleiben. Für die bisherigen Eigentümer sei die strategische Neuaufstellung notwendig geworden, um auf die Veränderungen im Getränkemarkt zu reagieren und Synergien innerhalb eines größeren Netzwerks zu nutzen. Ob die Übernahme tatsächlich vollzogen werden kann, hängt allerdings noch von der kartellrechtlichen Freigabe ab.
In Kürze: die Key Facts
- Käufer: Deutsche Getränke Logistik (DGL)
- Übernahme: Joh. Kirchhoff & Söhne, Rudolf Timmermann und AGH Alster-Getränke
- Transaktion: Share Deal, noch unter Kartellvorbehalt
- Standort: Barsbüttel bei Hamburg, rund 23.000 m²
- Beschäftigte: rund 70
- Fuhrpark: 27 Fahrzeuge
- Kunden: etwa 1.500
- Strategie: Netzverdichtung zwischen Bordesholm und Geesthacht
- Vorheriger Zukauf: Euba Logistic mit rund 120 Beschäftigten und 70 Lkw
- Eigentümer DGL: Radeberger Gruppe und Veltins







