Vom 20. bis 23. November 2026 wird ein wichtiger Abschnitt des Münchner Autobahnrings vollständig gesperrt. Für Speditionen drohen Umwege, Verzögerungen und zusätzliche Kosten. Die bayerischen Logistikverbände LBT und LBS rechnen mit Einschränkungen, setzen aber auf frühzeitige Planung. Wie groß die Probleme werden, ist noch offen.
Logistikverbände LBS und LBT reagieren
57 Stunden lang geht auf einem wichtigen Abschnitt der A99 bei München nichts mehr. Von Freitagabend, 20. November, bis Montagmorgen, 23. November 2026, wird der Autobahnring zwischen den Autobahnkreuzen München-Ost und München-Süd in beiden Richtungen vollständig gesperrt. Der Grund: Eine marode Brücke über der Autobahn muss abgerissen werden. Für Speditionen und Transportunternehmen bedeutet das zusätzliche Planung, mögliche Umwege und wirtschaftliche Belastungen. Wie gravierend die Folgen tatsächlich ausfallen, lässt sich allerdings noch nicht abschätzen. Das zeigen auch die Reaktionen der beiden bayerischen Logistikverbände, die eurotransport.de um eine Einschätzung gebeten hat. Während Reinhold Fisel, Präsident des Landesverbands Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT), die Vollsperrung als möglicherweise kleineres Übel bewertet, setzt der Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS) auf die Erfahrung der Disponenten.
A99: Vollsperrung vom 20. bis 23. November
Die Sperrung beginnt am Freitag, 20. November 2026, um 20 Uhr und soll am Montag, 23. November, um 5 Uhr enden. Betroffen ist der Abschnitt zwischen den Autobahnkreuzen München-Ost und München-Süd. Auch die Anschlussstellen Haar, Hohenbrunn und Ottobrunn liegen innerhalb des gesperrten Bereichs. Damit fällt für 57 Stunden eine wichtige Verbindung im Münchner Autobahnnetz aus. Die A99 verknüpft im Osten und Süden der Landeshauptstadt unter anderem die A94, die A8 und die A995. Rund 96.000 Fahrzeuge nutzen den betroffenen Autobahnabschnitt täglich. Eine einzelne Umleitungsstrecke, die dieses Verkehrsaufkommen vollständig aufnehmen könnte, steht nach Angaben der Autobahn GmbH nicht zur Verfügung. Entsprechend müssen sich Verkehrsteilnehmer auf Ausweichverkehr und mögliche Staus einstellen.
LBS: Auswirkungen liegen „wie im Herbstnebel“
Beim Landesverband Bayerischer Spediteure ist die bevorstehende Sperrung längst Thema. „Wir haben die Mitteilung über die Sperrung vor zehn Tagen erhalten und umgehend unsere Mitgliedsunternehmen informiert“, erklärt LBS-Sprecher Ulrich Pfaffenberger auf Anfrage von eurotransport.de. Wie stark sich die Unterbrechung des Autobahnrings auf die Geschäftstätigkeit der Spediteure auswirken wird, vermag er derzeit allerdings nicht zu beurteilen. „Das liegt wie im Herbstnebel“, sagt Pfaffenberger. Er setzt darauf, dass die Disponenten der betroffenen Unternehmen mit der Situation umgehen können. Ähnlich wie während der Urlaubszeit dürften sie ihre Transportabläufe an die veränderten Verkehrsbedingungen anpassen. Damit könnten größere Komplikationen möglicherweise vermieden werden.
LBT-Präsident Fisel erwartet zusätzliche Kosten
Deutlicher auf die wirtschaftlichen Folgen verweist Reinhold Fisel, Geschäftsführer von Fisel Transporte in Dillingen und Präsident des Landesverbands Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen. „Die Vollsperrung ist natürlich für unsere Mitglieder und Kollegen des BGL Bayern ein großer Eingriff in die Abläufe des täglichen Geschäftes“, erklärt Fisel gegenüber eurotransport.de. Gerade angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Situation der Transportbranche sei die Sperrung eine zusätzliche Belastung. Denn Umwege kosten nicht nur Kraftstoff. Auch längere Fahrzeiten, zusätzlicher Personalaufwand, verschobene Liefertermine und mögliche Auswirkungen auf die Lenk- und Ruhezeiten können die Kosten erhöhen. Wie hoch die Mehrbelastung ausfallen wird, lässt sich derzeit allerdings nicht seriös beziffern.
Fisel: Lieber kurz voll gesperrt als lange eingeschränkt
Trotz seiner Kritik sieht Fisel die Entscheidung für eine konzentrierte Vollsperrung auch pragmatisch. Eine längere Phase, in der der Autobahnabschnitt nur eingeschränkt befahrbar wäre, könnte die Transportwirtschaft nach seiner Einschätzung noch stärker belasten. Positiv bewertet er deshalb, dass die Autobahn GmbH den Brückenabriss auf das nach ihren Angaben „verkehrsärmste Wochenende des Jahres“ gelegt habe. Zudem sei der Abriss der beschädigten Überführung notwendig. Ein weiterer Vorteil aus Sicht des LBT-Präsidenten: Die Sperrung wurde frühzeitig angekündigt.
Transporteure und Spediteure planen um
Fisel geht davon aus, dass sich die Unternehmen darauf einstellen und ihre Touren sowie betrieblichen Abläufe für das betroffene Wochenende entsprechend planen werden. Auch sein Verband will die Mitgliedsunternehmen wiederholt über die bevorstehenden Einschränkungen informieren. Damit liegen LBT und LBS in einem entscheidenden Punkt auf einer Linie: Die Vollsperrung wird den Transportalltag beeinträchtigen. Eine vorausschauende Disposition könnte die Folgen aber zumindest abmildern.
Umleitungen über B471 und durch München
Einfach wird die Verkehrsführung während der Sperrung dennoch nicht. Als Ausweichstrecken kommen unter anderem die B471 sowie Straßen im Münchner Osten und Süden infrage. Auch auf dem Mittleren Ring dürfte das Verkehrsaufkommen steigen. Für den überregionalen Verkehr sind großräumige Umfahrungen vorgesehen. Wer kein Ziel im Großraum München hat, sollte möglichst frühzeitig auf alternative Autobahnverbindungen ausweichen. Für schwere Lkw ist die Situation besonders anspruchsvoll. Nicht jede für Pkw geeignete Umleitung kann ohne Weiteres vom Schwerverkehr genutzt werden.
Durchfahrtsbeschränkungen werden überprüft
Hinzu kommen bestehende Durchfahrtsbeschränkungen im Münchner Stadtgebiet. Deshalb wird geprüft, ob bestimmte Lkw- und Dieselfahrverbote für die Dauer der Vollsperrung vorübergehend ausgesetzt werden können. Welche Ausnahmen tatsächlich gelten und welche Strecken dafür freigegeben würden, ist nach den bislang vorliegenden Informationen noch nicht abschließend entschieden. Bis zu einer offiziellen Bekanntgabe müssen Transportunternehmen deshalb mit den bestehenden Verkehrsregeln planen.
Marode B304-Brücke muss weichen
Auslöser der Vollsperrung ist die Überführung der B304 bei Haar. Die 1973 errichtete Brücke weist erhebliche Schäden auf. Bei einer Bauwerksprüfung im Mai 2025 wurde festgestellt, dass sich ihr Zustand deutlich verschlechtert hatte. Als wesentliche Ursachen gelten die hohe Verkehrsbelastung und der langjährige Einfluss von Streusalz. Eigentlich war der Ersatz der Brücke erst im Zusammenhang mit dem geplanten achtstreifigen Ausbau der A99 vorgesehen. Wegen des schlechten Bauwerkszustands musste die Erneuerung jedoch vorgezogen werden. Damit die B304 während der Arbeiten weiter befahrbar bleibt, wurde südlich der alten Brücke eine Behelfsüberführung errichtet. Seit Ende August 2026 läuft der Verkehr über dieses Provisorium. Auf der Bundesstraße sind täglich rund 38.000 Fahrzeuge unterwegs.
Brückenneubau kostet rund 30 Millionen Euro
Nach dem Abriss wird die Überführung neu gebaut. Sie soll die bisherige Zahl an Fahrstreifen behalten, allerdings mit angepassten Breiten. Der gemeinsame Geh- und Radweg wird von 2,5 auf drei Meter verbreitert. Die neue Konstruktion ist bereits auf einen möglichen späteren Ausbau der A99 ausgelegt. Für das gesamte Projekt veranschlagt die Autobahn GmbH rund 30 Millionen Euro. Darin enthalten sind die Behelfsbrücke, der Abriss, der Neubau und begleitende Maßnahmen. Die vollständige Fertigstellung ist für Ende 2028 vorgesehen.
In Kürze: die Key Facts
- Autobahn: A99, Autobahnring München.
- Beginn der Vollsperrung: Freitag, 20. November 2026, 20 Uhr.
- Ende der Vollsperrung: Montag, 23. November 2026, 5 Uhr.
- Dauer: 57 Stunden.
- Gesperrter Abschnitt: Zwischen den Autobahnkreuzen München-Ost und München-Süd in beiden Fahrtrichtungen.
- Betroffene Anschlussstellen: Haar, Hohenbrunn und Ottobrunn.
- Grund der Sperrung: Abriss der beschädigten B304-Brücke über die A99 bei Haar.
- Verkehrsbelastung: Rund 96.000 Fahrzeuge täglich auf der A99 und 38.000 auf der B304.
- Umleitungen: Unter anderem über die B471 sowie Straßen im Münchner Osten und Süden; großräumige Umfahrungen für den Fernverkehr.
- Lkw- und Dieselfahrverbote: Vorübergehende Ausnahmen werden geprüft. Eine abschließende Entscheidung liegt nach den vorliegenden Informationen nicht vor.
- LBT-Stellungnahme: Präsident Reinhold Fisel erwartet wirtschaftliche Belastungen, hält die konzentrierte Vollsperrung aber für möglicherweise weniger problematisch als langwierige Teilbeschränkungen.
- LBS-Stellungnahme: Sprecher Ulrich Pfaffenberger bestätigt die frühzeitige Information der Mitgliedsunternehmen.
- Einschätzung des LBS: Die wirtschaftlichen Folgen sind noch nicht absehbar. Pfaffenberger setzt auf die Erfahrung der Disponenten, um größere Probleme zu vermeiden.
- Baujahr der alten Brücke: 1973.
- Behelfsbrücke: Seit Ende August 2026 wird der Verkehr auf der B304 über eine provisorische Überführung geführt.
- Gesamtkosten des Brückenprojekts: Rund 30 Millionen Euro.
- Geplante Fertigstellung: Ende 2028.
Fazit
A99-Sperrung: Lieber 57 Stunden als monatelanges Nadelöhr
57 Stunden Vollsperrung auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen rund um München sind für die Transportbranche eine erhebliche Herausforderung. Zusätzliche Kilometer, Zeitverluste und mögliche Staus lassen sich nicht einfach wegdisponieren. Dennoch zeigen die Stellungnahmen von LBT und LBS, dass die Branche der Sperrung nicht unvorbereitet gegenübersteht. Reinhold Fisel hält die konzentrierte Unterbrechung für möglicherweise weniger belastend als langwierige Teilbeschränkungen. Ulrich Pfaffenberger vertraut darauf, dass erfahrene Disponenten ihre Abläufe ähnlich wie in der Urlaubszeit anpassen können. Ob das ausreicht, bleibt abzuwarten. Vor allem die Leistungsfähigkeit der Umleitungsstrecken und mögliche Ausnahmen von Lkw-Fahrverboten werden entscheidend sein. Die Unternehmen können ihre Touren frühzeitig planen. Eine leistungsfähige Alternative zur gesperrten A99 können sie damit allerdings nicht herbeizaubern.








