Kögel warnt vor Folgen der Vecto-Regeln

Vecto-Regeln setzen Trailerbauer unter Druck
Kögel warnt vor drastischen Folgen

Kögel und sieben weitere Hersteller gehen gegen die EU-Vecto-Regeln vor. Sie warnen vor Strafzahlungen, steigenden Trailerpreisen und Folgen für Speditionen sowie Arbeitsplätze.

Trailerhersteller Kögel ruft SOS: Die Umsetzung der Vecto-Vorgaben ist technisch nicht möglich.
Foto: Kögel

Der Aufliegerhersteller Kögel warnt vor gravierenden Folgen der neuen EU-Vorgaben zur CO₂-Bewertung von Trailern – und erhält bei einer symbolträchtigen SOS-Aktion in Burtenbach entsprechend Unterstützung von Bayerns stellvertretendem Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Nach Angaben des Unternehmens könnten die aktuellen Vecto-Regeln Strafzahlungen in Millionenhöhe auslösen, Trailer deutlich verteuern und Investitionen sowie Arbeitsplätze gefährden. Unterstützung erhält Kögel dabei von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Gleichzeitig haben acht europäische Trailerhersteller Klage gegen die EU-Regulierung eingereicht.

Kögel sieht Vecto-Regeln als realitätsfern

Auslöser der Kritik ist die EU-Verordnung 2024/1610. Sie schreibt vor, dass die nach dem Berechnungsmodell Vecto ermittelten CO₂-Werte von Sattelaufliegern bis 2030 um zehn Prozent sinken müssen, bei Anhängern um 7,5 Prozent. Genau hier setzt die Kritik der Branche an. Trailer besitzen keinen eigenen Antrieb und verursachen selbst keine direkten CO₂-Emissionen. Statt real gemessener Verbrauchswerte arbeitet Vecto mit einer Simulation, die aerodynamische Eigenschaften, Gewicht und Rollwiderstände berücksichtigt und daraus einen rechnerischen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch der Zugmaschine ableitet. Nach Auffassung von Kögel und weiteren europäischen Herstellern stoßen die technischen Möglichkeiten jedoch bereits heute an ihre Grenzen. Die geforderten Einsparungen seien mit den derzeit verfügbaren Technologien nicht mehr erreichbar.

Bis zu 64 Millionen Euro Strafzahlungen möglich

Die wirtschaftlichen Folgen könnten erheblich ausfallen. Kögel beziffert mögliche Strafzahlungen auf bis zu 64 Millionen Euro pro Jahr. Um diese Belastung auszugleichen, könnten die Preise für neue Trailer nach Unternehmensangaben um bis zu 50 Prozent steigen. Damit würden nicht nur Hersteller belastet. Höhere Anschaffungskosten träfen unmittelbar Speditionen und Transportunternehmen. Langfristig könnten steigende Transportkosten entlang der gesamten Lieferkette bis zu Industrie, Handel und Endverbrauchern weitergegeben werden. Besonders betroffen wären Unternehmen, die ihre Flotten regelmäßig erneuern oder in moderne Auflieger investieren wollen.

70.000 Arbeitsplätze stehen nach Branchenangaben auf dem Spiel

Kögel warnt außerdem vor den Folgen für den Industriestandort Europa. Nach Angaben des Unternehmens seien rund 70.000 Arbeitsplätze in der europäischen Trailerindustrie indirekt von der aktuellen Regulierung betroffen. Auch der Standort Burtenbach gerät nach Unternehmensangaben unter Druck. Dort hat Kögel in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro investiert – unter anderem in eine neue Fertigungslinie für Kühlfahrzeuge sowie zusätzliche Produktionskapazitäten. Ob sich diese Investitionen künftig noch wirtschaftlich darstellen lassen, hängt aus Sicht des Unternehmens auch von einer Überarbeitung der Vecto-Vorgaben ab.

Acht Hersteller ziehen vor Gericht

Die Kritik bleibt nicht auf Kögel beschränkt. Insgesamt acht europäische Aufliegerhersteller haben Klage gegen die EU-Verordnung eingereicht. Ziel ist eine Überarbeitung der aktuellen Regelung. Dabei betonen die Unternehmen ausdrücklich, dass sich die Klage nicht gegen den Klimaschutz richte. Vielmehr gehe es um technisch realistische und wirtschaftlich umsetzbare Vorgaben. Kögel verweist darauf, dass moderne Leichtbauauflieger seit Jahren dazu beitragen, Kraftstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß im Straßengüterverkehr zu senken. Weitere Verbesserungen seien zwar möglich, jedoch nicht in dem von der Verordnung geforderten Umfang.

Aiwanger stellt sich hinter die Branche

Rückendeckung erhielt Kögel bei einer öffentlichkeitswirksamen SOS-Aktion am Unternehmenssitz in Burtenbach von Bayerns stellvertretendem Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Er bezeichnete die Vorgaben als zusätzliche Belastung für mittelständische Unternehmen und warnte vor negativen Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze. Statt unrealistischer Zielvorgaben brauche die Branche praktikable Lösungen, die Klimaschutz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit miteinander verbinden.

Auswirkungen reichen weit über Trailerhersteller hinaus

Für Logistikunternehmen geht die Debatte deutlich über die Trailerindustrie hinaus. Sollten sich die Warnungen der Hersteller bewahrheiten, könnten steigende Anschaffungskosten den ohnehin hohen Investitionsdruck bei der Flottenmodernisierung weiter erhöhen. Gerade in Zeiten der Transformation hin zu emissionsärmeren Transporten könnten zusätzliche regulatorische Belastungen die Erneuerung der Fahrzeugflotten erschweren. Die Entscheidung über die anhängige Klage dürfte deshalb weit über die Trailerbranche hinaus aufmerksam verfolgt werden.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Kögel Trailer
  • Thema: Kritik an der EU-Vecto-Regulierung für Trailer
  • EU-Verordnung: (EU) 2024/1610
  • Ziel der Verordnung: 10 Prozent geringerer Vecto-CO₂-Wert bei Sattelaufliegern bis 2030
  • Kritikpunkt: Trailer verursachen keine eigenen direkten CO₂-Emissionen
  • Mögliche Folgen laut Kögel: bis zu 64 Millionen Euro Strafzahlungen pro Jahr
  • Mögliche Preisentwicklung: bis zu 50 Prozent höhere Trailerpreise
  • Betroffene Branche: europäische Trailerindustrie mit rund 70.000 Arbeitsplätzen
  • Politische Unterstützung: Hubert Aiwanger
  • Juristische Schritte: Klage von acht europäischen Trailerherstellern gegen die EU-Regelung