Daimler Truck Q3 2026: Gewinn rauf, E-Lkw runter

Daimler Truck: Quartalszahlen 2026
Gewinnsprung trotz schwacher Elektro-Verkäufe

Daimler Truck verdient im dritten Quartal 2026 wieder kräftig. Nordamerika treibt den Gewinn, Mercedes-Benz Trucks legt zu. Doch der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge bricht um 28 Prozent ein.

Weltumrundung mit dem Mercedes-Benz eActros 600 // Around the world with the Mercedes-Benz eActros 600
Foto: Daimler Truck

Daimler Truck meldet für das dritte Quartal 2026 deutlich mehr Absatz, Umsatz und Gewinn. Vor allem Nordamerika liefert wieder kräftig ab. Doch der Blick auf die ersten neun Monate und die Elektro-Verkäufe trübt das Bild.

Erfolgsmeldung mit zwei Haken

Bei dem Lkw-Hersteller aus Stuttgart läuft der Motor wieder deutlich runder. Im dritten Quartal 2026 verkaufte der Nutzfahrzeugbauer weltweit 91.260 Fahrzeuge und damit 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Industriegeschäfts kletterte um 20 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro. Noch kräftiger legte der Gewinn zu: Das bereinigte Konzern-EBIT sprang um 73 Prozent auf 1,124 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite des Industriegeschäfts verbesserte sich von 6,2 auf 9,1 Prozent. Damit hat Daimler Truck nach einem schwierigen Jahresbeginn wieder deutlich an Profitabilität gewonnen. Allerdings hat die Erfolgsmeldung zwei Haken: Über die ersten neun Monate betrachtet liegt das bereinigte Konzernergebnis weiterhin im Minus. Und während die klassischen Lkw-Verkäufe anziehen, geht der Absatz elektrifizierter Nutzfahrzeuge zurück.

Nordamerika zieht Daimler Truck aus dem Tief

Den größten Beitrag zur Erholung liefert Daimler Truck North America. Die Sparte setzte im dritten Quartal 45.629 Fahrzeuge ab – ein Plus von 51 Prozent. Der Umsatz stieg um 43 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT schoss von 257 auf 691 Millionen Euro nach oben. Besonders auffällig ist die Profitabilität: Die bereinigte Umsatzrendite verbesserte sich von 6,4 auf 12,1 Prozent. Damit ist Nordamerika wieder der wichtigste Ergebnistreiber im Fahrzeuggeschäft. Allerdings profitierte Daimler Truck nicht nur von höheren Stückzahlen, einer besseren Preisdurchsetzung und der Markterholung. Im Zwischenbericht nennt der Hersteller auch Ansprüche auf die Erstattung bereits gezahlter US-Einfuhrzölle. Die Anerkennung amerikanischer Wertschöpfungsanteile verringerte die Umsatzkosten um einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Der Gewinnsprung ist damit zwar beachtlich, aber nicht ausschließlich das Ergebnis eines stärkeren laufenden Geschäfts. Zudem zeigt der Neunmonatsvergleich, wie tief das Nordamerika-Geschäft zuvor gefallen war: Trotz des starken dritten Quartals liegt das bereinigte EBIT der Sparte seit Jahresbeginn mit 1,335 Milliarden Euro noch immer 21 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Mercedes-Benz Trucks wächst – die Marge bleibt unter Druck

Auch Mercedes-Benz Trucks verkauft wieder mehr Fahrzeuge. Im dritten Quartal stieg der Absatz um 13 Prozent auf 40.362 Einheiten. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 5,36 Milliarden Euro zu, das bereinigte EBIT um sechs Prozent auf 337 Millionen Euro. In Europa profitierte die Sparte von einem höheren Marktanteil. In der Region EU30 wurden 16.989 Fahrzeuge verkauft, nach 15.012 im Vorjahresquartal. Deutschland steuerte mit 6.328 Einheiten einen wichtigen Teil zum Wachstum bei. Auch Indien entwickelte sich mit 6.615 verkauften Fahrzeugen deutlich positiv. Bei der Rendite bleibt allerdings Luft nach oben. Die bereinigte Umsatzrendite sank leicht von 6,5 auf 6,3 Prozent. Höhere Materialkosten und ungünstige Preiseffekte belasteten das Ergebnis. Die Entwicklung zeigt: Mercedes-Benz Trucks gewinnt zwar Absatz hinzu, kann das zusätzliche Geschäft bislang aber nicht vollständig in höhere Profitabilität umsetzen.

Elektro-Nutzfahrzuege: Absatz sinkt um 28 Prozent

Besonders ernüchternd fällt der Blick auf die elektrifizierten Fahrzeuge aus. Konzernweit verkaufte Daimler Truck im dritten Quartal lediglich 1.207 batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellen-Fahrzeuge. Ein Jahr zuvor waren es noch 1.679 gewesen. Das entspricht einem Rückgang um 28 Prozent – und das bei einem gleichzeitig um 26 Prozent gestiegenen Gesamtabsatz. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Konzernabsatz schrumpfte damit rechnerisch von rund 2,3 auf 1,3 Prozent. In den ersten neun Monaten setzte Daimler Truck insgesamt 3.354 elektrifizierte Fahrzeuge ab, zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das ist auf den ersten Blick ein bemerkenswerter Gegensatz zur Produktstrategie des Konzerns. Seitens Daimler Truck gibt es diesbezüglich allerdings Entwarnung: Der Rückgang sei auf Probleme bei der Auslieferung des Elekto-Stadtbusses eCitaro zurückzuführen, heißt es dazu aus der Stuttgarter Unternehmenszentrale.

Daimler Buses verliert Absatz und Gewinn

Während die Lkw-Sparten wachsen, läuft es bei Daimler Buses weniger rund. Die Bussparte verkaufte im dritten Quartal 5.394 Fahrzeuge, 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank um vier Prozent auf 1,34 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT ging um zehn Prozent auf 123 Millionen Euro zurück. Die bereinigte Umsatzrendite blieb mit 9,2 Prozent zwar auf einem vergleichsweise hohen Niveau, lag aber unter den 9,8 Prozent des Vorjahresquartals. Als wesentlichen Grund für den Absatzrückgang nennt Daimler Truck wirtschaftliche und politische Unsicherheiten in Lateinamerika. Besonders Brasilien belastete das Geschäft: Dort sank der Absatz von 2.521 auf 1.681 Busse. Erfreulicher entwickelte sich dagegen das Finanzdienstleistungsgeschäft. Daimler Truck Financial Services steigerte das Neugeschäft um 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT wuchs um 29 Prozent auf 62 Millionen Euro.

Hoher Cashflow – aber nicht nur aus dem Lkw-Geschäft

Eine weitere auffällige Kennzahl ist der Free Cashflow des Industriegeschäfts. Er stieg im dritten Quartal von gerade einmal 24 Millionen Euro im Vorjahr auf 974 Millionen Euro. Das klingt nach einem gewaltigen operativen Fortschritt. Tatsächlich profitierte Daimler Truck jedoch auch vom Verkauf eines Teils seiner Beteiligung an Archion, der gemeinsamen Holding von Mitsubishi Fuso und Hino. Allein diese Transaktion brachte dem Konzern rund 600 Millionen Euro ein. Nach dem Teilverkauf hält Daimler Truck noch 25 Prozent an Archion. Bereits im zweiten Quartal war Mitsubishi Fuso aus dem Konzernabschluss ausgeschieden. Für die Einordnung ist das entscheidend: Der hohe Free Cashflow belegt eine verbesserte Liquiditätssituation, lässt sich aber nicht allein auf höhere Erträge aus dem Fahrzeugverkauf zurückführen.

Nach neun Monaten bleibt die Bilanz durchwachsen

So stark das dritte Quartal ausfällt, so gemischt bleibt der Blick auf das Gesamtjahr. In den ersten neun Monaten 2026 setzte Daimler Truck 246.816 Fahrzeuge ab, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz des Industriegeschäfts stieg um drei Prozent auf 32,2 Milliarden Euro. Beim bereinigten Konzern-EBIT steht dagegen ein Rückgang um zehn Prozent auf 2,46 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite des Industriegeschäfts fiel von 8,4 auf 7,1 Prozent. Positiv entwickelte sich der Auftragseingang. Im dritten Quartal verbuchte Daimler Truck 71.168 Bestellungen, zehn Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Seit Jahresbeginn summiert sich der Auftragseingang auf 259.659 Fahrzeuge – ein Plus von 30 Prozent. Der Hersteller hält deshalb an seiner Jahresprognose fest. Für 2026 erwartet Daimler Truck ein bereinigtes Konzern-EBIT zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro. Im Industriegeschäft sollen 340.000 bis 370.000 Fahrzeuge verkauft und eine bereinigte Umsatzrendite von sieben bis neun Prozent erzielt werden.

In Kürze: die Key Facts

  • Berichtszeitraum: Drittes Quartal 2026 (Juli bis September).
  • Konzernabsatz: 91.260 Fahrzeuge, 26 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
  • Umsatz Industriegeschäft: 11,635 Milliarden Euro, ein Plus von 20 Prozent.
  • Bereinigtes Konzern-EBIT: 1,124 Milliarden Euro, 73 Prozent über Vorjahr.
  • Bereinigte Umsatzrendite Industriegeschäft: 9,1 Prozent gegenüber 6,2 Prozent im Vorjahr.
  • Trucks North America: 45.629 verkaufte Fahrzeuge (+51 Prozent), bereinigtes EBIT von 691 Millionen Euro (+169 Prozent).
  • Mercedes-Benz Trucks: 40.362 verkaufte Fahrzeuge (+13 Prozent), bereinigtes EBIT von 337 Millionen Euro (+6 Prozent).
  • Daimler Buses: 5.394 verkaufte Fahrzeuge (−16 Prozent), bereinigtes EBIT von 123 Millionen Euro (−10 Prozent).
  • Elektrifizierte Fahrzeuge: 1.207 Einheiten im dritten Quartal, 28 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Auftragseingang: 71.168 Fahrzeuge im dritten Quartal (+10 Prozent), 259.659 Fahrzeuge seit Jahresbeginn (+30 Prozent).
  • Free Cashflow Industriegeschäft: 974 Millionen Euro im dritten Quartal; darin enthalten sind positive Effekte aus dem ARCHION-Beteiligungsverkauf.
  • Neunmonatsbilanz: Bereinigtes Konzern-EBIT von 2,46 Milliarden Euro, zehn Prozent unter Vorjahr.
  • Jahresprognose 2026: Bereinigtes Konzern-EBIT zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro; bereinigte Umsatzrendite des Industriegeschäfts zwischen sieben und neun Prozent.
  • Besonderheit Nordamerika: Das Quartalsergebnis profitierte auch von Erstattungsansprüchen für bereits gezahlte US-Einfuhrzölle.

Fazit

Daimler Truck: Die Erholung hat noch Schwachstellen

Daimler Truck meldet sich mit einem starken dritten Quartal zurück. Vor allem das Nordamerika-Geschäft zeigt, wie schnell die Profitabilität bei steigenden Stückzahlen wieder zulegen kann. Allerdings helfen auch Zollerstattungen und ein Beteiligungsverkauf beim positiven Gesamtbild. Nach neun Monaten liegt das bereinigte Konzernergebnis weiterhin unter Vorjahr. Und der rückläufige Absatz elektrifizierter Fahrzeuge macht deutlich, dass die Transformation noch längst kein Selbstläufer ist. Und zwar unabhängig davon, ob es an der fehlenden Nachfrage oder Schwierigkeiten in der Auslieferunf liegt. Der Aufschwung ist da – aber er steht noch nicht auf allen Rädern.